ORF zum 85. Geburtstag von Arnulf Rainer

Neue Dokumentation in ORF 2, zwei Radiosendungen in Ö1

Wien (OTS) - Arnulf Rainer wird am 8. Dezember 85 Jahre alt. Der ORF würdigt den Maler, der zu Österreichs führenden Vertretern am internationalen Kunstmarkt zählt und u. a. bekannt ist für seine wilden Übermalungen, am 1. Dezember mit einer neuen Dokumentation im Rahmen des "Kulturmontag": "Der Über-Maler: Arnulf Rainer" von Claudia Teissig. Ö1 gratuliert bereits ab 30. November mit zwei Sendungen: Die "Menschenbilder" bringen unter dem Titel "Arnulf Rainer - Malerei, um die Malerei zu verlassen" am Sonntag, dem 30. November, um 14.05 Uhr, ein aktuelles Gespräch mit dem außergewöhnlichen Künstler. Am Samstag, dem 6. Dezember, um 9.05 Uhr präsentieren die "Hörbilder" das Porträt "Der Normalstörfall. 85 Jahre Arnulf Rainer".

TV-Doku "Der Über-Maler: Arnulf Rainer"
im "Kulturmontag", 1. Dezember, ab 22.30 Uhr, ORF 2

Zeit seines Lebens hat er provoziert, agitiert und polarisiert! Trotzdem oder gerade deswegen ist Arnulf Rainer in den internationalen Kunst-Olymp aufgestiegen. "Das Werk des anderen ist Humus für das eigene", notiert der Autodidakt 1962. Mit seinen wilden Übermalungen, witzigen Grimassenfotos, den sogenannten Face Farces, den Body Poses oder seinen Überzeichnungen von Leonardo, Messerschmidt, Rembrandt und Goya hat er Kunstgeschichte geschrieben und zählt heute zu Österreichs führenden Vertretern am internationalen Kunstmarkt. Rainers Bilder sind Zustandsprotokolle eines Suchenden, die Spannung des Unvollendeten prägt sein Werk. Seine Sehnsucht nach Vollkommenheit treibt den Experimentierfreudigen an. Er ist ein Besessener, der im manischen Übermalen seine Erfüllung findet. Als berühmt-berüchtigter Querkopf stellt Arnulf Rainer in allen großen Museen der Welt aus. Die Wiener Albertina widmet ihm zum Jubiläum eine umfassende Retrospektive.
Die Dokumentation von Claudia Teissig folgt den Spuren des außergewöhnlichen Künstlers und hat ihn dazu in seinem bayrischen Refugium - unweit von Passau direkt am Inn besucht. Den idyllischen Ort, in einem ehemaligen Benediktinerkloster aus dem 17. Jahrhundert, hat Rainer schon in den 1950er Jahren gefunden. Ganz bewusst hat er hier einen Wohnsitz gesucht, denn in Deutschland hatte er lange Zeit die einzige Möglichkeit, auszustellen und Sammler zu finden.
Heute ist Arnulf Rainer milder geworden. Der geniale Selbstdarsteller, der sich und seine Kunst ständig überprüft, betreibt die Malerei nach wie vor - nach 70 Jahren. Rainer - ein Rastloser. Von Wien bis Oberösterreich, von Teneriffa bis Bayern, seit Jahrzehnten pendelt der Malerstar zwischen seinen Ateliers hin und her.

Ö1-"Menschenbilder": "Arnulf Rainer - Malerei, um die Malerei zu verlassen"
Sonntag, 30. November, 14.05 Uhr

In den frühen 1960er Jahren formulierte Arnulf Rainer seine Idee von der "Malerei, um die Malerei zu verlassen", er experimentierte mit unterschiedlichen Konzepten - von übermalten Bildern über expressive Fingermalereien bis zu den großen Kreuzserien.
1993 wurde ein Arnulf Rainer Museum in New York eröffnet, 2009 ein eigenes Museum in Baden bei Wien und zu seinem 85. Geburtstag feiert ihn die Albertina mit einer großen Ausstellung. Das gesamte Gespräch, gestaltet von Petra Herczeg und Rainer Rosenberg, ist übrigens als Ö1-CD erschienen.

Ö1-"Hörbilder": "Der Normalstörfall. 85 Jahre Arnulf Rainer. Ein Porträt des österreichischen Malers und Übermalers"
Samstag, 6. Dezember, 9.05 Uhr

Er wolle der Welt erklären, wer er sei, um nicht verwechselt zu werden, schrieb Friedrich Nietzsche im Vorwort zu seinem autobiografischen Text "Ecce homo". "Meine Kommentare sind Trick und Gebrauchstexte, um noch schlimmeren Interpretationen anderer zuvorzukommen", sagt Arnulf Rainer. Nietzsche wie Rainer haben ihr Leben lang daran gearbeitet, Werk und Person zu einer unverwechselbaren Einheit werden zu lassen, zu einer Trademark. Das funktioniert nur dann, wenn man ständig zugeschriebene Rollen verweigert, eigene Positionen ironisiert und die Erwartung des Publikums unterläuft.
Es geht dabei auch um Aufmerksamkeit: Als Störfall im Literaturbetrieb positioniert man sich unübersehbar in diesem. Und wenn man lange genug daran arbeitet, den Interpretationen anderer zuvorzukommen, wird aus dem Störfall ein Normalstörfall.
Das Paradox eines Künstlers also als allgemein anerkannter, vielfach ausgezeichneter und gut verdienender Provokateur mit eigenem Museum:
"Ich habe das Gefühl, ich bin durchs Leben gegangen wie durch einen Traum", sagt Arnulf Rainer in dem Radiofeature von Peter Zimmermann.

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