TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 9. November 2014 von Cornelia Ritzer

Innsbruck (OTS) - Ob die ÖVP auf alte Grabenkämpfe verzichten kann, muss sie im Wahljahr 2015 beweisen.

Abgang und Auftakt gelungen

Ein Abschied mit Würde gelang Spindelegger. Seinem Nachfolger Mitterlehner dafür ein fulminantes Wahlergebnis.

Es gehört zur guten Tradition in Parteien, dass sich der scheidende Obmann verabschiedet und den neuen willkommen heißt. So auch in der ÖVP. Spannend war das beim gestrigen Bundesparteitag vor allem deshalb, da Michael Spindelegger im August seine Ämter nicht nur plötzlich, sondern als Reaktion auf die geballte Kritik mehrerer Landeshauptleute zurückgelegt hatte. Und beim raschen Abgang aus seiner Enttäuschung über den fehlenden Rückhalt kein Geheimnis machte. Eine Abrechnung wurde vom loyalen Niederösterreicher trotzdem nicht erwartet, eine Abrechnung gab es am Parteitag auch nicht. In aller Form wolle er sich verabschieden, sagte der frühere Vizekanzler und Finanzminister. Und in aller Würde, fügte er hinzu. Genau in diesen Nuancen wurde erkennbar, dass der Abgang doch mehr schmerzte, als er öffentlich aussprechen wollte. Denn Statements zur Partei gibt der Privatmann Spindelegger nicht mehr - und scheint sich sehr wohl in dieser Rolle zu fühlen. Außerdem forderte Spindelegger seine Parteifreunde auf, seinen Nachfolger Reinhold Mitterlehner zu wählen. Aber man solle ihn auch verteidigen, wenn er kritisiert wird - ein Nachsatz, den sich Spindelegger als scheidender ÖVP-Chef erlauben durfte. Mitterlehner - der am Parteitag als "Django" inszeniert wurde - wurde dann von 99,1 Prozent der Delegierten gewählt. Das ist imposant, allein noch keine Garantie, dass die ÖVP ihr Ziel, stimmenstärkste Partei zu werden, auch erreichen kann. Dafür braucht es vor allem den Willen, auf alte Grabenkämpfe zu verzichten. Ob die Volkspartei das schafft, kann sie bald beweisen: Denn 2015 wird in Wien, der Steiermark, Burgenland und Oberösterreich gewählt.

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