Spitalsärzte zu Pflege: Akademisierung nicht die Lösung aller Probleme

ÖÄK-Vize Mayer: Auch Pflege steuert auf Personalmangel zu

Wien (OTS) - Die Novellierung des Krankenanstalten-Arbeitszeitengesetzes (KA-AZG) bedeute keinesfalls, dass, wie vom Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbands (ÖGKV) befürchtet, das Pflegepersonal "in die Bresche springen" müsse, sagte der Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Harald Mayer, am Freitag in einer Aussendung. Nicht nur die Ärzteschaft, auch die Gesundheits- und Krankenpflege steuere auf einen Personalmangel zu, der sich durch die Akademisierung noch verstärken werde. Mayer:
"Derzeit ist es ja so, dass die Pflege Tätigkeiten übernehmen muss, die nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fällt, etwa Schreibarbeiten oder Essensausgabe. Ärzte wiederum müssen Aufgaben ausführen, die eigentlich in den Kompetenzbereich der Pflege fallen." Es fehle an Personal für administrative Tätigkeiten, aber auch an Dokumentationsassistenten sowie Service- und Reinigungspersonal, sodass Ärzteschaft und Pflege notgedrungen berufsfremde Aufgaben übernehmen müssten.

"Die Aufwertung der Pflege durch eine akademische Ausbildung ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss", so der Kurienobmann.

Schließlich sei eine akademisch ausgebildete Pflegekraft auch teurer als eine Pflegeassistentin mit einjähriger Ausbildung. "Die Länder werden ein starkes Interesse daran haben, aus Gründen der Kosteneinsparung mehr Pflegeassistentinnen einzusetzen als bisher. Die hervorragend ausgebildeten gehobenen Gesundheits- und Krankenpflegedienste werden dann das Nachsehen haben", warnte Mayer.

Wichtiger als die Schaffung neuer akademischer Strukturen sei die Ausschöpfung des vollen Berufsbildes der diplomierten Pflegekräfte. Er vermisse auch eine objektive Studie und Analyse im Hinblick auf die Akademisierung und den zukünftigen Bedarf, betonte der Kurienobmann. "Übereilte Entscheidungen werden zu einem Mangel an Pflegekräften führen und vermutlich zu einer qualitativ schlechteren Versorgung der Patienten", warnte Mayer abschließend. (slv)

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