70 junge Roma-AktivistInnen gegen Rassismus

Wien (OTS) - Bettler, Diebe, Sozialschmarotzer - diesen Zuschreibungen begegneten heute dutzende junge Roma/Romnja aus 11 Ländern mit einem Flashmob auf der Wiener Mariahilfer Straße. Unter dem Motto "PUTREN LE JAKHA - OPEN YOUR EYES!" sind 70 junge Roma-AktivistInnen für eine Woche in Wien zusammengekommen, um sich auf einer vom Verein Romano Centro organisierten Konferenz mit dem Thema Antiziganismus auseinanderzusetzen.

Antiziganismus ist eine Form von Rassismus, die sich gegen Menschen richtet, die als "Zigeuner" stigmatisiert werden. Die Manifestationen reichen von alltäglicher Diskriminierung über strukturellen Rassismus bis hin zu gewalttätigen Übergriffen und Mord. Im Nationalsozialismus wurde eine halbe Million Menschen ermordet, die als "Zigeuner" definiert wurden. Dieser Genozid ist bis heute wenig anerkannt. Heuer im Sommer wurde er etwa von einem ungarischen und einem tschechischen Politiker geleugnet.
Im tschechischen Lety u Pisku steht heute eine von der EU geförderte Schweinemastfarm auf dem Gelände eines ehemaligen Roma-Konzentrationslagers. Trotz jahrelanger Proteste weigert sich die Regierung, die Verlegung oder Schließung der Farm - und damit ein würdiges Gedenken an die Toten - zu ermöglichen.

Aktuelle Fälle von Diskriminierung

"In Miskolc wurden kürzlich die Bewohner einer Roma-Siedlung unter falschen Vorwänden zum Verkauf ihrer Häuser gedrängt, zu einem lächerlichen Preis. Zusätzlich müssen sie sich verpflichten, sich fünf Jahre lang nicht in der Stadt niederzulassen. Sie flüchten in die Schweiz, bekommen dort aber kein Asyl", erzählt Marietta Herfort aus Ungarn.

Mustafa Jakupov aus Mazedonien berichtet, dass Roma dort gehindert werden ihr Land zu verlassen: "Auf Drängen der westeuropäischen Länder werden strenge Grenzkontrollen durchgeführt. Racial Profiling führt dazu, dass viele Roma ihr Land nicht mehr verlassen dürfen. 25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer gibt es in Europa wieder ein Land, das seine Bürger nicht ausreisen lässt."

Immer mehr Städte und Gemeinde errichten Mauern, um die Roma-Bevölkerung abzuschotten. Dagegen richtet sich die "Wallfree Europe Campaign", in der sich viele junge Roma engagieren.

Verantwortung der Medien

"Die Darstellung von Roma in den österreichischen Medien wird von "Bettlern" dominiert und viele JournalistInnen verbreiten Klischees, die sie nicht hinterfragen. Diese Bilder führen zu einer steigenden Ablehnung", betont Samuel Mago aus Wien die Verantwortung der Medien.

Besonders junge Roma/Romnja wehren sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung. Auf der Konferenz in Wien ist sichtbar geworden, wie viele starke und interessante Roma-Persönlichkeiten es gibt, die ihre Stimme erheben und nicht länger bereit sind, Rassismus zu akzeptieren.

Während der laufenden Woche stehen sie für Interviews zur Verfügung. Kurzbeschreibungen auf www.romano-centro.org.

Am 14.11. findet ab 19:00 eine öffentliche Veranstaltung in der Brunnenpassage, 1160 Wien, statt, bei der Ergebnisse der Konferenz präsentiert werden.

Rückfragen & Kontakt:

Ferdinand Koller, 0650/7413000, ferdinand.koller@romano-centro.org

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0013