Arbeiterkammer und Bildungsexperte sind sich einig: Professionelles Qualitätsmanagement in der Lehre ist überfällig!

Linz (OTS) - In vielen Betrieben funktioniert die Lehrlingsausbildung ausgezeichnet. Es zeigen sich aber auch immer wieder Mängel in der Vermittlung der erforderlichen berufspraktischen Fähigkeiten. In einigen Fällen ist sogar überhaupt nicht nachvollziehbar, wie die Ausbildung im Betrieb passiert. In der dualen Ausbildung gibt es in Österreich zwar einzelne Aktivitäten in Richtung Qualitätssicherung, Umfang und Tempo lassen aber zu wünschen übrig. Für AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer steht fest: "Ein systematisches, professionelles Qualitätsmanagement in der Lehre ist längst überfällig. Wichtig dabei ist die verstärkte Einbindung der Sicht der Auszubildenden."

"Dringende Fragen der Qualitätssicherung zur Lehrausbildung stehen in Österreich erst ganz am Beginn", sagt der Leiter des Österreichischen Instituts für Berufsbildungsforschung, Dr. Peter Schlögl. Die Lehre sei der einzige Ausbildungssektor ohne systematische Qualitätssicherung - alle anderen Wege (Schulen, Unis, FHs) hätten durchgängig Qualitätssicherungsverfahren und -strukturen etabliert. "Die österreichische Lehrlingsausbildung steht aber vor dem Problem der erheblichen Streuung der betrieblichen Ausbildungsqualität", so Schlögl. Ein Indikator dafür ist der Erfolg bei den Lehrabschlussprüfungen, der je nach Beruf zwischen 100 und 58 Prozent variiert.

Auf europäischer Ebene und in anderen Ländern (etwa Deutschland und Schweiz) ist Qualitätssicherung in der beruflichen Ausbildung bereits rechtlich verankert. In Österreich sind die Instrumente bekannt, die Willensbildung für eine Einführung stehe aber aus, meint Schlögl: "Trotz einzelner unbestritten qualitätsrelevanter Maßnahmen fehlt in Österreich ein systematischer Zugang zum Thema Qualität oder Qualitätsentwicklung in diesem Bildungssektor."

AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer kritisiert, dass es in bestimmten Lehrberufen, Branchen und Betrieben immer wieder zu Arbeitszeitüberschreitungen und/oder anderen arbeitsrechtlichen Übertretungen sowie zu ausbildungsfremden Tätigkeiten kommt. Für ihn steht fest: "Dort kann keine qualitätsvolle Ausbildung stattfinden. Wer einen Lehrling einstellt, soll diesen auch entsprechend ausbilden wollen und können. Lehrlinge sind kein billiger Ersatz für Hilfskräfte". Die Einhaltung von arbeits- und ausbildungsrechtlichen Standards sollte für jeden Lehrbetrieb selbstverständlich sein. Diese würde auch vorzeitige Abbrüche, fehlende oder negative Abschlüsse verringern und den Fachkräftenachwuchs sichern. "Fachkräfte auszubilden bedeutet zunächst zwar Investition und Aufwand, aber es rechnet sich für alle Beteiligten. Mit attraktiven Arbeits- und Ausbildungsplätzen tun sich die Arbeitgeber auch selbst etwas Gutes", betont Kalliauer.

Um die Qualität in der betrieblichen Ausbildung zu steigern, schlägt die AK ein Bündel von Maßnahmen vor:

  • Lehrstellen-Förderungen sollen künftig von der nachweislichen Qualität der Ausbildung abhängig sein.
  • Kontinuierliche Erhebung des Lernfortschritts im Rahmen der berufspraktischen Ausbildung im Betrieb während und nicht erst am Ende der Lehrzeit. Lehrlinge müssen wissen: Was soll ich im Betrieb lernen? Was kann ich bereits/was (noch) nicht bzw. was muss ich noch trainieren? In diesem Kontext wird auch die Einführung von auf die Endprüfung anrechenbaren Teil- und Zwischenprüfungen, welche die Jugendlichen entlasten sollen, gefordert.
  • Sicherstellung der Erfüllung des Berufsbildes seitens der Lehrbetriebe: Es sollten regelmäßig Evaluationen durchgeführt werden, die für die Betriebe verbindliche Konsequenzen haben müssen (z.B. Verpflichtung zu bestimmten Qualitätssicherungs-Maßnahmen).
  • Regelmäßige Befragungen der Lehrlinge, die Aufschlüsse bieten können, wo Qualitätssicherung stärker in Angriff zu nehmen ist.
  • Professionalisierung der Ausbildner/-innen im Betrieb und Professionalisierung des Prüfungssystems inklusive Ausbau der Aus-und Weiterbildungsangebote für Prüfer/-innen.
  • Einrichtung einer übergeordneten Qualitätsmanagement-Agentur, um den Betrieben ihre Ausbildung zu erleichtern.

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