Drei Viertel der Studierenden berufstätig: AK und JKU wollen bessere Vereinbarkeit von Studium und Beruf

Linz (OTS) - An der Johannes Kepler Universität Linz (JKU) sind deutlich mehr Studierende berufstätig als im Bundesdurchschnitt. Sie haben es schwer, Uni, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen. AK und JKU haben sich in einem gemeinsamen Projekt mit der Vereinbarkeit von Studium und Beruf beschäftigt.

Knapp 75 Prozent der Studierenden der Johannes Kepler Universität sind berufstätig - um zehn Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. Etwa die Hälfte der Studierenden an der JKU hat schon vor dem Studium gearbeitet und ist erst dann an die Uni gekommen. Diesen Weg zum Studium müssen vor allem Studierende aus nicht-akademischen Elternhäusern wählen, weil der Hochschulzugang nach wie vor sozial selektiv funktioniert: Auch an der JKU sind Studierende aus Elternhäusern mit niedrigen oder mittleren Bildungsabschlüssen oder etwa Migranten/-innen unterrepräsentiert. Nur fünf Prozent der Kinder, deren Eltern maximal einen Pflichtschulabschluss haben, erreichen einen Hochschulabschluss. Bei Akademikerkindern sind es 41 Prozent (Statistik Austria 2011).

"Bildung wird in Österreich nach wie vor stark vererbt", erklärt AK-Direktor Dr. Josef Moser. Um diese Ungleichheit zu beseitigen, braucht es mehrere Ansatzpunkte: "Etwa die gemeinsame Schule bis 15 in ganztägig verschränkter Form sowie die frühe Förderung schon im Kindergarten. Aber auch die Universitäten haben eine Verantwortung", sagt Moser.

Aus Sicht der Arbeiterkammer muss die Studienförderung reformiert werden. Nur 15 Prozent erhalten konventionelle Studienbeihilfe. 83 Prozent der Anträge werden aufgrund des Einkommens der Eltern abgelehnt. Betroffen sind überwiegend Kinder aus Arbeitnehmerhaushalten. Kinder von Bauern und Selbständigen sind bevorzugt.

"Herzstück einer Reform muss die soziale Gerechtigkeit bei der Vergabe von Stipendien sein. Die Reform 2014 ist völlig unzureichend", kritisiert der AK-Direktor. Seit 2001 liegt die höchstmögliche Studienförderung bei 5088 Euro für Studierende am Wohnort der Eltern und bei 7272 Euro für auswärtige Studierende. Davon werden Familienbeihilfe und zumutbare Unterhaltsleistung der Eltern sowie zumutbare Eigenleistung abgezogen. 2007 wurde lediglich der Betrag, der nach dieser Verminderung herauskommt, um zwölf Prozent erhöht. Um die Teuerung auszugleichen, wären mindestens 16 Prozent nötig gewesen.

Je älter die Studierenden werden, umso größer werden die finanziellen Probleme (Studierendensozialerhebung 2011). Daher muss die Altersgrenze für Selbsterhalterstipendien wieder auf 40 Jahre (Rechtslage bis 1996) angehoben werden, um berufstätige Studierende nicht mehr auszuschließen.

Die Senkung der Altersgrenze bei der Familienbeihilfe auf 24 bzw. 25 Jahre hat fatale Folgen für die Studierenden. Die Studienzeit hat sich mit Bachelor und Master verlängert, die kürzere Bezugsdauer für Familienbeihilfe zwingt die Studierenden in die Erwerbstätigkeit. "Solange das Studienförderungssystem die soziale Situation der Studierenden nicht ausreichend berücksichtigt, muss die Familienbeihilfe als zentrale Stütze wieder länger ausbezahlt werden", fordert Direktor Moser.

Fast 20 Prozent aller Studierenden sehen sich selbst als Berufstätige, die nebenbei studieren. Ihnen fehlt es an kurzen und flexiblen Instrumenten der Bildungsfreistellung mit Rechtsanspruch. Die Arbeiterkammer fordert daher eine Woche bezahlte Bildungsfreistellung im Jahr für alle Arbeitnehmer/-innen.

Der Bund muss eine ausreichende Finanzierung der Universitäten sicherstellen, damit die Drittmittellukrierung eine interessante Ergänzung und keine Finanzierungsbasis darstellt. Die angestrebte Erhöhung der Mittel für Hochschulen auf zwei Prozent des BIP (2013:
1,43 Prozent) muss schon vor 2020 erfolgen.

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