Neues Volksblatt: "Automatik" von Markus EBERT

Ausgabe vom 18. November 2014

Linz (OTS) - "Die Verhandlungspartner kommen überein, dass der bestehende Nachhaltigkeitsfaktor in Richtung einer Pensionsautomatik mit Wirksamwerdung ab 2010 abgeändert wird. Veränderungen der Lebenserwartung führen automatisch zur Aktivierung des Nachhaltigkeitsfaktors".
Wer im Regierungsübereinkommen zwischen SPÖ und ÖVP aus dem Jahr 2006 (Kabinett Gusenbauer-Molterer) nachliest, findet diese Passage. Gestorben war dieses Vorhaben, noch ehe diese Koalition im Jahr 2008 dann vorzeitig beendet worden war - die SPÖ hatte nämlich den "seelenlosen Computer" entdeckt, dem man so etwas nicht überantworten wollte.
Sehr wohl entscheiden darf der "seelenlose Computer" aber, wenn etwa in Wien Gebühren erhöht werden, bloß nennt sich diese Automatik dann "Valorisierungsgesetz". Das ist ein rechter Glücksfall, denn welcher Politiker stellt sich schon gerne hin und verkündet Preissteigerungen.
Im Pensionsbereich gilt das Gegenteil: Da muss die durchaus bittere Wahrheit, die ein Automatismus auch mit sich bringt, erstens schön geredet werden und zweitens möglichst auch noch auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden, schließlich sind alle Wähler aktive oder potenzielle Pensionisten. Dabei sagt Wirtschaftsforscher Karl Aiginger, dass es "vernünftig" wäre, das Pensionsalter automatisch an die Lebenserwartung anzupassen.
Aber automatisch schlägt da der rote Abwehrreflex zu.

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