Wiener Gemeinderat zum Budget 2015 (14)

Spezialdebatte: Kultur und Wissenschaft

Wien (OTS) - Wiens Probleme im Kulturbereich blieben unverändert, sagte GR Ing. Mag. Bernhard Dworak (ÖVP): Die Vereinigten Bühnen Wien (VBW) seien defizitär, auch die Freie Szene habe zusätzliches Geld erst auf Druck erhalten. Währenddessen "verfallen" denkmalgeschützte Bauten in der Innenstadt, weil der Altstadterhaltungsfonds nicht hoch genug dotiert sei. Dabei kämen TouristInnen nicht wegen des neuen sondern des "historischen" Wiens. Außerdem ortete Dworak Subventionsprobleme bei den Wiener Symphonikern. Für sie wäre ein eigenes Spielhaus von Vorteil, das Theater an der Wien oder das Konzerthaus böten sich an. Die Kooperation zwischen Kabelwerk und Garage X sei schiefgelaufen und das künstlerische Konzept dahinter "fragwürdig". Dabei gebe es durchaus Einrichtungen, die ohne große finanzielle Hilfe der Stadt funktionierten, etwa die Vienna Art Week.

GR Dr. Alexander Van der Bellen (Grüne) begrüßte die Steigerung des Wissenschaftsbudgets um rund 50 Prozent. Es sei an der Zeit, neue Wege bei der Wissenschaftsförderung einzuschlagen: Van der Bellen brachte einen Antrag ein, der die Einrichtung eines "Matching Funds" in der Maximalhöhe von zwei Millionen Euro vorsieht. Damit sei gemeint: Könne der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) Gelder privater Dritter, etwa von Mäzenen oder Firmen anwerben, verdopple die Stadt Wien diese Summe. Dies sei ein Pilotprojekt mit Risiken, das sich "hoffentlich lohnt". Funktioniere diese neue Form der Wissenschaftsförderung, sei sie auch im Kulturbereich anzudenken.

GRin Kommerzialrätin Uta Meyer (FPÖ) beklagte, dass die Wiener Musikschulen mit zu wenigen LehrerInnen und Instrumenten ausgestattet seien. In fünf Bezirken gebe es überhaupt keine Musikschulen. Den Wiener Orchestern entgehe durch diese Fehlentwicklung der Nachwuchs -"dabei beneidet die Welt Wien um seine Musik". Die Politik sei gefordert, den "Verfall" des Volkstheaters zu verhindern. Möglichkeiten zum Sparen sah Meyer im Subventionswesen an Vereine; auch der "Wildwuchs" an Theaterfreikarten gehöre gestoppt.

GRin Prof.in Dr.in Elisabeth Vitouch (SPÖ) fand die kontinuierliche Erhöhung des Budgets für Kultur und Wissenschaft in den vergangenen Jahren erfreulich. Wien als Hochschullandschaft befinde sich in steter Veränderung; sie berief sich auf einige Statistiken und Zahlen: 190.000 Studierende lebten in Wien, was die Stadt zum größten Universitätsstandort Mitteleuropas mache. Die Uni Wien sei der lokal drittgrößte Arbeitgeber mit einer Kaufkraft von 1,13 Milliarden Euro. Gemessen an der Zahl wissenschaftlicher Publikationen rangiere Wien in den Top 25 der 250 EU-Regionen. Im kommenden Jahr begingen die Technische Universität und die VetMed 200-jähriges Bestehen und die Hauptuni 650 Jahre. Die Stadt werde diese Jubiläen entsprechend begleiten. Lob fand Vitouch für die Filmförderungsmaßnahmen der Stadt: Prominente Namen wie Haneke, Seidl und Waltz seien Aushängeschilder; aber auch Nachwuchs-FilmemacherInnen, welche der Filmfonds unterstütze, ernteten bereits internationales Lob.

GR Christian Unger (FPÖ) widmete seine Rede dem Altstadterhaltungsfonds. Subventionsanträge in der Höhe von 4,7 Millionen Euro seien dort eingebracht worden, aber nur 2,5 Millionen tatsächlich bewilligt. Es sei falsch, "hier den Sparstift anzusetzen". Würden diese Gelder nicht erhöht, bliebe als Alternative nur, weniger Objekte zu fördern. Das sei aber problematisch, weil dann Denkmäler und Gebäude nach Wichtigkeit gewertet werden müssten. Unger sprach sich gegen das geplante Hochhauskonzept aus, weil es keine Bewahrung des historischen Stadtbildes gewährleiste. Mögliche Hochhäuser würden den Status des Weltkulturerbes gefährden.

Kultur- und Wissenschaftsstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) sprach zunächst über das Wien Museum, dessen Neubau ein "wichtiges Projekt" der kommenden Jahre sei. Große Faktoren seien bereits gelöst: Ein Depot sei geschaffen und finanziert, und ein anerkannter Leiter bestellt. Eine Planungs- und Errichtungsgesellschaft setze den Bau um, diesbezüglich lägen alle Zahlen transparent auf dem Tisch. Betreffend Kunsthalle sagte Mailath, sie leiste mit anerkannten Ausstellungen und 80.000 BesucherInnen im Jahr "hervorragende Arbeit". Die VBW wiederum befänden sich in der erfolgreichsten Phase ihrer Geschichte: Die Häuser seien "ständig ausverkauft", das Theater an der Wien könne sich künstlerisch mit der Staatsoper messen. Ähnlich bemerkenswert sei die Arbeit der Wiener Symphoniker, deren Schaffen für die nächsten Jahre ausfinanziert sei. Zum Volkstheater sagte er: "Es muss und wird saniert werden." Dass die Opposition die Einrichtung schlechtrede, sei allerdings unverantwortlich - zumal die ÖVP einst gegen zusätzliche Mittel für die Bühne gestimmt habe. Der Voranschlag 2015 sehe in Kultur- und Wissenschaftsbudget eine Erhöhung von rund sieben Millionen Euro vor: "Keine andere Metropole hat in Zeiten der Krise eine derartige Steigerung zusammengebracht." (forts.) esl/fis

Rückfragen & Kontakt:

PID-Rathauskorrespondenz
Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien (MA 53)
Stadtredaktion, Diensthabende/r Redakteur/in
Tel.: 01 4000-81081
www.wien.gv.at/rk

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK0013