15 Jahre Kinderbetreuungsatlas: Trotz vieler Verbesserungen zieht AK-Präsident Kalliauer "Bilanz mit gemischten Gefühlen"

Linz (OTS) - Vor 15 Jahren hat die Arbeiterkammer Oberösterreich den ersten Kinderbetreuungsatlas präsentiert. Seither ist das Angebot in den oberösterreichischen Gemeinden wesentlich besser geworden. Dennoch sieht AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer die Bilanz mit gemischten Gefühlen: "Nur 76 Gemeinden machen mit ihrem Kinderbetreuungsangebot eine Vollzeitbeschäftigung beider Elternteile möglich. Und nicht überall, wo es ein Angebot gibt, gibt es auch genügend Plätze."

Der AK-Kinderbetreuungsatlas bildet die Betreuungssituation in den oberösterreichischen Gemeinden ab - von der Krabbelstube über den Kindergarten bis zur Nachmittagsbetreuung für Volksschulkinder. "Vor 15 Jahren haben wir die Latte mit unseren Kriterien noch etwas niedriger gelegt. Doch die Lebenssituation der Eltern und die Arbeitswelt haben sich geändert. Deshalb haben wir vor fünf Jahren eine neue Kategorie eingeführt. Für den Status 1A muss der Kindergarten unter anderem 45 Stunden pro Woche geöffnet sein, und er darf nicht länger als fünf Wochen im Jahr zusperren", berichtet AK-Präsident Kalliauer.

Im Jahr 2010 erreichten nur 9,5 Prozent der Gemeinden "1A-Status", heute sind es 17,1 Prozent. Die weißen Flecken auf der Landkarte verschwinden nach und nach. Nur mehr 5,4 Prozent der Gemeinden zählen zur schlechtesten Kategorie "E", vor 15 Jahren waren es noch 43,6 Prozent. Erfreulich ist auch, dass mittlerweile rund ein Drittel der Gemeinden der zweitbesten Kategorie "A" zuzuordnen ist. Und noch etwas ist positiv zu vermerken: Die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit bei der institutionellen Kinderbetreuung ist auf dem Vormarsch.

Dennoch gehen die Fortschritte zu langsam: Immer noch gibt es in 56 Gemeinden (12,6 Prozent der oberösterreichischen Gemeinden) keine Betreuung für Unter-Dreijährige. 97 Gemeinden (21,9 Prozent) bieten keine tägliche Nachmittagsbetreuung für Volksschulkinder. In 110 Gemeinden (24,8 Prozent) gibt es kein Mittagessen im Kindergarten. Und in 203 Gemeinden (45,7 Prozent) ist der Kindergarten weniger als acht Stunden geöffnet. "Dazu kommt, dass es selbst in den Top-Gemeinden häufig zwar ein Angebot, aber zu wenig Plätze gibt. Das gilt vor allem für die Betreuungseinrichtungen für die Unter-Dreijährigen", ergänzt Präsident Kalliauer. Mit Gmunden, Perg, Rohrbach und Schärding gibt es zudem immer noch vier Bezirkshauptstädte, die keine adäquate Betreuung bieten, wenn die Eltern Vollzeit arbeiten wollen oder müssen. Schlusslicht ist der Bezirk Rohrbach, wo es nach wie vor keine einzige "1A"-Gemeinde gibt.

Nachholbedarf sieht AK-Präsident Kalliauer vor allem bei den Krabbelstuben und bei den Ganztagsschulen: "Die Tatsache, dass es mittlerweile in fast 88 Prozent der Gemeinden ein Angebot für Unter-Dreijährige gibt, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Bedarf bei weitem nicht erfüllt ist. Und echte Ganztagsschulen mit einer verschränkten Abfolge von Unterricht, Förderung, Spiel, Sport und Freizeit sind immer noch Mangelware."

Die Arbeiterkammer wird sich auch in Zukunft für flächendeckende und gute Kinderbetreuungseinrichtungen einsetzen. AK-Präsident Kalliauer: "Es geht um mehr als die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Gute Kinderbetreuungseinrichtungen legen den Grundstein für spätere Bildungserfolge und sorgen für mehr Chancengerechtigkeit."

Die Detailergebnisse und Grafiken zum kostenlosen Herunterladen finden Sie auf unserer Homepage ooe.arbeiterkammer.at. Hier finden Sie auch den interaktiven Kinderbetreuungsatlas 2.0, der unter anderem die Veränderungen der letzten 15 Jahre anschaulich darstellt.

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