Terra Mater Magazin exklusiv: Olivier Roy über den Kampf des IS: "Der religiöse Faktor ist zweitrangig"

International anerkannter Islamismus-Experte erklärt die Faszination, die von der Terror-Organisation auf junge Menschen ausgeht.

Wien (OTS) - In einem Interview mit dem am Dienstag erschienenen Magazin "Terra Mater" kritisiert Olivier Roy die Reaktion des Westens auf die Kämpfer des Islamischen Staates (IS): "Der sogenannte Islamische Staat ist lediglich eine regionale Kraft. Sie stellte für den Westen kein Problem dar, bis zu dem Zeitpunkt, an dem man sich entschloss, ihre Stellungen zu bombardieren. Wir haben überreagiert." Roy ist Politologe am Europäischen Institut in Florenz. Die Entwicklung des politischen Islam verfolgt er seit Jahrzehnten, er berät bei Fragen zu seinem Fachgebiet die Regierung Frankreichs und die UNO. Den Aufstieg des islamischen Neofundamentalismus beschrieb er bereits 1992.
Besonders irritiert den Experten die Annahme vieler westlicher Beobachter, wonach die Kämpfer vor allem religiös motiviert seien. "Der Fehler, der gerade in Europa gemacht wird, ist, dass man im Salafismus eine Art Kampf der Kulturen statt einer eigenartigen Radikalisierung einer westlichen oder verwestlichten Jugend sieht." Die würden zum Großteil nicht in Moscheen, sondern im Internet radikalisiert. "Wir haben den Islam zu einem weltweiten Bedrohungsszenario stilisiert. Wenn ein unzufriedener, frustrierter Jugendlicher der Gesellschaft oder dem System Schaden zufügen will, schlägt er sich auf die Seite der dämonisierten Marke." Mit Religion habe das nichts zu tun. "Vor kurzem wurden in England zwei junge Frauen abgefangen, die auf dem Weg zum IS waren. Die Polizei fand heraus, dass ihr letzter Einkauf ein Buch mit dem Titel "Islam for Dummies" war.
Roy glaubt, dass die Faszination, die der IS auf junge Menschen in Europa ausübt, bald verblassen wird: "In Europa gibt es seit hundert Jahren immer Bewegungen am extremen Rand der Gesellschaft - häufig verbunden mit einer Radikalisierung der Jugend. Die sind alle wieder verschwunden. Das werden auch die radikalen Islamisten eines Tages." Roy vergleicht die islamistischen Kämpfer mit den RAF-Terroristen, die in den 70er-Jahren Deutschland terrorisierten: "Viele Dschihadisten werden so enden wie diese Leute: tot, hoffnungslos oder reumütig, weil sie die Dummheit und die tragischen Konsequenzen ihres Traumes erkennen werden."

Das gesamte Interview ist in der Dezember-Ausgabe des "Terra Mater" Magazins nachzulesen. "Terra Mater" ist das neue Natur- und Wissensmagazin aus dem Red Bull Media House. Es erscheint alle zwei Monate mit aufwendig produzierten Reportagen aus aller Welt und Interviews mit herausragenden Persönlichkeiten.

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Andreas Wollinger
Chefredakteur Terra Mater Magazin
Tel.:01/90221-27901

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