"Albert Einstein könnte im heutigen Wissenschaftsbetrieb wohl nicht mehr publizieren"

Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung und die Bank Austria luden zur Diskussion über den "Innovationsstandort Österreich"

Wien (OTS) - "Wir leben in einer Zeit der Normierung, und das ist schlecht für Kreativität und Innovation", so eine der zentralen Aussagen des ehemaligen Kulturstaatsministers und Professors für Philosophie, Julian Nida-Rümelin, in seiner Key-Note bei der Veranstaltung "Innovationsstandort Österreich". Als Beispiel nannte er Albert Einstein, der im heutigen Wissenschafts- und Publikationsbetrieb wohl kaum mehr seine bahnbrechenden Erkenntnisse veröffentlichen könnte. Kritisch äußerte sich Nida-Rümelin in der Folge auch zum Bologna-Prozess, denn "die Verschulung des Studiums dient nicht dem selbständigen Denken, welches das eigentliche Ziel sein sollte". In Erinnerung an den zentralen Gedanken Wilhelm von Humboldts, wonach Menschen, die im Zuge eines Studiums "auch einige Jahre wissenschaftlich und forscherisch tätig waren, zu autonom denkenden Personen werden, die dann auch außerhalb der Universität Verantwortung übernehmen können", forderte Nida-Rümelin wieder mehr Freiräume für Kreativität.

Umfassender Strukturwandel durch die Digitale Revolution

Eine Lanze brach Nida-Rümelin aber auch für die berufliche Bildung:
"Das duale System ist eine Stärke des österreichischen, deutschen und schweizerischen Berufsbildungssystems und sollte nicht kaputt gemacht werden. Für Innovationen braucht es nämlich nicht nur Wissenschafter, sondern eben auch Fachkräfte und Techniker."

Auf die Bedeutung der Triade "Bildung, Forschung und Innovation" als strategische Schlüsselfaktoren zur Bewältigung der aktuellen Herausforderungen und zum Erhalt unseres Wohlstandes hatte auch Staatssekretär Harald Mahrer vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft in seiner Einleitung zur Veranstaltung hingewiesen. Mit eindrücklichen Worten unterstrich er, dass ein umfassender, durch die Digitale Revolution verursachter wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Strukturwandel bevorsteht, auf den weder unser Land noch Europa wirklich vorbereitet sind. Dass er - Mahrer - dennoch nicht wirklich beunruhigt ist, liegt daran, "dass ein solcher Umbruch auch eine Vielzahl neuer Möglichkeiten mit sich bringt. Und diese Chancen gilt es zu nutzen." Gleichzeitig kündigte er einschneidende Verbesserungen im Bereich der Forschungsfinanzierung an, vor allem durch eine attraktivere Gestaltung des gemeinnützigen Stiftungsrechts.

Auf die dringend notwendige Verbesserung der Rahmenbedingungen für private Investitionen in Forschung und Innovation hatte bereits Willibald Cernko, Vorstandsvorsitzender der Bank Austria, in seinen Begrüßungsworten hingewiesen. Mit dem Hinweis darauf, dass klassische Bankkredite aufgrund der immer strenger werdenden regulatorischen Vorgaben kein geeignetes Finanzierungsinstrument für Start-Up-Unternehmen sind, und alternative Kapitalquellen wie Crowdfunding und Risikokapital in Europa noch in den Kinderschuhen stecken, forderte er gezielte Schritte, "und zwar, indem private Investitionen in Innovationen, in Start-Up-Unter-nehmen sowie in Forschung und Entwicklung gezielt erleichtert und steuerlich begünstigt werden".

Diesen Gedanken aufgreifend mahnte auch Hannes Androsch, Vorsitzender des Rates für Forschung und Technologieentwicklung, dringend Maßnahmen ein, "aktiv unsere Zukunft zu gestalten und diese Gestaltung auch zu finanzieren." Um nämlich weiterhin wettbewerbsfähig bleiben zu können, "brauchen wir Innovationen; Innovationen brauchen Forschung; Forschung wiederum braucht gebildete Menschen, und dazu braucht es ein entsprechendes Bildungssystem. Hier jedoch besteht nach wie vor dringend Handlungsbedarf", so der Ratsvorsitzende.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Karl Aiginger (WIFO), Pascale Ehrenfreund (FWF), Eva Prieschl-Grassauer (Marinomed), Anton Zeilinger (ÖAW), Julian Nida-Rümelin und Hannes Androsch war man sich über die herausragende Bedeutung von Bildung, Forschung und Innovation einig, nicht immer jedoch über den aktuellen Stand Österreichs auf seinem Weg zu einem Innovation Leader.

Hintergrund der Veranstaltung

Im März 2011 präsentierte die österreichische Bundesregierung ihre Strategie für Forschung, Technologie und Innovation "Der Weg zum Innovation Leader" mit dem erklärten Ziel, Österreich zu einer der führenden Innovationsnationen zu machen.

Nun wurde im Rahmen der Veranstaltung "Innovationsstandort Öster-reich" eine erste Zwischenbilanz gezogen: Wo steht das österreichische FTI-System heute? Gelingt es, das Ziel der FTI-Strategie zu erreichen? Und wird Österreich im Jahr 2020 tatsächlich ein Innovation Leader sein? Dabei wurde die Bedeutung von Bildung für das nationale Innovationssystem ebenso beleuchtet wie der gesellschaftliche Auftrag von etablierten Forschungsinstitutionen und die Rolle der Wirtschaft.

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DI Dr. Ludovit Garzik
Geschäftsführer des Rates für Forschung und Technologieentwicklung
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