OÖNachrichten-Leitartikel: "Doch ein wenig mehr als heiße Luft", von Dietmar Mascher

Ausgabe vom 13. November 2014

Linz (OTS) - Die beiden größten Luftverschmutzer der Welt, die USA und China, haben sich auf eine gemeinsame Vorgehensweise gegen den Klimawandel geeinigt. Barack Obama und Xi Jinping haben mit ihrer gemeinsamen Erklärung, den CO2-Ausstoß senken zu wollen, doch viele überrascht.
Nun gibt es einiges, das man als skeptischer Beobachter einwenden kann.
Es handelt sich um Absichtserklärungen (allerdings mit einigen konkreten Zahlen und Zielen).
Die USA fördern mit Fracking Erdöl und Erdgas und wollen der energieintensiven Industrie im eigenen Land zu einer Renaissance verhelfen. Die Chinesen sind für 30 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich, ihre Wirtschaft wächst weiter, und sie bauen Kohlekraftwerke. Die Botschaft der Herren Obama und Xi hört man also wohl, der Glaube daran fehlt noch. Vor allem wenn man die Reaktion der wütenden republikanischen Mehrheit im Parlament der USA beobachtet.
Trotz aller Skepsis ist diese Ankündigung positiv und viel konkreter, als fast alle Beobachter erwartet haben. Wenn die beiden größten Luftverschmutzer ankündigen, gemeinsam etwas zu tun, ist das schon ein wichtiges Signal. Auch für die anderen Industrienationen und vor allem solche, die es noch werden wollen und auf Teufel komm raus in Luftverschmutzer investieren.
Dass Chinas Hauptstadt Peking und die Metropole Shanghai besonders unüberseh- und unüberriechbar von der Luftverschmutzung betroffen sind, hat die Meinungsbildung in China sicherlich beschleunigt. Es ist zum Teil atemberaubend in einem positiven Sinn, wie China in einigen Bereichen versucht, das Ruder herumzureißen und grüne Energiepolitik zu betreiben. Der Präsident des Weltstahlverbandes, Wolfgang Eder, bestätigt, dass weltweit bei der Stahlproduktion ein Umdenken stattfindet.
Mit der Ansage der Amerikaner und Chinesen kann auch etwas Dynamik in eine dringend notwendige gemeinsame Weltklimapolitik kommen. Damit würden sich auch die Position der Europäer und die Chancen verbessern. Denn während Europa noch am ehesten so etwas wie Klimapolitik macht und damit der energieintensiven Industrie das Leben vergleichsweise schwermacht, konnte die Konkurrenz außerhalb wesentlich günstiger produzieren. Das kostet in Europa Arbeitsplätze.

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