AK-Wertschöpfungsbarometer: Gewinnausschüttungen 2013 höher als die Lohnsumme von 90.000 Beschäftigten

Linz (OTS) - 2013 überstieg die durchschnittliche Pro-Kopf-Wertschöpfung (Produktivität) in österreichischen Mittel-und Großbetrieben den durchschnittlichen Pro-Kopf-Personalaufwand um 33.762 Euro. Nach einem Jahrzehnt überdurchschnittlicher Steigerungen ist dieser Wert aufgrund der schwachen Konjunkturentwicklung in den letzten beiden Jahren zurückgegangen. "Trotzdem sind die Gewinnauszahlungen an die Eigentümer pro Beschäftigtem mit 13.226 Euro sehr hoch geblieben", kritisiert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. "Allein mit den Gewinnausschüttungen der untersuchten 920 Unternehmen im Jahr 2013 hätten die Löhne und Gehälter von 90.400 Arbeitsnehmern inklusive aller Sozialaufwendungen und Abfertigungen bezahlt werden können."

Seit 2003 sind die Gewinnauszahlungen pro Beschäftigter/pro Beschäftigtem an die Eigentümer/-innen um zwei Drittel gewachsen und damit zweieinhalb Mal so schnell wie der Personalaufwand pro Beschäftigter/pro Beschäftigtem. Das zeigt: Statt das erwirtschaftete Geld für die Finanzierung höherer Löhne, neuer Arbeitsplätze, geringerer Arbeitszeit oder für Innovationen zu verwenden, wurde es in steigendem Ausmaß an die Eigentümer/-innen ausgeschüttet.

Diese Zahlen ergeben sich aus Berechnungen zum AK-Wertschöpfungsbarometer. Dabei errechnet die AK Oberösterreich anhand der veröffentlichten Jahresabschlüsse mittlerer und großer Unternehmen seit Jahren, wie sich die Produktivität der Beschäftigten im Vergleich zu den Personalaufwendungen entwickelt. Jetzt wurde diese Auswertung um die Daten der aktuell vorliegenden Jahresabschlüsse 2013 von derzeit 920 Unternehmen mit insgesamt 421.825 Beschäftigten erweitert. Auf kleine Betriebe sind aus der Studie keine Rückschlüsse möglich.

Gerade in einer konjunkturell schwierigen Zeit wäre es besonders wichtig, dass ein großer Teil der erzielten Gewinne in den Fortbestand der Unternehmen und ihre Arbeitsplätze investiert wird. Flossen jedoch 2012 noch rund 62 Prozent der Gesamtinvestitionen in die für die Standortsicherung sehr wichtigen Sachanlagen, so hat sich dieser Wert 2013 auf rund 43,3 Prozent drastisch reduziert. Gleichzeitig ist der Anteil der Finanzinvestitionen an den Gesamtinvestitionen von 32,6 Prozent auf 45,1 Prozent gestiegen. Hauptverantwortlich waren deutlich gestiegene Investitionen in Anteile an Konzern- oder Konkurrenz-Unternehmen.

Die Mitarbeiter/-innen haben mit ihrer Produktivität auch 2013 wesentlich dazu beigetragen, dass viele österreichische Unternehmen zufriedenstellende Ergebnisse und eine hohe Rentabilität des eingesetzten Eigenkapitals erzielen konnten. Gleichzeitig belasten aber die satten Gewinnauszahlungen an die Eigentümer/-innen die Entwicklung der Unternehmen und vor allem der Arbeitsplätze. Der Wertschöpfungsbarometers 2013 zeigt, dass sich die Verteilungsschieflage verfestigt hat.

"Die Unternehmen müssen in die Pflicht genommen werden, wieder einen gerechten Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten und durch faire Löhne und Gehälter, Überstundenabbau und Arbeitszeitverkürzung mit Ausgleich bei Lohn und Personal zur Konjunkturbelebung und zum Abbau der Arbeitslosigkeit beizutragen", sagt der AK-Präsident. Kalliauer fordert die Unternehmen auch auf, verstärkt in Sachanlagen statt in Finanzanlagen zu investieren und die Gewinnauszahlungen an die Eigentümer/-innen am langfristigen Unternehmenswohl und der Entwicklung der Löhne und Gehälter statt an den kurzfristigen Interessen der Eigentümer nach maximaler Rendite zu orientieren.

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