OÖNachrichten-Leitartikel: "Die FIFA und ihr falsches Spiel", von Roland Vielhaber

Ausgabe vom 14. November 2014

Linz (OTS) - Joseph Blatter hat uns seit dem Jahr 1998, also seit dem Beginn seiner Regentschaft als Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA, schon mehrmals mit Absurdem überrascht. So verkündete der 78-jährige Schweizer erst vor ein paar Monaten, dass er die Eroberung des Weltraums plane und von einem interplanetarischen Kick träume. Gestern hat die FIFA-Ethikkommission eine Steilvorlage zu Blatter geliefert, über die man sich zerkugeln könnte, wenn es nicht so bitter ernst wäre. Der mächtige Funktionär, der einen "gemeinnützigen Verein" als milliardenschweren Global Player aufgestellt hat, sei unbedingt von jedem Verdacht der Bestechlichkeit oder irregulärer Einflussnahme ausdrücklich freizusprechen. So steht es schwarz auf weiß in dem 42-seitigen Bericht der FIFA-Ethikkommission, die sich mit Korruptionsvorwürfen bezüglich der Vergaben der Weltmeisterschaften in den Jahren 2018 und 2022 in Russland und Katar beschäftigt.
Die Ethik-Richter haben in diesem Werk ganze Arbeit für den Fußball-Weltverband geleistet. Nicht nur, dass sie Blatter über den grünen Klee hinaus lobten - die FIFA hat gleichzeitig die künftigen WM-Veranstalter freigesprochen. Und damit sich selbst. Weil: Ein Geschenk hier und ein Geschenk dort für einen Spitzenfunktionär sei noch längst kein Grund, ganz Böses zu denken und Russland und Katar die Weltmeisterschaften wieder wegzunehmen. Schon gar nicht, wenn die Konkurrenz auch nicht immer fair gespielt habe. Japan, Südkorea und die USA versuchten offenbar ebenfalls, sich mit kleinen Präsenten bei FIFA-Funktionären beliebt zu machen.
Wirklich verräterisch ist aber der Satz des deutschen Juristen Hans-Joachim Eckert, der den Vorsitz der Ethikrichter innehat:
"Anzunehmen, dass zum Beispiel Umschläge voller Bargeld im Austausch für WM-Stimmen überreicht werden, ist naiv. Korruption, auch in der normalen Geschäftswelt, wird auf viel intelligentere Weise vorgenommen..."
Das sagt eindeutig alles aus: Der Bericht ist eine Farce, die WM-Vergabe ebenfalls. Und so dienen die nächsten Weltmeisterschaften nicht dem Fußballsport, sondern nur der Selbstdarstellung. Wen wundert's, dass daher mittlerweile so mancher Fan Joseph Blatters Traum vom interplanetarischen Kick teilt. Dann ließe sich der eine oder andere Spitzenfunktionär ganz schnell auf den Mond schießen.

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