• 21.11.2014, 09:00:02
  • /
  • OTS0011 OTW0011

TTIP und ihre Auswirkungen auf Österreich

Wien (OTS) - Der FIW Policy Brief Nr. 24 "TTIP und ihre Auswirkungen
auf Österreich" von Univ. Prof. Fritz Breuss ist als kostenloser
Download unter http://www.fiw.ac.at/index.php?id=462 erschienen.

Mit einem umfassenden und in der Öffentlichkeit höchst umstrittenen
Handels und Investitionsabkommen (TTIP) wollen die EU und die USA die
größte Freihandelszone der Welt errichten und damit Wachstum und
Beschäftigung stimulieren. Zwar prognostizieren alle bisherigen
TTIP-Studien positive Handels, Wohlfahrts- und Beschäftigungseffekte
für beide Vertragsparteien (allerdings in ungleichem Ausmaß), doch
treten diese nicht sofort ein, sondern erst sehr langfristig. Die
TTIP ist daher zur Überwindung der gegenwärtigen Krise nicht
geeignet. Die geschätzten Liberalisierungseffekte divergieren
erheblich je nach Methode: Während allgemeine Gleichgewichtsmodelle
(CGE-Modelle) sehr geringe Wohlfahrtseffekte ermitteln (½% bis 1% des
BIP), versprechen Schätzungen mit Gravitationsmodellen
außerordentlich hohe Gewinne (Steigerung der Realeinkommen in der EU
um 5% und in den USA um 13,4%). Allerdings dürfte es zu starken (und
politisch brisanten) Verlusten an Handel und Wohlfahrt in
Drittstaaten (Handelsumlenkungen) kommen. Für Österreich wird eine
langfristig realisierbare BIP- bzw. Wohlfahrtszunahme um 1,7%
(CGE-Modell) bis 2,7% bzw. 2,9% (Gravitationsmodell) geschätzt. Das
Inkrafttreten eines TTIP-Abkommens dürfte sich wegen vieler
parlamentarischer Hürden (es handelt sich um ein gemischtes
Ab¬kommen) verzögern.

Die zahlreichen Studien zu den möglichen Auswirkungen von TTIP
ergeben unterschiedliche Ergebnisse, je nach angewandter Methodik.
Die Mehrzahl der Studien kommt zu positiven Ergebnissen für beide
Partner des TTIP. Im Wesentlichen werden die Liberalisierungseffekte
von TTIP mit zwei Modelltypen geschätzt: zum einen mit numerischen
allgemeinen Gleichgewichtsmodellen (CGE-Modelle) und zum anderen mit
Gravitationsmodellen. Wenn ein Freihandelsabkommen zwischen der EU
und den USA nur mit einem Zollabbau endet, sind die ökonomischen
Effekte sehr bescheiden. Nur ein umfassendes TTIP-Abkommen
(Zollabbau, Abbau aller noch bestehenden nicht-tarifären
Handelshemmnisse NTBs) würde den bilateralen Handel deutlich
stimulieren und hätte für beide Volkswirtschaften allerdings erst
mittel- bis langfristig (weil der Abbau aller Handels-hemmnisse nur
allmählich erfolgt) positive Impulse für das reale BIP und die
Beschäftigung.

Während CGE-Modelle einen langfristigen Anstieg des realen BIP von ½%
bis 1% voraussagen, kommen Gravitationsmodelle (je nach
Spezifikation) zu wesentlich höheren Werten.

Weitere Unterschiede der zahlreichen Studien gibt es in folgenden
Bereichen:

- Studien im Auftrag der Europäischen Kommission sehen die EU eher
als Gewinner; sonstige Studien wie z. B. jene des ifo und der
Bertelsmann-Stiftung sehen die USA als Gewinner.

- Laut Studien im Auftrag der Europäischen Kommission hat ein
umfassendes TTIP-Abkommen sowohl positive Effekte auf die EU und die
USA, aber auch auf alle Drittstaaten, weil angenommen wird, dass TTIP
auch andere Staaten zu ähnlichen Liberalisierungsschritten animieren
wird.

Sonstige Studien (ifo, Bertelsmann-Stiftung) sehen hingegen sowohl
Gewinner (EU und USA) als auch Verlierer (Drittstaaten) sowohl im
Handel, im Realeinkommen und in der Beschäftigung. Es gibt sogar
Anzeichen, dass die Binnenmarktintegration durch TTIP abgeschwächt
werden könnte, wenn durch TTIP der Intra-EU-Handel teilweise
zurückgeht.

Wenn diese Ergebnisse richtig wären, würden sich sicherlich potente
Drittstaaten (China, Japan, Indien aber auch Kanada) bei der WTO
gegen TTIP klagen.

Österreich dürfte nach allen vorliegenden Studien von einem
umfassenden TTIP-Abkommen profitieren, nicht so sehr direkt im Handel
mit den USA, sondern vor allem indirekt über Zulieferungen an
Deutschland. Allerding schwanken je nach Studie die langfristigen
BIP-Effekte für Österreich zwischen 0,10% bis 2,9%.

Eine große Hürde für den Abschluss eines TTIP-Abkommens ist die
Unentschiedenheit der EU-Mitgliedstaaten bezüglich des vorgesehenen
Investorenschutzes. Während die USA und 14 EU-Mitglieder einen
solchen befürworten, sind andere EU-Mitglieder (z. B. Deutschland)
unentschlossen bzw. dagegen.

Rückfragen bitte am Freitag, dem 21. November 2014, von 16 bis 18 Uhr
an Fritz Breuss, Tel.: +43 1 798 26 01-220, E-Mail:
Fritz.Breuss@wifo.ac.at

Das Kompetenzzentrum "Forschungsschwerpunkt Internationale
Wirtschaft" (FIW) ist ein Projekt von drei Instituten
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), Wiener
Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw),
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Rechenzentrum (WSR) im
Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und
Wirtschaft (BMWFW). Die Kooperationsvereinbarungen des FIW mit der
Wirtschaftsuniversität Wien, der Universität Wien und der Johannes
Kepler Universität Linz werden aus Hochschulraumstrukturmitteln
gefördert. Das FIW bietet Zugang zu internationalen
Außenwirtschafts-Datenbanken, eine Forschungsplattform und
Informationen zu außenwirtschaftsrelevanten Themen.

Das FIW-Projekt veröffentlicht regelmäßig Policy Briefs zu aktuellen
außenwirtschaftlichen Themen. In diesen Policy Briefs soll eine
Aufbereitung aktueller, politikrelevanter Informationen stattfinden.
Hierbei soll insbesondere auf die spezifische Situation Österreichs
eingegangen werden.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WFO

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel