- 03.11.2014, 12:16:15
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25 Jahre Mauerfall: "Das Wunder von Leipzig" in "kreuz und quer"
Am 4. November um 22.35 Uhr in ORF 2
Utl.: Am 4. November um 22.35 Uhr in ORF 2 =
Wien (OTS) - Im Rahmen des ORF-Programmschwerpunkts "25 Jahre
Berliner Mauerfall" (Infos unter presse.ORF.at) rekonstruiert die in
HD produzierte Dokumentation "Das Wunder von Leipzig", die "kreuz und
quer" - präsentiert von Doris Appel - am Dienstag, dem 4. November
2014, um 22.35 Uhr in ORF 2 zeigt, die dramatischen Ereignisse im
geschichtsträchtigen Herbst 1989, als sich in Leipzig durch
Friedensgebete und "Montagsdemonstrationen" der Sturz des DDR-Regimes
abzeichnete. Zeitzeugen von beiden Seiten und Leipziger Bürger
schildern im Film von Sebastian Dehnhardt und Matthias Schmidt, wie
sie die entscheidende Woche erlebten. Der Mut der Bürger, ihre
Zivilcourage und ihr Einsatz für Demokratie legten den Grundstein für
die erste friedliche Revolution der deutschen Geschichte, für das
"Wunder von Leipzig". Der Film kombiniert Interviews mit
Archivmaterial und authentisch inszenierten Spielszenen. Die damals
Beteiligten schildern die dramatischen Geschehnisse in Leipzig im
Herbst '89, ihre Ängste und Hoffnungen anhand persönlicher
Erlebnisse.
"Das Wunder von Leipzig" - Ein Film von Sebastian Dehnhardt und
Matthias Schmidt
Tausende DDR-Bürger gehen im Herbst 1989 auf die Straße. Sie
demonstrieren für mehr Freiheit und mehr Bürgerrechte, für Demokratie
und vor allem gegen einen Staat, der seine Bürger bespitzelt,
unterdrückt und überwacht. Montag für Montag formiert sich unter den
Augen der Staatsicherheit ein nicht zu stoppender, mutiger
Protestzug, mit dem DDR-Staatsratsvorsitzender Erich Honecker ein für
und alle Mal Schluss machen will.
Am Montag, dem 9. Oktober 1989, kommt es zur Entscheidung. Auf mehr
als 70.000 ist die Zahl des Protestzuges angewachsen, der die
Innenstadt einmal umrunden will. Die einzige Waffe der Demonstranten
ist der friedliche Protest. Was im September 1989 in der Leipziger
Nikolaikirche als Friedensgebet begann, entwickelte sich innerhalb
weniger Wochen zu machtvollen "Montagsdemonstrationen" für mehr
Freiheit, für Reformen und freie Wahlen in der DDR.
Bereits am Montag, dem 4. September, hatten sich Leipziger Bürger
nach dem Friedensgebet in der Nikolaikirche erstmals zu einem
Demonstrationszug für mehr Freiheit und Rechte versammelt. Die mutige
Aktion sorgt für Aufsehen bei der Leipziger Bevölkerung, und auch der
DDR-Staatssicherheit bleibt die Aktion nicht verborgen: Mit aller
Macht versucht sie, die Demonstration zu verhindern. Peinlicherweise
gerät die Aktion ausgerechnet vor den Kameras des Westfernsehens zu
einer Blamage.
Eine Woche später, am Montag, dem 11. September, ist man wesentlich
besser vorbereitet. Friedliche Demonstranten werden verprügelt und
"staatsfeindliche Kräfte" sofort verhaftet. Am Machtanspruch der
Staatsführung sollen nicht noch einmal Zweifel aufkommen. Doch längst
ist eine Bewegung in Gang gekommen, die nicht mehr aufzuhalten ist.
Immer mehr Bürger begehren gegen das marode System auf. Unterstützung
finden sie in den Kirchen, wo Bürgerrechtler Büros einrichten und den
Widerstand organisieren. Aber auch die Gegenseite rüstet für den
bewaffneten Kampf auf der Straße auf: Kampfgruppen werden nach
Leipzig verlegt, der Einsatz von Schlagstöcken und Wasserwerfern
angeordnet. Aus Berlin kommt am 22. September ein Fernschreiben von
Erich Honecker: "Mit der Konterrevolution ist ein für alle Mal
Schluss zu machen!"
Am Montag, dem 2. Oktober, versammeln sich Tausende Leipziger auf dem
Nikolaikirchplatz mit dem Ziel, einmal um den Leipziger Ring herum zu
marschieren und den Protestzug an der Nikolaikirche wieder zu
schließen. Aber so weit kommt es nicht. Auf halber Strecke wird die
Demonstration am Hauptbahnhof von den Polizeikräften gestoppt. Es
kommt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit vielen Verletzten und
Verhaftungen.
Für die Montagsdemo am 9. Oktober 1989 ist die Konfrontation erneut
vorprogrammiert. Die blutigen Bilder vom Platz des Himmlischen
Friedens in Peking sind noch in allen Köpfen, die Demonstranten
fürchten die "chinesische Lösung", die gewaltsame Niederschlagung des
friedlichen Protests. Bereitschaftspolizei sowie Hundestaffeln werden
in die Stadt kommandiert, am Stadtrand Pferdeställe für verhaftete
Demonstranten "eingerichtet", in den Kliniken Blutkonserven für
Verletzte bereitgestellt. Einsatzpläne sehen die Besetzung der
Nikolaikirche vor.
