Szekeres: Ärzte müssen wieder mehr Zeit für Patienten haben

Ärztekammer sieht "Schulterschluss mit der Ministerin" auch in der Frage des Nichtraucherschutzes

Wien (OTS) - Die Wiener Ärztekammer begrüßt ausdrücklich das Vorhaben von Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser, dem Patientengespräch mehr Zeit und Bedeutung einzuräumen. Patienten hätten ein Anrecht darauf, umfassend informiert zu werden und ihre Anliegen, Sorgen und Ängste entsprechend artikulieren zu können. Voraussetzung dafür seien aber entsprechende Rahmenbedingungen mit fairen Honoraren und Gehältern sowie die Zurücknahme von bürokratischen Aufgaben, so Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres. ****

Aufgrund der Honorargestaltung und bürokratischer Schikanen der Krankenkassen sowie Personalengpässe in den Spitälern hätten Ärztinnen und Ärzte derzeit viel zu wenig Zeit für das Gespräch mit den Patienten. Dies zeige sich vor allem in niedergelassenen Bereich sehr deutlich. "Seit Jahren fordern wir mehr Kassenplanstellen, um dem drohenden Versorgungsengpass entgegenwirken zu können", betont Szekeres, der allein für Wien 300 fehlende Vertragsordinationen ortet.

Zudem zwinge die restriktive Honorarpolitik der Krankenkassen den niedergelassenen Arzt dazu, möglichst viele Patienten in möglichst kurzer Zeit durch die Ordination zu "schleusen". Denn dies sei oftmals die einzige Möglichkeit, eine Kassenordination wirtschaftlich rentabel zu führen. Auf der Strecke bleibe dabei der Patient, der -so er es sich leisten kann - immer öfter in die Wahlarztpraxis ausweiche.

Ähnlich verhalte es sich mit der Situation in den Spitälern. Auch dort hätten die Kolleginnen und Kollegen zu wenig Zeit für die Arbeit am Krankenbett. "Erstens gehen aufgrund von unattraktiven Rahmenbedingungen immer mehr Ärzte ins Ausland. Und zweitens nehmen auch im Spital die bürokratischen Aufgaben immer mehr überhand", kritisiert Szekeres, der einmal mehr die flächendeckende Etablierung von Administrationsassistenten fordert, um Ärztinnen und Ärzte von übermäßigen Schreibarbeiten in den Spitälern zu entlasten.

Generelles Rauchverbot in der Gastronomie "Gebot der Stunde"

Unterstützen will Szekeres die Gesundheitsministerin auch in deren Kampf um einen verbesserten Nichtraucherschutz in Österreich. Vor dem Hintergrund, dass seit dem Jahr 2005 Österreich sowohl beim Nichtraucherschutz als auch beim Rauchverhalten, und hier vor allem bei den Jugendlichen, negatives Schlusslicht in Europa sei, sei ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie "das Gebot der Stunde", betont Szekeres.

Hierzulande werde Rauchen als Volkssport abgetan und die gesundheitliche Gefahr, nicht nur für Raucher, sondern insbesondere für die Nichtraucher, zu sehr in den Hintergrund geschoben. Denn zu oft hätten sich in der Vergangenheit Tabakindustrie und Gastronomie mit ihren ausschließlich wirtschaftlichen Interessen durchsetzen können. Szekeres: "Es gibt hier einen gemeinsamen Schulterschluss der Ärzteschaft mit der Ministerin, um Österreich vom Diktat der Gewinnmaximierung weg in Richtung einer präventionsorientierten Gesundheitspolitik zu bringen." (hpp)

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