Neues Volksblatt: "Wirklich zynisch" von CR Christian HAUBNER

Ausgabe vom 27. November 2014

Linz (OTS) - Die Diskussionsgrundlage, das Pensionsantrittsalter analog zur Lebenserwartung schrittweise zu erhöhen, hat SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann mehrfach als zynisch bezeichnet. Ein Blick auf die Mathematik abseits jeglichen Populismus zeigt: Wenn es künftig immer weniger junge Beitragszahler gibt und diesen eine immer größere Zahl an Pensionsempfängern gegenübersteht, dann wird das System immer schwieriger zu finanzieren. Nichts anderes sagt auch die brandaktuelle Studie der Pensionskommission.
Und es stimmt schon: Wenn Menschen länger arbeiten sollen, muss es auch entsprechende Arbeitsplätze geben. Das dürfte aber in 30 Jahren wohl der Fall sein, wenn jüngere Kräfte Mangelware sind. Es braucht zudem eine Kultur, die ältere Arbeitnehmer nicht nur als Kostenfaktor sieht. Auf der anderen Seite muss auch aufseiten der Arbeitnehmer ein Kulturwandel her: Es sollte sich mehr und mehr durchsetzen, nicht schon mit 50 an die Pension zu denken.
Vor den mathematischen Fakten erscheinen Faymanns offensichtliche Parteitagsansagen in einem anderen Licht: Ist es wirklich legitim, so zu tun, als ob es kein Problem gäbe, nur um die Menschen in trügerischer Sicherheit zu wiegen? Es stellt sich schon die Frage, ob die Vorgehensweise, allen Berechnungen zum Trotz zu beschwichtigen, bloß weil man sich am Parteitag kein blaues Auge holen möchte, nicht die wirklich zynische ist.

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