• 26.11.2014, 12:05:29
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BAG: Reform der Gesundheits- und Krankenpflegeberufe nicht nur fürs Krankenhaus

Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt fordert Verbesserungen auch für Menschen im Alter und Menschen mit Behinderungen

Utl.: Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt fordert
Verbesserungen auch für Menschen im Alter und Menschen mit
Behinderungen =

Wien (OTS) - Auf Drängen der LandesrätInnen für Gesundheit hat das
Gesundheitsministerium einen komplett neuen Entwurf für die Reform
der Gesundheits- und Krankenpflegeberufe vorgelegt, obwohl bereits
seit Jahren an einem Reformvorschlag seitens des ÖBIG
(Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheit) gearbeitet wurde.

Die BAG (Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe)
fordert in ihrer heutigen Pressekonferenz, dass die Reform der
Gesundheitsberufe nicht nur auf das Krankenhaus, sondern auch auf den
sozialen Sektor abzielt. Auch müssen die Kompetenzen der einzelnen
Berufsgruppen so angepasst werden, dass eine gute Betreuung in allen
Settings (z.B. Pflegeheim, mobile Dienste, Krankenhäuser, etc.)
möglich wird. Damit in Zusammenhang steht der Berufs-Mix, denn
derzeit gibt es neben den bundesweit geregelten Gesundheitsberufen
auch die länderweit geregelten Sozialbetreuungsberufe, die bei einer
Reform mitgedacht werden müssten. Einig ist sich die BAG jedenfalls,
dass eine Weiterentwicklung der Berufe nötig ist - der Bedarf im
Bereich Pflege und Betreuung wird in den kommenden Jahren steigen und
eine Anpassung der Berufsgruppen unabdingbar machen.

"Die Berufsausbildungen in der Pflege werden reformiert - doch die
Vorschläge berücksichtigen derzeit nur die Beschäftigten im
Krankenhaus," so Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich,
heute anlässlich der Pressekonferenz der BAG. "Menschen im Alter und
Menschen mit Behinderung werden von den gleichen Berufsgruppen
versorgt, z.B. von Krankenschwestern oder Pflegehilfen. Sie leben
aber nicht in Krankenhäusern, sondern zu Hause, in Wohngemeinschaften
oder in Alten- und Pflegeheimen. Hier sind die Bedürfnisse der
Menschen andere - das muss bei einer Reform berücksichtigt werden."

"Aus Sicht des Roten Kreuzes sind die Reformvorschläge zur
diplomierten Gesundheits- und Krankenpflege nichts anderes als "alter
Wein in neuen Schläuchen", betont Monika Wild, Leiterin der
Gesundheits- und Sozialen Dienste des Roten Kreuzes. "Wichtig wäre,
dass die Kompetenzen der Pflegeassistenz plus mehr auf die
Anforderungen der Langzeitpflege ausgerichtet würden, und die
Bedürfnisse für die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz,
multimorbide Menschen etc. besser berücksichtigen".

"Auch die mobile Langzeitpflege wird bei der Berufsreform zu wenig
berücksichtigt. Der Fokus liegt leider immer noch auf dem
Akutpflegebereich. Diplomierte Pflegekräfte sollten pflegerelevante
Zusatzkompetenzen etwa bei der Verschreibung von Pflegehilfsmittel
bekommen und Pflegehelfer/innen selbstständiger arbeiten dürfen",
ergänzt Walter Marschitz, Geschäftsführer des Hilfswerk Österreich.

Laut Bernd Wachter, Generalsekretär der Caritas Österreich, fehlen
bei der Reform der Gesundheitsberufe auch die Sozialbetreuungsberufe,
die derzeit über eine so genannte 15a Vereinbarung durch die Länder
geregelt sind. "Die Kompetenz für das Berufsrecht der
Sozialbetreuungsberufe muss auf die Bundesebene übertragen werden.
Dann wäre eine koordinierte Anpassung von Pflege- und
Sozialbetreuungsberufen möglich", so Wachter.

Erich Fenninger, Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe, verweist
schließlich noch auf den dringenden Bedarf, der in der Pflege und
Betreuung in den nächsten Jahren entstehen wird. "Um den für 2020
prognostizierten Bedarf an Pflege- und Betreuung decken zu können,
ist eine Steigerung an Plätzen, Stunden und Personal unabdingbar. In
der mobilen Pflege sind beispielsweise laut Sozialministerium 60 %
mehr Einsatzstunden notwendig. Um diese Herausforderung zu
bewältigen, braucht es Maßnahmen auf mehreren Ebenen. Es bedarf neben
Reformen in der Ausbildung, auch organisatorischen Änderungen und
Anstrengungen, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen."

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) ist ein freier
Zusammenschluss von Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und
Volkshilfe. Sie nimmt Stellung zu aktuellen sozialpolitischen
Fragestellungen und versucht, Verbesserungen der Rahmenbedingungen
sozialer Arbeit in Österreich zu erwirken. Die BAG veranstaltet
gemeinsam mit dem pflegenetz den Pflegekongress, der morgen, am 27.
und 28. November im Austria Center Vienna stattfindet, mit dem Motto:
"Frei sein = Sicher sein? Lebensqualität im Spannungsfeld zwischen
Freiheit und Sicherheit".

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