OÖNachrichten-Leitartikel: "Wie wir gute Bildung verhüten", von Dietmar Mascher

Ausgabe vom 3. November 2014

Linz (OTS) - Man lernt nie aus. Auch als Erwachsener kann man ob der Statistik-Kenntnisse unserer Unterrichtsministerin nur ehrfürchtig das Haupt senken. Sexualerziehung könne nicht früh genug beginnen, sagt Frau Heinisch-Hosek. Sie fordert dies ab dem Kindergarten und begründet es mit einer von ihr beauftragten Umfrage. Laut dieser wollen das 12 Prozent der Befragten. Frage: Wenn das die Mehrheit ist, wie viel Prozent hat dann die Minderheit?
Natürlich gibt es in diesen Tagen wichtigere Dinge zu diskutieren, als über den Zeitpunkt, wann man Kindern laut Lehrplan das erklärt, was die meisten ohnehin schon wissen. Aber dieser Vorstoß zum Thema Sexualerziehung sagt grundsätzlich etwas über unser Schulsystem aus. Die Bildungspolitik verliert an Bedeutung. Dafür soll die Schule das übernehmen, was zu Hause vernachlässigt wird: die Erziehung durch die Eltern, deren Aufgabe es wäre, mit ihren Kindern das Thema Sexualität zu besprechen (aber auch Sorge zu tragen, dass ihre Kinder grüßen und mit Messer und Gabel essen können). Der fürsorgliche Staat weiß ohnehin viel besser, wie und wann unsere Kinder zu denken haben.
Wer junge Leute als Lehrlinge aufnimmt, oder sie weiterzubilden hat, weiß, dass die grundlegenden Techniken der Bildung - Schreiben, Lesen, Rechnen - im Durchschnitt schlechter beherrscht werden. Damit das nicht so auffällt, werden erstens PISA-Tests ignoriert und wird zweitens bei Tests oder Überprüfungen einfach das Niveau gesenkt. Das ist alles bekannt. Statt die Lehrer darin zu unterstützen und ermutigen, dass sich das wieder verbessert, werden diese mit zusätzlicher Bürokratie daran gehindert, ihrer eigentlichen Aufgabe nachzukommen: junge Menschen auszubilden und zu bilden und auf die Herausforderungen einer (Achtung: böses Wort!) nicht einfacher werdenden Leistungsgesellschaft vorzubereiten. Das ohnehin zu niedrige Bildungs-Budget wird dafür verwendet, Schulsysteme halbherzig zu ändern. Mit geringem Erfolg. Jetzt fehlt sogar das Geld für Schulmieten. Die einzigen, die sich Geld ersparen, sind die ersten hundert Schulen, die den Verhütungskoffer des Unterrichtsministeriums bestellen.
Wir hören in Sonntagsreden, dass Bildung unser wichtigster Rohstoff sei. Doch darauf, wie wir das Nutzen dieser edlen Ressource verhüten, brauchen wir uns nichts einzubilden.

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