Nationalrat - Königsberger-Ludwig: Menschen mit Behinderung stärken und erkennen, wenn sie von Gewalt betroffen sind

Studie erhebt Daten zu Gewalt gegen Menschen mit Behinderungen

Wien (OTS/SK) - "Wir müssen gemeinsam handeln, um das Problem der Gewalt gegen Menschen mit Behinderungen in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zur rücken. Die Studie, die wir in Auftrag geben, wird hierzu einen wichtigen Beitrag leisten", erklärt SPÖ-Sprecherin für Menschen mit Behinderungen, Ulrike Königsberger-Ludwig, am Donnerstag im Nationalrat. Mit einem All-Parteien-Antrag beschließt das Parlament, dass das Bundesministerium gemeinsam mit der Volksanwaltschaft eine wissenschaftliche Studie zum Thema "Gewalt und Missbrauch von Menschen mit Behinderungen" in Auftrag geben soll. Erfreulich sei, dass mit dieser Studie endlich Daten und Fakten zu Gewaltvorfällen an Menschen mit Behinderungen erhoben werden. "Wir müssen genauer hinschauen, Menschen mit Behinderungen stärken und erkennen, wenn sie von Gewalt betroffen sind. Es ist wichtig, dass sich die Opfer als Betroffene 'begreifen' und lernen, ihre Grenzen zu artikulieren", fordert Königsberger-Ludwig. ****

Gewalt gegen Menschen mit Behinderung sei noch immer ein Tabuthema. Ähnlich verhalte es sich bei Gewalt gegen Frauen und Kinder. "Hier haben wir schon viele Maßnahmen ergriffen, um das Thema aus der Tabuzone zu holen, ebenso gibt es vorzeigbare Gewaltschutzgesetze", führt Königsberger-Ludwig aus. "Über Gewalt gegen Menschen mit Behinderung wird jedoch viel zu wenig geredet und es wird zu wenig gehandelt." Es sei ein "doppeltes Tabuthema", zum einen ist die Behinderung an sich ein Tabu und zum anderen ist Gewalt ein unbequemes Thema.

Gewalt tritt laut Königsberger-Ludwig in verschiedenen Formen auf, die auch sehr unterschiedlich wahrgenommen werden: "Bei physischer Gewalt sind sich sowohl Betroffene als auch Außenstehende vergleichsweise schnell bewusst, dass es sich um Gewalt handelt oder sie Opfer von Gewalt wurden. Bei psychischer Gewalt ist das anders, diese kann oft über Jahre hinweg ausgeübt werden und es ist oftmals selbst für Betroffene weniger offensichtlich, dass ihnen Gewalt zugefügt wird." Psychische Gewalt zeige sich laut der SPÖ-Abgeordneten oft in Form von Ignoranz, Beleidigungen, über Beschimpfungen bis hin zu Herabwürdigungen.

"Menschen mit Behinderungen sind sehr oft auch von subtiler psychischer Gewalt betroffen. Grund hierfür ist häufig auch ein Abhängigkeitsverhältnis, indem sie sich oft ein ganzes Leben aufgrund der erforderlichen Assistenzleistungen befinden", erklärt Königsberger-Ludwig.

Der Monitoring-Ausschuss, der die Umsetzung der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung in Österreich überwacht, hat sich in einer öffentlichen Sitzung ebenfalls mit diesem Thema befasst und darauf hingewiesen, dass es wichtig ist, hierzu Daten zu erheben. Die Studie, die nun in Auftrag gegeben wird, ist daher ein erster wichtiger Schritt im gemeinsamen Anliegen, gegen Gewalt an Menschen mit Behinderung aufzutreten. "Wenn wir Daten haben und die Ausgangslage genau kennen, können wir auch Maßnahmen ergreifen, um Gewalt an Menschen mit Behinderung zu bekämpfen, aber auch Menschen mit Behinderung in ihrer Wahrnehmung zu stärken und sie zu unterstützen, 'stopp' zu sagen und sich zu artikulieren", folgert Königsberger-Ludwig. (Schluss) bj/kg/mp

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