Industrie Enquete: Bildung, Forschung und Entwicklung zentral

Wissenschafter Aiginger, Stehrer erteilen Wettbewerb über Löhne eine Absage

Wien (OTS) - Bei der Enquete "Industriestandort Österreich" gab es heute vonseiten der Wirtschaftswissenschaft die klare Empfehlung, in Bildung, Forschung und Entwicklung zu investieren. Der Leiter des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Karl Aiginger, sprach von einer "High Road Strategie", auch für Europa insgesamt. Statt Wettbewerbsvorteile durch niedrige Löhne zu erreichen, brauche es eine aktive Technologiepolitik. Auch Robert Stehrer, stellvertretender wissenschaftlicher Leiter des Wiener Instituts für internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) plädiert für eine technologie- und innovationsgetriebene Standortstrategie und Einbindung in europäische und globale Produktionsnetzwerke, insbesondere in technologieintensiven Industrien. Das zeigt auch die Studie "Die Sachgüterproduktion Österreichs" auf Basis der World Input Output Database, die das WIIW unter Federführung Stehrers im Auftrag der Arbeiterkammer erstellt hat.

Derzeit sei der Industriestandort Österreich erfolgreich, so Aiginger und Stehrer. Mit 33.350 Euro wird in Österreich pro Kopf die höchste Wirtschaftsleistung in der EU erwirtschaftet, rechnet Aiginger vor (2013, zu Kaufkraftparitäten). Das Industriewachstum seit 2000 liege über dem von Deutschland, den USA und der EU. Österreichs Position durch EU-Beitritt und Erweiterung stehen für Aiginger unter dem Motto "Erfolg durch Offenheit". Beides konnte gut genutzt werden und wirkte sich insgesamt positiv aus.

International sinkt der Anteil der Sachgüterproduktion an der Wirtschaftsleistung, wobei die Entwicklung innerhalb der EU sehr heterogen verläuft, so Stehrer. Es bilde sich ein "EU manufacturing core" heraus, zu dem auch Österreich mit einem Industrieanteil von 18 Prozent am BIP und somit über dem EU-Durchschnitt zählt. Länder mit hoher Spezialisierung in technologieintensiven Industrien sind in der Sachgüterproduktion insgesamt erfolgreicher. Beispielsweise kommen etwa zwei Drittel der Exporte der EU laut Stehrer aus technologieintensiven Industrien. Österreich gehört laut Stehrer aufgrund der Partizipation in europäische und globale Wertschöpfungsketten zu diesen Ländern. Die Integration von Unternehmen in globale Produktions- und Wertschöpfungsketten ermöglicht eine Spezialisierung insbesondere in technologieintensive Industrien. Von einem Anstieg der Binnennachfrage in der gesamten EU, statt eines Wettbewerbs von Standorten und Unternehmen gegeneinander, würden aufgrund der Produktionsintegration die EU-Länder insgesamt profitieren.

Im EU-Vergleich stieg der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung am BIP in Österreich seit dem Jahr 2000 kräftig an, so Wifo-Chef Aiginger. Österreich liegt nun deutlich über dem EU-Schnitt, allerdings immer noch klar unter dem Anteil Deutschlands, Schwedens oder Finnlands. Aiginger sieht hier ein Defizit bei einer wesentlichen "langfristigen Erfolgsdeterminante". Er plädiert dafür, die industrielle Basis zu stärken, durch ein "Aufschließen zur Spitze bei Innovationen und Humankapital".

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