"Marsch nach Wien" 2: Der Ärztemangel hat die Bundeshauptstadt erreicht

Immer weniger Bewerber für Kassenstellen - Bessere Rahmenbedingungen gefordert

Wien (OTS) - "Dass es in ganz Österreich einen Ärztemangel gibt, lässt sich mittlerweile nicht mehr verleugnen", betont der Wiener Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres. "Es ist verständlich, dass die Verantwortlichen in Großarl nun nach Wien reisen, um auf die bedenkliche Situation in ihrer Gemeinde aufmerksam zu machen." Doch sei der Ärztemangel nicht mehr nur ein Thema ländlicher Regionen:
Auch die Bundeshauptstadt spüre bereits die Auswirkungen. ****

Szekeres: "Im Moment können zwar noch alle Stellen einigermaßen besetzt werden. Dass wird sich aber in den nächsten Jahren ändern, wenn viele Kolleginnen und Kollegen der geburtenstarken Jahrgänge ins Pensionsalter kommen." In Wien sind von den ungefähr 1400 niedergelassenen Allgemeinmedizinern 340 älter als 61 Jahre, aber nur 19 sind jünger als 35 Jahre.

Der Ärztemangel ist auch erkennbar, wenn man die Anzahl der Bewerber für ausgeschriebene Kassenstellen betrachtet. In Wien wurden im Jahr 2013 insgesamt 48 Kassenstellen für Allgemeinmediziner ausgeschrieben. Für sieben dieser Stellen gab es im Zuge der ersten Ausschreibung keinen einzigen Bewerber, für zehn weitere Stellen gab es jeweils nur einen Bewerber. Auch bei sieben von 29 ausgeschriebenen Facharztstellen im Jahr 2013 hat sich jeweils nur ein Bewerber gemeldet.

"Die Gesundheitspolitik muss sich eingestehen, dass es derzeit für Ärztinnen und Ärzte nicht attraktiv ist, in Österreich zu arbeiten", so Szekeres. "Dies gilt sowohl für den niedergelassenen Bereich als auch für die Spitäler." Immer mehr junge Mediziner entscheiden sich für eine Karriere im Ausland, da sie dort wesentlich bessere Einkommens- und Arbeitsbedingungen vorfinden.

"Es gibt viele Chancen, die man angehen kann"

"In Wien merken wir außerdem, dass für viele das Kassensystem nicht mehr attraktiv ist und sich immer mehr Kolleginnen und Kollegen für eine Tätigkeit als Wahlarzt entscheiden", erklärt Szekeres die aktuelle Situation. Allein seit Ende 2010 ist die Zahl der Wahlärzte in Wien um 381 auf derzeit 2860 gestiegen.

"Die Ärztekammer fordert seit Längerem strukturelle Veränderungen und bessere Rahmenbedingungen für jene Menschen, die sich für den Arztberuf entscheiden", so Szekeres. "Wenn die verantwortliche Politik nicht rasch wirksame Maßnahmen einleitet, sind ein massiver Ärztemangel und entsprechende Versorgungslücken unausweichlich."

Erforderlich im niedergelassenen Bereich seien vor allem flexible Formen der ärztlichen Zusammenarbeit, wie Gruppenpraxen, Teamarbeit in Hausarztordinationen, Praxisnetzwerke, Time-Sharing-Ordinationen, neue Formen der Vertretung sowie angemessene Bereitschaftsdienstmodelle.

Zu den besseren Rahmenbedingungen gehört, neben einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, aber auch ein Abbau der Bürokratie. "Es muss für die Zukunft sichergestellt werden, dass Ärztinnen und Ärzte ausreichend Zeit für Gespräche mit ihren Patienten bleibt", fordert Szekeres. "Es gibt viele Chancen, die man angehen kann. Gerne möchten wir diese gemeinsam mit der neuen Gesundheitsministerin nützen." (hpp)

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