Moretti: Quoten sind reine Symptombehandlung, bieten aber keine Lösung

Frau in der Wirtschaft sieht die in Deutschland beschlossene Frauenquote für Aufsichtsräte in großen Unternehmen kritisch

Wien (OTS/PWK840) - "Wir unterstützen die Forderung nach einem höheren Frauenanteil in Führungspositionen ganz klar. Allerdings ist die Einführung einer Quote, wie dies in Deutschland nun für Aufsichtsräte börsennotierter und mitbestimmungspflichtigen Unternehmen per Gesetz fixiert werden soll, der falsche Weg", zeigt sich Adelheid Moretti, Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft (FiW) in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), überzeugt. Die Vertreterin der rund 130.000 Unternehmerinnen in Österreich sieht die Entwicklung im Nachbarland kritisch: "Quoten sind reine Symptombehandlungen, bieten aber keine Lösung des Problems".

Kinderbetreuungseinrichtungen und Unterstützung statt Goldröcke

Wesentlich zielführender als eine Quote in Aufsichtsräten sei es, Mädchen und Frauen verstärkt für technische, immer noch frauen-untypische, Berufe zu gewinnen und parallel dazu qualitative Betreuungsangebote für Familien zu schaffen. "Frauen sind sehr oft top ausgebildet, ziehen im Beruf aber deshalb den Kürzeren, weil es immer noch deutlich zu wenig Kinderbetreuungsmöglichkeiten gibt", kritisiert Moretti. Flächendeckende Kinderbetreuung sei daher ein Muss - vor allem auch für unter Dreijährige und Schulkinder an den Nachmittagen. "Wenn die passende Betreuung fehlt, helfen auch Quoten nichts".

Dass Frauenquoten nicht ausreichen, um die gläserne Decke zu durchbrechen, zeigt auch das Beispiel Norwegen mit dem Phänomen der "Goldröcke": Zwar garantiert ein Gesetz das Gleichgewicht der Geschlechter, jedoch teilen sich etwa 70 Managerinnen gut 300 Aufsichtsratsposten.

Empowerment und Netzwerk

Ein wichtiger Schritt für einen höheren Frauenanteil in Top-Positionen sei es, auch fürs mittlere Management viele Frauen zu gewinnen. Denn nur so könne der Sprung in die Führungsetagen und letztendlich auch in die Aufsichtsratsebenen gelingen. "Wir müssen also einerseits Frauen den Rücken stärken und sie selbstbewusster machen und andererseits den flächendeckenden Ausbau von flexiblen Kinderbetreuungsplätzen endlich vorantreiben", fordert Moretti. Als Erfolgsgeschichte gilt das von WKÖ, Industriellenvereinigung (IV) und dem Wirtschaftsministerium (BMWFJ) initiierte Führungskräfte-Programm "Zukunft.Frauen", das Top Frauen für Aufsichtsratspositionen sichtbar macht. (ES)

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