Stadtrat Ludwig: "Guten Morgen, Stadt!" - soziale Stadtentwicklung im Fokus

Neue Ausstellung über Gemeindebauten der 60er und 70er Jahre richtet den Blick auf Grundsätze, die auch die lebenswerte Stadt der Zukunft prägen

Wien (OTS) - "Die Rahmenbedingungen für eine soziale Stadtentwicklung ändern sich. Nicht aber die wesentlichen Eckpunkte, die bereits als visionärer Entwurf im Roten Wien umgesetzt und die kontinuierlich fortgesetzt und weiterentwickelt wurden. Das städtebauliche Konzept der kommunalen Wohnhausanlagen der 60er und 70er Jahre folgte diesem Entwurf ebenso wie die Stadtentwicklung heute. Die Ausstellung ,Guten Morgen, Stadt!' zeigt deutlich, welche Prämissen eine soziale Stadtentwicklung ausmachen. Und wie vor 50 Jahren gibt dieses Konzept - bei dem eine hohe Lebensqualität der Menschen immer Vorrang hat - auch den Weg in die Zukunft vor", so Wohnbaustadtrat Michael Ludwig zur Ausstellung über Gemeindebauten der Nachkriegszeit, die ab 20.11. im Rechenzentrum der Stadt Wien zu sehen ist. ****

"Damals teils umstritten und als ,Schlafstädte' kritisiert, sind diese Bauten längst anerkannte Bausteine einer lebenswerten und ,wachen' Stadt. Heute stehen wir vor neuen Herausforderungen. Die Dynamik des Wachstums Wiens kann und wird jedoch Hand in Hand mit einer Stadtentwicklungspolitik gehen, die weiter sozialen Grundsätzen folgt. Stadtentwicklungsgebiete wie aspern Seestadt zeigen, wohin die Reise auch in einer wachsenden Metropole führt. Eine ,smart City' kann nur eine soziale Stadt sein", hielt Ludwig fest.

Lebenswerte Wohnhausanlagen mit Mehrwert

Die Ausstellung "Guten Morgen Stadt! widmet sich nicht nur einem spannenden Wiener Gebäudebestand, sondern findet auch als temporäre Zwischennutzung an einem außergewöhnlichen Ort statt: Sie ist im ehemaligen Rechenzentrum der Stadt Wien von Architekt Harry Glück zu sehen. Exemplarisch werden fünf kommunale Großwohnhausanlagen in der Donaustadt, die nicht nur mit hoher BewohnerInnenzufriedenheit punkten, sondern die auf Grund ihrer städtebaulichen Gestaltung auch einen übergeordneten Mehrwert für das Stadtgebiet darstellen, mit Mitteln der Architekturfotografie, historischer Filmaufnahmen und moderner Video-Essays sowie Begleittexten in Szene gesetzt.

Vor 50 Jahren, am 26. September 1964, wurde in Wien Donaustadt der erste Bauteil der Gemeindewohnhausanlage an der Siebenbürger Straße mit rund 1.200 Wohnungen eröffnet. Damit fiel der Startschuss für ein großangelegtes kommunales Wohnbauprogramm, das die Schaffung von jährlich rund 9.000 Wohnungen vorsah.
Über das Programm des sozialen Wohnbaus hinaus wurde im Rahmen des "Sozialen Städtebaus" die Errichtung ganzer Stadtteile geplant, mit großzügigen Grünflächen und Freibereichen, Schulen und Kindergärten, Bädern, Sportflächen, Ordinationen, dem Bau von Bezirkszentren, Einkaufszentren u.v.m.
Die Bauweise dieser Siedlungen, die im Montagebauverfahren entstanden, repräsentierten das Konzept der "durchgrünten und aufgelockerten Stadt" und bildeten somit für viele WienerInnen eine begehrte Alternative zu den Wohnverhältnissen der damals noch unsanierten, gründerzeitlichen Innenstadt mit hohem Substandardanteil, hoher Dichte und Beeinträchtigung durch das sogenannte Hinterhofgewerbe.
Der sozialpolitischen Tradition des Wiener Gemeindebaus folgend wurden für die neuen Städtischen Wohnhausanlagen sowohl neue Wohnkonzepte entwickelt als auch moderne Ausstattungsstandards, die durch Funktionalität neue wohnkulturelle Impulse setzten. So prägten auch neue Möbelkonzepte wie das "SW-Möbelprogramm" (Soziale Wohnkultur) das Wohngefühl dieser Zeit und fanden in der Wiener Bevölkerung enormen Zuspruch.
Die Gemeindebauten des Roten Wien wie z. B. der Karl Marx-Hof haben sich längst als unbestrittener wohnkultureller und architektonischer Beitrag in der Wiener Stadtgeschichte etabliert. Die multimediale Ausstellung "Guten Morgen, Stadt!" richtet den Blick auf den ebenso wichtigen kommunalen Wohnbaubestand der Nachkriegszeit. Ein Besuch der Ausstellung soll dazu einladen, die weiteren Entwicklungen Wiens unter veränderten Rahmenbedingungen aber entlang der Eckpunkte der bewährten Konzepte des sozialen Wohnbaus in Wien weiterzudenken.

Die Eckpunkte

Ausstellung "Guten Morgen, Stadt! - Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien errichtet in den Jahren 1962 bis 1975"
Kuratoren: Historiker Manfred Schenekl, Architekt Christoph Lammerhuber unter Mitwirkung der ArchitekturfotografInnen Hertha Hurnaus, Wolfgang Thaler und Stefan Olah.
Videomontagen: Melanie Hollaus

Die ausgewählten Donaustädter Beispielbauten:
Siebenbürgerstraße/Erzherzog-Karl-Straße (1968) Neu-Kagran, rund. 2.170 Wohnungen
Bundesländerhof (1966), Neu-Kagran, rund 1.090 Wohnungen Rudolf-Köppl-Hof, Eipeldauerstraße (1967), rund 1.310 Wohnungen Rudolf-Huber-Hof, Quadenstraße (1970), rund 740 Wohnungen Ziegelhofstraße (1975), rund 1.900 Wohnungen

Wann: von 20.11. bis 28.11., tgl. von 11 bis 19 Uhr
Wo: ehemalig. Rechenzentrum der Stadt Wien, 1., Rathausstraße 1/Untergeschoß
Eintritt: frei (Schluss) da

Rückfragen & Kontakt:

Christiane Daxböck
Mediensprecherin Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig
Tel.: 01/4000-81869
mailto: christiane.daxboeck@wien.gv.at

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