Androsch/Schmidt: "Gewalt gegen Frauen darf kein Tabuthema sein!"

SPÖ NÖ Frauen führen Infoaktionen in allen Bezirken des Landes durch

St. Pölten (OTS) - Von 25. November bis 10. Dezember findet jedes Jahr die internationale Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" statt, Österreich nimmt seit 1992 daran teil. Die SPÖ Frauen führen auch in diesem Jahr Aktionen in den Bezirken durch, um darauf hinzuweisen, dass Gewalt gegen Frauen kein Tabuthema sein darf und schon gar keine Privatsache ist. Jede fünfte Frau war bzw. ist in ihrem Leben von Gewalt betroffen, jede vierte Frau, die in einer Beziehung lebt, wird in Österreich Opfer von körperlicher Gewalt. Vergangene Woche wurde im Parlament auch der Nationale Aktionsplan zum Schutz der Frauen vor Gewalt diskutiert. Der NAP umfasst 64 geplante Maßnahmen, diese Kampagne ist Teil davon.

In 35 Prozent der Fälle bei Gewalt in der Familie sind Kinder involviert, sagt SPÖ NÖ Landesfrauenvorsitzende Elvira Schmidt:
"Diese sind immer - ob selbst von Gewalt betroffen oder nicht -traumatisiert und geschockt. Untersuchungen zeigen, dass viele dieser Kinder als Erwachsene selbst Gewalt ausüben oder wiederum Opfer von Gewalt werden. Und die Spirale dreht sich weiter...!" Die Dunkelziffer sei bei Gewalthandlungen sehr hoch, so Schmidt weiter:
"Es ist daher wichtig, dass Frauen und Mädchen wissen, wo sie sich hinwenden können, wenn ihnen Gewalt widerfährt. Nicht nur finanzielle Abhängigkeiten, sondern auch die strukturellen Rollenverständnisse und ungleichen Machtverhältnisse hindern Frauen oft daran, aus der Gewaltspirale auszubrechen."

Allein in Niederösterreich wurden 2013 insgesamt 1.214 Wegweisungen ausgesprochen. Umso wichtiger sei daher, dass die erste Anlaufstelle - das sind meist ÄrztInnen, Krankenpflegepersonal oder Hebammen -Gewalterfahrungen erkennt und Vertrauen schafft, sagt der NÖ Gesundheits- und Soziallandesrat Ing. Maurice Androsch: "Dass rund drei Viertel aller misshandelten Frauen medizinische Hilfe brauchen, macht deutlich, dass die MitarbeiterInnen im Gesundheitswesen eine zentrale Rolle beim Verlauf der Hilfestellung und der Prävention von weiterer Gewalt spielen."

Ein wichtiger Zufluchtsort im dichten Netz an Initiativen und Institutionen für misshandelte Frauen in Niederösterreich sind auch Frauenhäuser. Sie bieten Schutz- und Wohnmöglichkeiten und helfen in der Krise, die Rechte von Gewaltopfern durchzusetzen. Im Vorjahr nahmen in Summe 239 Frauen und 249 Kinder das Angebot in den NÖ Frauenhäusern in Anspruch. "Viele von Gewalt betroffene Frauen haben aber Furcht, ihr Schicksal öffentlich zu machen und sich an Betreuungs- und Beratungseinrichtungen zu wenden. Hier ist noch viel Aufklärungs- und Informationsarbeit notwendig, um diese Schwellenangst zu nehmen", betont Androsch.

Um auf die Gewaltspirale aufmerksam zu machen und Wege daraus aufzuzeigen, verteilen die SPÖ-Frauen Visitenkarten "GEWALTFREI LEBEN" mit der Nummer der Frauenhelpline gegen Gewalt 0800 222 555. Auch die fem:HELP-App für Mobiltelefone, initiiert von Frauenministerin Gabi Heinisch-Hosek, bietet Frauen die Möglichkeit, Hilfseinrichtungen unkompliziert zu kontaktieren. Außerdem ist es möglich, Gewalterfahrungen zu dokumentieren. In Niederösterreich gibt es sechs Frauenhäuser und 17 Frauenberatungsstellen sowie das Gewaltschutzzentrum NÖ, die bei der Betreuung von Gewaltopfern wichtige Arbeit leisten und unverzichtbare soziale Einrichtungen sind. Ausreichende finanzielle Mittel und langfristige, fixe Finanzierungsverträge, um die gute Betreuung weiterhin gewährleisten zu können, seien unumgänglich, so Schmidt abschließend.

Zahlen & Daten:
Im Jahr 2013
- wurden von der Polizei in Niederösterreich 1.214 Wegweisungen verhängt (österreichweit 8.306)
- 1.861 Opfer familiärer Gewalt wurden von den Gewaltschutzzentren / Interventionsstellen betreut (österreichweit 6.624)
- 87,86 Prozent der unterstützten Klientinnen waren Frauen und Mädchen (Österreich: 87,2 Prozent), 94,94 Prozent der GefährderInnen (Österreich: 91,2 Prozent) waren männlich
- 16.624 Kinder wurden ZeugInnen der Gewalt in der Familie bzw. sie waren indirekt davon mitbetroffen
- 373 Anträge auf einstweilige Verfügung wurden mit Unterstützung der Gewaltschutzzentren/Interventionsstellen gestellt (österreichweit 2.139)
- 409 Personen wurden im Rahmen der Prozessbegleitung unterstützt (österreichweit 2.955)

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