Sechs Prominente aus Leipzig verfassen in dieser angespannten Lage
einen Appell, der von Gewandhauskapellmeister Kurt Masur verlesen
wird. Die "Leipziger Sechs" rufen zur Gewaltfreiheit auf. Erneut
startet am 9. Oktober an der Nikolaikirche ein Demonstrationszug. Er
ist so groß wie nie zuvor. Diesmal können die Demonstranten
überraschend ungehindert am Bahnhof vorbeiziehen. Sie marschieren auf
die gefürchtete Bastion der Staatsmacht zu, die berüchtigte "Runde
Ecke", das Leipziger Hauptquartier des Ministeriums für
Staatssicherheit. Schwer bewaffnet haben dort die Sicherheitskräfte
Stellung bezogen. Verzweifelt versuchen sie, Anweisungen aus Berlin
zu bekommen. Sollen sie schießen, ja oder nein? In Berlin ist niemand
zu erreichen. Keiner will für ein Blutbad in Leipzig die
Verantwortung übernehmen. Der Staat kapituliert vor der Macht der
friedlichen Demonstration.
"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der
Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand
abrufbar und steht als zeitnahe Servicewiederholung am Mittwoch im
Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information.
Im zeitlich unbefristet abrufbaren TVthek-Archiv wird anhand von
TV-Berichten, Reportagen und Dokumentationen erklärt, wie es zum
Mauerfall kommen konnte - vom geteilten Europa über die Öffnung der
Grenzen bis zum Zerfall des sogenannten "Ostblocks".
In der DDR waren viele Kirchen Zentren des Widerstands, und manch
einer oder eine ist als Oppositionelle in sie eingetreten. Heutzutage
und hierzulande treten kritische Menschen oftmals aus der Kirche aus.
In Helmut Manningers Dokumentation "Ausgetreten!" erläutern ab 23.25
Uhr u. a. Viktor Gernot, Peter Stöger und Caspar Einem, warum sie aus
der Kirche ausgetreten sind.
"Ausgetreten!" - Ein Film von Helmut Manninger
Was haben Kabarettist Viktor Gernot, Fußballtrainer Peter Stöger und
Ex-Innenminister Caspar Einem gemeinsam? Jeder ist eine V.I.P. und
jeder war einmal römisch-katholisch oder evangelisch.
Jetzt sind sie o. B. - also ohne Bekenntnis. Jeder mit seiner ganz
persönlichen Geschichte, was ihn an der Kirche stört und warum er
ausgetreten ist. In der "kreuz und quer"-Dokumentation geht es aber
nicht nur um prominente Outings. Konfessionslos ist nicht gleich
gottlos. Helmut Manningers Doku zeigt Menschen, die aus Enttäuschung,
nicht aus Gleichgültigkeit ausgetreten sind. Wie etwa
Filmschauspielerin Julia Cencig, die mit dem katholischen
"Männerverein" nichts anfangen kann - ihre beiden Töchter aber hat
taufen lassen. Dabei hat sie etwas Besonderes erlebt, was "von oben"
gewesen sein könnte. Ausgetreten ist sie wegen des Kirchenbeitrags.
Ohne Bekenntnis zu sein gehöre in ihrem Künstlerkreis übrigens "zum
guten Ton".
2013 haben insgesamt 54.845 katholische Österreicherinnen und
Österreicher der Kirche den Rücken gekehrt. Tendenz sinkend. Kein
Wunder nach dem Austrittshype von 2010. 87.000 waren es damals, die
sexuelle Missbrauchsfälle zum Anlass nahmen. Der Kirchenaustritt ist
aber kein rein katholisches Phänomen. Beispiele dafür sind Exminister
Caspar Einem und Gertraud Knoll-Lacina. Der Austritt der ehemaligen
Superintendentin im Jahr 2008 ist jedenfalls einmalig in der
Geschichte der evangelischen Kirche. Grund war ein Hirtenbrief, in
dem Jörg Haider nach seinem Tod als "charismatischer und
leidenschaftlicher Politiker mit Leib und Seele" gewürdigt wurde.
Was stört an der Kirche? Und was kann einem ohne Kirche mitunter
abgehen? Warum denken manche sogar an Wiedereintritt? Der Film zeigt
auch unkonventionelle Strategien der Kirchen, verlorene Schäfchen
wieder zurückzuholen, und warum Dompfarrer Toni Faber und ein
Salzburger Benediktinerpater dabei besonders erfolgreich sind. Beim
Versuch, Viktor Gernot zu bekehren, wird Toni Faber allerdings
scheitern.
Seit 25. Oktober sind die Spartenkanäle ORF III und ORF SPORT + sowie
die "Bundesland heute"-Ausgaben auch im HD-Standard zu empfangen.
Alle Informationen zum ORF-HD-Empfang und zur Einstellung der neuen
HD-Angebote finden sich auf der Website hd.ORF.at, die
ORF-Service-Hotline 0800 / 090 010 gibt kostenfrei aus ganz
Österreich persönliche Hilfestellung.
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