Enquete: Wie sieht die Zukunft der Spitalsärzte aus? (1)

Die Bundeskurie angestellter Ärzte lud zur Diskussion - Arbeitsbedingungen, Strukturen, Zusammenarbeit in Spital und Niederlassung, Mischformen zwischen stationär und ambulant

Wien (OTS) - Die laufende Entlastung der Spitäler, neue kooperative Versorgungsformen, knappe Finanzmittel: Das sind die wesentlichen Entwicklungslinien, die das Gesundheitssystem der Zukunft bestimmen werden. Dazu kommen demografische Veränderungen der Bevölkerung mit steigender Lebenserwartung und damit einhergehenden mehrfachen Erkrankungen. Geänderte Rahmenbedingungen finden sich auch bei der Ärzteschaft, die unter dem Zeichen der zunehmenden Verweiblichung steht. Mögliche Zukunftsszenarien, Ideen, Innovationen und Probleme standen im Zentrum einer Enquete der Bundeskurie Angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), die am Mittwoch zum Thema "Spitalärztin/Spitalsarzt 2025" in Wien stattfand.

Für den Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte und ÖÄK-Vizepräsidenten, Harald Mayer, sind die ärztlichen Arbeitszeiten, der Arbeitsplatz im Spital, eine ausgeglichene Work-Life-Balance und die positiven Berufsperspektiven die wesentlichen Faktoren zur Motivation der Ärztinnen und Ärzte sowie zur Bekämpfung des immer greifbarer werdenden Ärztemangels in Österreichs Spitälern. Ausgehend von der Medizin als arbeitsteiligem Prozess und der ärztlichen Gesamtverantwortung bei der medizinischen Betreuung stellte er eine Versorgungsstruktur abgestimmt auf Regionen unter Berücksichtigung der zentralen Versorgungsebenen vor. Nach dem Konzept der Bundeskurie Angestellte Ärzte hätten Organisation und Betrieb eines Leit-Krankenhauses und eines oder mehrerer Regional-Krankenhäuser unter Führung eines ärztlichen Generaldirektors zu erfolgen. Expertenteams für einzelne medizinische Leistungen würden in gleicher Weise zur Verfügung stehen. Gleichzeitig hätten die Fachärzte einer Region einen Pool zur regionalen Rufbereitschaft für die erstbehandelnden Hausärztinnen und Hausärzte zu bilden.

Neubauer: Gefahr des Autonomieverlustes von Patient und Arzt

Der Leiter des Münchner Instituts für Gesundheitsökonomik, der Volkswirt Univ.-Prof. Günter Neubauer, sprach von einer "systemimmanenten weiteren Zunahme der Ökonomisierung" im Gesundheitssystem. Das bringe notgedrungen die Gefahr eines fortschreitenden Autonomieverlustes der Patienten und der sie betreuenden Ärztinnen und Ärzte. Erkennbar sei das an der Verknappung der Finanzmittel, die eine Priorisierung in der medizinischen Behandlung und bei der Patientenauswahl nach sich ziehe. Diese Priorisierung, so Neubauer, erfolge immer mehr nach wirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Überlegungen und immer weniger nach rein medizinischen Notwendigkeiten (Triage). Unter dieser Voraussetzung würde zum Beispiel bei Transplantationen die wirtschaftliche Kosten-Nutzen-Überlegung danach entscheiden, wie viele produktive Jahre ein Mensch noch vor sich habe.

Der Arzt gelange damit verstärkt in das Spannungsfeld zwischen Berufsethik und Ökonomie. Dieser Umstand trete mitunter in der Ordination von niedergelassenen Ärzten sogar stärker auf als im Krankenhaus, da die ökonomische Führung auch zur Existenzfrage für den Arzt werde. Ähnlich bei den stationären Einrichtungen: In Spitälern stünden private Krankenhäuser, die kostendeckend respektive gewinnorientiert arbeiten müssen, unter stärkerem wirtschaftlichen Kuratel als Krankenanstalten in den Händen von Ländern oder Bund. Für diese gebe es immer noch eine Verlustabdeckung über Steuermittel. (ms) (Forts.)

Rückfragen & Kontakt:

Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Martin Stickler
Tel.: (++43-1) 514 06 -3314
Mail: m.stickler@aerztekammer.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAE0001