Volkshilfe: Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention ist auch in Österreich mangelhaft

Auch Kinderarmut verstößt gegen die Prinzipien der Konvention.

Wien (OTS) - Anlässlich der parlamentarischen Enquete zum Thema 25 Jahre UN-Kinderrechtskonvention weist Erich Fenninger, Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe, auf die Bedeutung der Konvention hin. "Bei allen Kinder betreffenden Maßnahmen öffentlicher und privater Einrichtungen muss das Wohl des Kindes eine vorrangige Erwägung sein - das steht in der Kinderrechtskonvention. Österreich hat die Konvention seit 1992 ratifiziert, aber in allen drei Grundprinzipien, dem Recht auf Schutz, dem Recht auf Förderung und Entwicklung und dem Recht auf Beteiligung gibt es Verbesserungsbedarf", so Fenninger.

Zum Recht auf Förderung und Entwicklung und der geforderten Gleichheit gehört, allen Kindern in Österreich die Chance auf Bildung und Ausbildung zu gewähren. Das bedeutet, endlich ein Schulsystem, das nicht frühzeitig selektiert, sondern alle nach ihren Talenten und Begabungen fördert.

Zum umfassenden Schutz gehört, Kinder vor akuter Armut und Ausgrenzung zu schützen. Die neuesten EU-SILC Zahlen zeigen, dass 313.000 Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre in Österreich armutsgefährdet sind. 41.000 Kinder und Jugendliche leben in Haushalten, die sich keinen notwendigen Arztbesuch leisten können, 228.000 Kinder leben in feuchten und von Schimmel besetzten Wohnräumen, 287.000 leiden unter Lärmbelästigung.

Daher fordert die Volkshilfe dringend eine effektive Bekämpfung von Kinderarmut auf mehreren Ebenen:
*) Sicherung des Lebensunterhalts für Familien mit Kindern: Erhöhung der Mindestsicherung für Kinder von rund 200Euro auf 400Euro
*) Keine Kürzung der Mindestsicherung bei Familien mit Kindern
*) Schaffung eines integrativen Bildungssystems, das auf die Stärken aller Kinder ausgerichtet ist
*) Ausbau und rechtliche Verankerung von Schulsozialarbeit
*) Umfangreiche Forschungsarbeit zur Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen

Aber auch im dritten Bereich, dem Recht auf Beteiligung, gibt es Verbesserungsbedarf. Um Kindern ein gutes Aufwachsen zu ermöglichen, müssen Maßnahmen über die finanzielle Absicherung hinaus umgesetzt werden. Die aktuellen Ergebnisse des Volkshilfe Sozialbarometers zum Thema Kinder- und Jugendarmut zeigen, dass Armut für Kinder und Jugendliche beispielsweise bedeutet, an Schulveranstaltungen wie Sportwochen nicht teilnehmen zu können. "Besonders die für Kinder wichtigen Lebensbereiche wie Schule, Freizeit, Gesundheit, Medien, Mobilität sowie der gleichberechtigte Zugang zu diesen Ressourcen sind für die Entwicklung ausschlaggebend.", bestätigt Fenninger.

Die Volkshilfe unterstützt auch die Forderungen der Kinder- und Jugendanwaltschaft und von Kinderorganisationen, Kinder stärker zu beteiligen: "Kinder sollen bei Entscheidungen, die sie selbst betreffen, angemessen eingebunden werden und ihre Meinung äußern können.", betont Erich Fenninger. Die Beteiligung von Jugendlichen an der Enquete ist ein guter Ansatz. Auch die Volkshilfe leistet mit dem Volkshilfe Sozialbarometer einen Beitrag. Die aktuelle Studie beruht auf 663 Interviews mit Personen im Alter von 15 bis 29 Jahren aus ganz Österreich.

Im Pilotprojekt Kinderzukunft, einer gemeinsamen Initiative der Volkshilfe und der Stadt Wiener Neustadt, werden Kinder gehört. In Workshops und Veranstaltungen formulieren sie ihre Anliegen und Vorstellungen für eine gute Zukunft. Im Projekt wird an den Stärken und Potenzialen der Kinder angesetzt und das Ziel verfolgt, Kinder in allen Lebensbereichen ihrer Entwicklung zu fördern. "Wir lassen nicht zu, dass Kindern aufgrund finanzieller und ökonomischer Benachteiligung Chancen geraubt und sie von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen werden. Damit verfolgen wir das Ziel, die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Österreich zu verbessern", so Erich Fenninger abschließend.

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