Krätzl: Historikerin Weinzierl war ihrer Zeit immer voraus

Auch Bundespräsident Fischer, Bischof Aichern und Stadtrat Mailath-Pokorny bei Begräbnis der "Grande Dame" der österreichischen Zeitgeschichte am Wiener Zentralfriedhof

Wien, 10.11.14 (KAP) Als Frau, die ihrer Zeit in vielen Bereichen voraus gewesen war, hat der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl die kürzlich verstorbene "Grande Dame" der österreichischen Zeitgeschichte, Erika Weinzierl, geehrt. Weinzierl habe sich bereits vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil für eine "offene Kirche, die sich der neuen Zeit und ihren Herausforderungen stellt", eingesetzt. Sie habe der "kleinen Elite" der katholischen Studentenseelsorge angehört, die im Zweiten Weltkrieg als eine "Zelle des geistigen Widerstands" gewirkt habe und nach Kriegsende auch maßgeblich an der Wiedereröffnung der Universität beteiligt gewesen sei, so Krätzl in einer Ansprache bei der Beisetzung Weinzierls am Montagvormittag am Wiener Zentralfriedhof.

Neben Weihbischof Krätzl nahmen an den Begräbnisfeierlichkeiten auch Bundespräsident Heinz Fischer samt Gattin, der frühere Linzer Diözesanbischof Maximilian Aichern, Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny und der renommierte Historiker und Weinzierl-Kenner und -Freund Oliver Rathkolb teil.

Ihrer Zeit voraus sei die Wienerin auch bei der Aufarbeitung der Rolle der Kirche während des Nationalsozialismus gewesen. Weinzierl habe sich rasch nach dem Zweiten Weltkrieg für eine Kirche stark gemacht, "die auch ihre Mitschuld in Krieg und Nazizeit eingesteht. Eine Kirche, die vor allem ihre so alte Mitschuld am Hass der Juden eingesteht und die heilsgeschichtliche Verbindung zwischen Christen und Juden endlich erkennt", betonte der Weihbischof. Die Historikerin habe in diesem Sinne Zeitgeschichte nicht nur erforscht und gelehrt, "sondern unermüdlich gemahnt, aus ihr zu lernen".

Bemerkenswert sei auch ihre Haltung gegenüber der Rolle der Frau in der Kirche gewesen. Als engagierte Katholiken habe sich Weinzierl "nicht wegen zu weniger Rechte in der Kirche beklagt, betonte Krätzl, sondern aus der Kraft ihres Glaubens und in der Entfaltung ihrer Fähigkeiten die Kirche wahrhaft geprägt, vorangebracht und vielfach glaubwürdiger gemacht".

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