dok.film: Zwischen Rampenlicht und Rotlicht - das Varieté

TV-Premiere für persönliche Familiengeschichte von Regisseurin Karoline T. Heflin als Liebeserklärung an Wiener Nachtleben

Wien (OTS) - Das Bühnenleben gleicht einer Achterbahnfahrt - einmal geht's bergauf, dann wieder steil bergab. Akrobaten, Stripteasestars, Nachtclubbesitzer und Travestiekünstler - sie alle vereint das Varieté. Sie alle schwärmen davon, kennen aber auch die Schattenseiten des Lebens zwischen Kunstform und Unterhaltung, wissen um den Spagat zwischen Rampenlicht und Rotlicht. Einen sehr persönlichen Dokumentarfilm als Liebeserklärung an das Wiener Nachtleben präsentiert Regisseurin Karoline T. Heflin am Sonntag, dem 7. Dezember 2014, im Rahmen von "dok.film" um 23.05 Uhr in ORF 2. Aus dem gegenwärtigen Verständnis von Gesellschaftsfähigkeit, Moral und Unterhaltung reist die Filmemacherin in "Zwischen Rampenlicht und Rotlicht - das Varieté" zurück in die Blütezeit des Varietés und Cabarets und spannt den Bogen bis in die Gegenwart. Gleichzeitig erzählt sie damit auf ungewöhnliche Weise auch die Lebensgeschichte ihrer Eltern Chris und Ernestine Kirdall, die als "Duo Kirdall" Schlüsselfiguren der österreichischen Varieté-Welt waren und den zeitlichen Wandel dieser Unterhaltungskunst aus nächster Nähe erlebt haben.

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Die Varietékünstler Christo und Erni Kirdall waren eng verwoben mit der Geschichte der Wiener Varieté- und Kabarettbühnen. Christo, der skurrile Selbstdarsteller, besaß ab den frühen 1930er Jahren eine eigene Filmkamera, mit der er alles filmte, was ihn faszinierte:
Varietéshows und nackte, junge Frauen. Als erfolgreicher Varietéartist und Besitzer einer Agentur für "Künstler und Stripteasetänzerinnen" brachte er Beruf und Leidenschaft geschickt unter einen Hut. Seine Filmaufnahmen sind Zeitdokument der sich ständig wandelnden Gesichter einer Stadt, vor, auf und hinter den Bühnen der Varietés.

Ob für die jubelnden Massen des Ronachers der 1930er Jahre oder für die Besatzungssoldaten in den amerikanischen Clubs - die Varietéartisten sorgten für Unterhaltung, Ablenkung und Applaus. Für die zarte Erotik waren die - anfangs noch leicht bekleideten -Schönheitstänzerinnen und Revuegirls zuständig. Dem Widerstand der prüden gesellschaftlichen Moralvorstellungen zum Trotz - knnte sich dieser Programmpunkt bald zu einem beliebten Showelement etablieren und war Teil des familientauglichen Unterhaltungspakets.

Der Wunsch nach Freizügigkeit und sexueller Offenheit dominierte das Varieté-Programm der 1960er Jahre und lenkte die Shows unweigerlich in die Nachtclubs. In Lokalen wie der "Eve Bar", dem "Chez Nous" oder dem "Cabaret Renz" feierte die Kunst der Erotik und des neckischen "Sich-Ausziehens" auch in Wien ihre Hochblüte. Aber auch klassische Akrobaten oder Dompteure waren Teil der Showprogramme.

Wenn es um die Vermittlung von Artisten oder Stripteasetänzerinnen an die angesagten Nachtclubs ging, war die "Kirdall Agency" über Jahrzehnte die erste Adresse in Wien. Mit Fachwissen und Geschick bildete Erni Kirdall die jungen Frauen zu erfolgreichen Stripteasestars aus. Die schönsten und besten Stripteasetänzerinnen, die "Grandes Vedettes", waren früher noch unnahbare Objekte der Begierde und bildeten mit ihren Auftritten den krönenden Abschluss jedes Abends. Spätestens in den 1990er Jahren wurde in Etablissements wie dem "Varieté Maxim" auf ein anderes Unterhaltungskonzept gesetzt:
"Personal zum Anfassen", lautete die Devise.
Damit das Geschäft, das sich immer mehr auf Sex fokussierte, besser lief, wurden die Tänzerinnen auch zu Animierdamen und damit am Alkoholumsatz beteiligt. Wer noch mehr verdienen wollte "zog sich ins Séparée zurück".

Lange Zeit war sie von den bedeutenden Bühnen verschwunden, "die Kunst des Striptease". Erst jetzt, drei Jahrzehnte nach ihrem Niedergang, hat sie wieder ihren Platz in Wien gefunden. Den Veranstaltern der Roten Bar gelang es, den "Cirque Rouge", eine erotische Bühnenshow im Stil der 30er Jahre, wieder zu etablieren. Das Varieté ist auf dem Weg zu neuer Blüte: So wie früher einmal und doch wieder ganz anders.

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