ESVG 2010 für Transparenz und Vergleichbarkeit auf europäischer Ebene

Wien (OTS) - Wien, 6. November 2014 - "Wir haben keine Revolution geschaffen, das tun Volkswirte selten" - Mit Mythen rund um das ESVG 2010 (Europäisches System der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung) räumten Silke Stapel-Weber, Eurostat, und Konrad Pesendorfer, Statistik Austria, bei der KPMG Informationsveranstaltung zum Thema "Neue Spielregeln für Europas Finanzen" auf.
In einer kurzen Einführung von Erich Thewanger, Partner KPMG, wurde die mediale Entwicklung des ESVG 2010 - der seit September 2014 europaweit geltenden Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung - geschildert sowie dessen Bedeutung für den europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt. Silke Stapel-Weber, Directeur - National accounts, prices and key indicators der Europäischen Kommission (Eurostat) - ist es ein besonderes Anliegen, mit Mythen aufzuräumen: "Es muss ein Verständnis dafür geschaffen werden, dass derartige Anpassungen notwendig sind, um Vergleichbarkeit des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf europäischer Ebene zu ermöglichen und Transparenz zu schaffen." Auch betonte sie den hohen Wert der Überarbeitung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung für politische und budgetäre Entscheidungen.
Die letzte Generalrevision in Form des ESVG 1995 liegt rund zwanzig Jahre zurück. "Es ist nur logisch, dass sich der volkswirtschaftliche Gesamtrechnungsstandard mit einer sich wandelnden Welt anpassen muss. In den letzten zwei Jahrzehnten haben sich Unternehmen grundlegend verändert und Ländergrenzen spielen oftmals keine Rolle mehr", argumentierte Silke Stapel-Weber die Revision. Sie streicht besonders die wachsende Bedeutung von geistigem Eigentum, wie Patenten und Eigentumsrechten, hervor. Denn der Löwenanteil der quantitativen Änderung des BIP ist auf den Bereich Forschung und Entwicklung zurückzuführen. F&E-Aufwände werden nun nicht mehr als laufende Ausgabe sondern als Investition betrachtet und über mehrere Jahre abgeschrieben.
Konrad Pesendorfer, Generaldirektor der Statistik Austria, erläuterte die Auswirkungen der Überarbeitung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung aus österreichischer Sicht. Hierzulande nahm besonders die Abgrenzung zwischen dem Sektor Staat und dem Sektor Privat eine bedeutende Rolle ein. 1.400 Einheiten werden nun zusätzlich dem Sektor Staat zugeordnet und sind damit Maastricht-wirksam. Der Großteil der Reklassifikationen zu Staatseinheiten findet auf Gemeindeebene statt. Dafür wurde bereits im Vorfeld seitens der Statistik Austria in akribischer Detailarbeit Informationsmaterial zusammengetragen, Fragebögen ausgeschickt und Diskussionen mit betroffenen Unternehmen geführt. Besonders wichtig war dabei zu erläutern, nach welchen Kriterien vorgegangen wurde. Die Auswirkung der ESVG-Revision war in Österreich insbesondere auf die Schuldenquote zu beobachten, die nunmehr nach den Berechnungen der Statistik Austria 81,2% des BIP beträgt. "Durch das ESVG 2010 sind die Staatsschulden keinen Cent höher, jedoch ist nun Transparenz und eine erleichterte Entscheidungsfindung auf nationaler und europäischer Ebene gegeben", merkt der Generaldirektor der Statistik Austria an.
Die beiden Referenten sehen ihre derzeitige Aufgabe darin, die Umsetzung des ESVG 2010 zu unterstützen und Vergleichbarkeit und Transparenz sicherzustellen. "Die nächsten Jahre stellen einen Parallelprozess aus Einführung des ESVG 2010, Sicherstellung der Vergleichbarkeit des BIP auf europäischer Ebene und die Neuentwicklung der nächsten volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung dar", beschrieben sie die zukünftigen Entwicklungen.
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