TV-Weltpremiere im ORF: Dokumentarfilm "Der Anständige" im Rahmen eines Themenabends

Vanessa Lapas ungewöhnliches Psychogramm Heinrich Himmlers, danach "Hitlers Todesbrigaden"

Wien (OTS) - Uraufführung bei der Berlinale, ein Dutzend erfolgreicher Festivalaufritte von München bis Rio (inklusive "Best Documentary Award" beim Jerusalem Film Festival), ein weiteres Dutzend Kinoeinsätze zwischen Europa, den USA und Australien - und jetzt TV-Weltpremiere im ORF: Am Freitag, dem 14. November 2014, steht - im Rahmen eines Themenabends - um 21.20 Uhr in ORF 2 der international gefragte und vom ORF-koproduzierte Dokumentarfilm "Der Anständige" von Vanessa Lapa auf dem Programm. Die israelisch-österreichische Koproduktion ist ein ungewöhnliches Psychogramm Heinrich Himmlers - ein Film über die Anmaßungen eines Massenmörders und die Verdrängung jeglicher Schuld, basierend auf dem erst im Jänner diesen Jahres veröffentlichten persönlichen Nachlass aus Tagebüchern, Briefen, Fotos und anderen Dokumenten. "Der Anständige" ist keine Geschichtsdoku, sondern ein Autorenfilm, der die Widersprüche und die Komplexität der Person Himmlers sichtbar macht. So kommt die Produktion gänzlich ohne erklärenden Text, Zeitzeugeninterviews, Historikerkommentare, Dreharbeiten an Originalschauplätzen oder Spielszenen aus. Als Sprecher konnten u. a. Tobias Moretti (Heinrich Himmler), Sophie Rois (Marga Himmler), Pauline Knof (Himmler-Geliebte Hedwig Potthast) sowie Lotte Ledl und Florentin Groll (als Himmler-Eltern) gewonnen werden. Morettis Sohn Lenz und seine Tochter Antonia leihen dem jungen Himmler und Himmler-Tochter Gudrun ihre Stimmen.

Der ORF hat das weltweite TV-Erstausstrahlungsrecht und zeigt den rund 90-minütigen Film im Rahmen eines Themenabends, gefolgt um 23.15 Uhr von der "Universum History"-Dokumentation "Hitlers Todesbrigaden" von Andreas Novak und Tom Matzek, die die Rolle von Hitlers Waffen-SS beleuchtet, deren oberster Leiter Heinrich Himmler war. Vor dem Film "Der Anständige" ist ein Intro von Martin Traxl zu sehen.

"Der Anständige" - Zum Inhalt

Am 23. Mai 1945, zwei Wochen nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands, beging der Reichsführer SS Heinrich Himmler Selbstmord. Bis kurz vor Kriegsende war er als Reichsinnenminister und Kommandant des Ersatzheeres nach Hitler der mächtigste Mann des Dritten Reichs. Einen seiner letzten Befehle hatte er an seine Sekretärin Erika Lorenz gerichtet. Himmler wies sie an, alle persönlichen Dokumente aus seinem privaten Safe im Haus der Familie im bayrischen Gmund am Tegernsee zu vernichten. Doch Lorenz kam zu spät. Soldaten der 88. Division der US-Army hatten bereits am 6. Mai 1945 das Haus der Familie besetzt, die umfangreiche Bibliothek Himmlers unter sich aufgeteilt und auch den Safe Himmlers geöffnet. Die darin befindlichen Dokumente übergaben sie aber nicht den zuständigen Militärbehörden.

Die Spur der Briefe, Tagebücher, persönlichen Dokumente und Fotos -Himmlers "Sammlung" - verlor sich. Das Material tauchte Anfang der achtziger Jahre wieder auf. 2006 erwarb der israelische Unternehmer David Lapa, der Vater der Filmemacherin Vanessa Lapa, die Dokumente aus dem Nachlass eines Überlebenden der Schoah, der sie davor mehrere Jahrzehnte unter seinem Bett gelagert haben soll. Erst Anfang 2014, nach fast 70 Jahren, wurden sie zum ersten Mal publiziert.

Die in Antwerpen in Belgien geborene und aufgewachsene Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin Vanessa Lapa hat in rund siebenjähriger Arbeit eine Dokumentation in Spielfilmlänge geschaffen, die auf 276 Briefen von Heinrich Himmler an seine Frau Marga Himmler aus den Jahren 1927 bis 1945, außerdem auf 135 vornehmlich privaten Fotografien, dem persönlichen Tagebuch und dem Poesiealbum der Himmler-Tochter Gudrun (geboren 1929), sowie auf Tagebüchern von Marga und Heinrich Himmler sowie weiteren persönlichen Dokumenten der Familie basiert.

Der Film "Der Anständige" verzichtet auf Interviews, Dreharbeiten an Originalschauplätzen und Spielszenen, sondern beruht ausschließlich auf Äußerungen, die zu Heinrich Himmlers Lebzeiten (1900 bis 1945) entstanden. Die chronologisch von der Geburt bis zur Selbsttötung Himmlers strukturierte Collage aus Tagebüchern, Briefen, sonstigen Dokumenten und Reden kommt auch ohne klassischen Erzähler aus. Basierend auf dem Drehbuch von Vanessa Lapa und Ori Weisbrod (Tel Aviv) schildert der Dokumentarfilm die Weltgeschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, den Nationalsozialismus und den Holocaust aus der Sicht der Familie von Heinrich Himmler.
Greift man auf diese Dokumente zurück, gibt es keinen Grund, die Ergebnisse bisheriger Holocaust-Forschung in Frage zu stellen. Sie verändern auch nicht die Sicht auf Himmlers Rolle im Holocaust. Das weiß Vanessa Lapa. Mit der Publikation der bisher unbekannten privaten Dokumente, muss - so die Regisseurin - "die Geschichte des Nationalsozialismus zwar nicht neu geschrieben, sie kann aber biografischer und damit anders erzählt werden". Die Echtheit der Dokumente wurde bereits 1982 vom damaligen Präsident des Deutschen Bundesarchivs, Dr. Josef Henke, sowie 1997 vom Historiker und Himmler-Spezialisten Dr. Michael Wildt bestätigt.

"Der Anständige" ist eine Produktion von Realworks Ltd. (Vanessa Lapa, Tel Aviv) in Koproduktion mit Felix Breisach Medienwerkstatt GmbH (Wien), dem ORF und dem israelischen Sender yes.

Zum Inhalt von "Hitlers Todesbrigaden":

Während der Jahre der NS-Herrschaft und erst recht in der Phase des Krieges war die SS das wichtigste Zwangsinstrument zur Stabilisierung der Diktatur, der Beseitigung von Systemgegnern und der Durchführung des ethnischen Vernichtungskriegs. Mit dem Angriff auf Polen beginnt der Aufstieg der Waffen-SS zur militärischen Parallelarmee. Ihre Mitglieder sollten sich nicht lediglich als Kriegskämpfer, sondern auch als politische Soldaten verstehen, als fanatische Fahnenträger der NS-Weltanschauung im Fronteinsatz.

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