Spitalsarbeitszeiten: Ärztekammer fordert sofortige Verhandlungen

Novelle des Arbeitszeitgesetzes darf nicht zu Gehaltseinbußen führen - Protestmaßnamen stehen im Raum

Wien (OTS) - Im Rahmen der in Kraft tretenden Novelle des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes, bei der die wöchentliche Höchstarbeitszeit für Spitalsärzte schrittweise bis zum Jahr 2021 auf 48 Stunden herabgesetzt wird, führen andere Bundesländer schon längst Gespräche über die notwendige Anpassung der Grundgehälter sowie Strukturänderungen. "Wien steckt aber anscheinend in einem Dornröschenschlaf", kritisiert der Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien, Hermann Leitner. ****

In einigen Bundesländern sei man bereits so weit, eine Einigung über eine deutliche Erhöhung der Grundgehälter erzielt zu haben. In anderen Bundesländern wiederum sitzen zumindest Spitalsträger, Landesregierung, Ärztekammer und Personalvertreter am Verhandlungstisch und führen intensive Gespräche. Und in Wien? Da regiere Inaktivität und Stille, abgesehen von undifferenzierten Aussagen seitens des Krankenanstaltenverbunds, wonach man angeblich nachdenke, so Leitner.

Gerade in Hinblick auf die Änderungen der Dienstpläne für Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern ab 1. Jänner 2015 bestehe dringender Handlungsbedarf. Leitner fordert die Dienstgeber in Wien auf, sich "endlich mit den Personalvertretern und der Ärztekammer an den Verhandlungstisch zu setzen" und bekräftigt, dass es "unter gar keinen Umständen" zu wie auch immer gearteten Gehaltseinbußen in Wien kommen dürfe und werde.

Die Ärztekammer stehe gerne als kompetenter Gesprächspartner zur Verfügung. Leitner: "Es liegt uns als Standesvertretung, und auch im Sinne der uns anvertrauten Patienten, besonders am Herzen, dass hier eine zufriedenstellende Lösung für alle Spitalsärzte in Wien gefunden wird."

Neben der notwendigen Anpassung der Grundgehälter müsse es aber auch eine Debatte über Strukturänderungen geben. "Einmal mehr fordern wir, endlich Stationsassistenten flächendeckend in Wien einzuführen, um die Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern von der zunehmenden Bürokratie zu entlasten - auch um der Abwanderung vor allem jüngerer Ärztinnen und Ärzte wegen schlechter Arbeitsbedingungen und dem damit drohenden Ärztemangel wirkungsvoll entgegentreten zu können.

"Mit Gehaltseinbußen, in welcher Höhe auch immer, und steigender Administration können wir die Wiener Krankenhäuser nicht als attraktiven Standort für Jungmediziner etablieren", ist Leitner überzeugt, der hofft, dass die Verantwortlichen in Wien "endlich aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen, noch bevor es zu einer weiteren Verschlechterung der Betreuung der Patienten kommt".

Österreich bei Ärztegehältern Schlusslicht

Auf einen besonders erbärmlichen Umstand weist der Präsident der Ärztekammer für Wien, Thomas Szekeres, hin: Demnach liegen laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) die Ärztegehälter in Österreich im internationalen Vergleich in nahezu allen Stufen im unteren Bereich. Szekeres: "Bereits jetzt wandern österreichische Ärztinnen und Ärzte in große Zahl ins Ausland ab, da sie überall sonst bessere Arbeitsbedingungen vorfinden und vor allem ein höheres, adäquates Gehalt bekommen."

Nur etwas mehr als die Hälfte der Absolventen des Medizinstudiums fangen überhaupt in Österreich zu arbeiten an. Szekeres will daher der Forderung nach einer Anhebung der Grundgehälter und vollem Lohnausgleich - so notwendig - auch mit öffentlichen Protestmaßnahmen unterstreichen. Nur so könne der bereits laufende Ausverkauf der medizinischen Versorgung in Wien gestoppt werden.

Laut Medienberichten wurden seitens des neuen Generaldirektors des Wiener Krankenanstaltenverbunds Gehaltserhöhungen zumindest in Aussicht gestellt. Der Rektor der MedUni Wien und Dienstgeber der Ärztinnen und Ärzte im AKH hat Gehaltsanhebungen hingegen öffentlich ausgeschlossen. Für den Ärztekammerpräsidenten ist das so nicht akzeptabel: "Unsere Forderungen gelten für sämtliche Wiener Spitalsträger und müssen so rasch wie möglich umgesetzt werden." (kmc)

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