Achtes "3 Länder-Treffen"(VII): Abschluss der Veranstaltung mit gemeinsamer Resolution "Lebenswerte Regionen für jedes Alter!"

Grenzübergreifende Zusammenarbeit der Senioren in Deutschland, Bayern, Südtirol und Österreich weiter gestärkt!

Salzburg (OTS) - 30\. Oktober 2014 - Zum Abschluss der zweitägigen Veranstaltung des achten "3 Länder-Treffen" der Senioren, an dem die Senioren-Union der CDU Deutschland mit Bundesvorsitzendem Prof. Dr. Otto Wulff, die Senioren-Union der CDU Baden-Württemberg mit Landesvorsitzendem Prof. Dr. Wolfgang Freiherr von Stetten, die Senioren-Union der CDU Thüringen mit Landesvorsitzendem Rolf Berend, die Senioren-Union der CDU Sachsen-Anhalt mit Landesvorsitzendem Prof. Dr. Wolfgang Merbach, Senioren-Union der CSU mit Landesvorsitzendem Dr. Thomas Goppel MdL (der vor Ort u.A. von seiner Stellvertreterin Elke Garczyk, ESU-Vizepräsidentin, vertreten wird), Senioren der Südtiroler Volkspartei mit Vorsitzendem Otto von Dellemann und der ÖVP-Seniorenbund mit Bundesobmann Univ.-Prof. Dr. Andreas Khol - wobei aus Österreich selbstverständlich auch die Landesobleute aller neun Seniorenbund-Landesorganisationen teilnahmen, wurde folgende Resolution verabschiedet:

RESOLUTION "Lebenswerte Regionen für jedes Alter!"

Salzburg am 30. Oktober 2014

Die Seniorenorganisationen von CDU, CSU, Südtiroler Volkspartei und ÖVP erklären nach ihrer zweitägigen gemeinsamen Sitzung:

Die häusliche Pflege - auch durch Angehörige - ist unverzichtbare Säule der Versorgung unserer Älteren!

Daher:

-Zu etablieren ist eine flächendeckende aufsuchende und kostenlose Beratungsleistung in allen Regionen (sog. Case-Management). Welche Pflegeangebote passen genau zu den Bedürfnissen des Pflegebedürftigen und seines Angehörigen? Welche finanziellen, sozialen und pflegerischen Unterstützungen gibt es und wie können diese beantragt werden?

-Zu garantieren ist in jeder Region eine einfach einsetzbare Ersatzpflege, auch in den eigenen Räumlichkeiten, die den Pflegenden im Bedarfsfall entlastet oder ersetzt.

-Zu erheben ist in allen Regionen die konkrete Bedarfsplanung der künftigen Pflege (sog. Care-Management), für Pflege-Einrichtungen, für mobile und andere Dienste, betreute Wohnungen ebenso wie bei der Pflege Angehörige. Nur wenn Staaten, Länder, Regionen über exakte Planungszahlen verfügen, könnend die Gesellschaften auch in finanzieller und personeller Hinsicht gut ausgestattet sein. Auch wirkt dies der immer wieder stattfindenden Panikmache (Stichwort "Kostenexplosion") vor, die aufgrund unbelegter Daten erfolgt.

-Mobile Pflegedienste sind in allen Regionen so zu gestalten, dass sie unkompliziert, auch an Tagesrandzeiten und Wochenenden von den Familien genutzt werden können. Dies zu einem finanzierbaren (evtl. sozial gestaffelten) Preis.

-Die Grundsätze "familiär statt fremd" und "mobil (bzw. ambulant) statt stationär" müssen jeglicher Pflege-Politik zugrunde liegen. Damit wird dem ausdrücklichen Wunsch der Menschen entsprechen, die sich auf Nachfrage zu 90 Prozent (!) wünschen, so lange als möglich zu Hause gepflegt und betreut zu werden!

-In Aus- und Weiterbildung (inklusive Umschulung) der verschiedenen Pflege-Berufe ist umfassend zu investieren. Junge Menschen sollen diesen Beruf als attraktiv erfahren können und gerne einsteigen. Vorzusehen sind dabei auch zertifizierte Kurse für Laienpflegerinnen und Laienpfleger - pflegende Angehörige und hilfsbereite Nachbarn sollen so professionelle Hilfestellung in ihren Betreuungsalltag bekommen, der sie nach der Zeit der familiären Pflege berechtigt, einfache Betreuungsarbeiten auch hauptberuflich außer Haus zu erledigen.

-Zu etablieren ist in allen Regionen ein Netzwerk von und für Freiwillige. Sie können durch ihre Freiwilligenarbeit den Alltag von Pflegebedürftigen deutlich bereichern durch Spaziergänge, Gesprächsrunden, Gesellschaft leisten, Lese- und Erzählzeiten, u.V.a.m. Das sind Dinge, die neben der medizinischen Pflege nicht vernachlässigt werden dürfen und deutlich zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen.

-Sicherzustellen ist eine möglichst wohnortnahe allgemeinmedizinische Versorgung.

-Pflegenden Angehörigen ist umfassend und sehr niederschwellig ein Zugang zu psychologischer Betreuung zu garantieren.

Mobilität und Teilhabe am öffentlichen Leben müssen in jedem Alter gesichert sein!

Daher:

-Es ist sicherzustellen, dass die Bewohnerinnen und Bewohner aller Regionen möglichst einfach Zugang zu regionalen Mobilitätsangeboten finden. Für entsprechende Projekte liegen umfassende Förderungsmöglichkeiten auf verschiedenen Ebenen vor. Die jeweiligen Gebietskörperschaften sollten sich verpflichtet fühlen, diese Förderungsmöglichkeiten - insbesondere jene der EU-Ebene - möglichst umfassend auszuschöpfen.

-Ermäßigungen für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel sind regional sehr unterschiedlich gestaltet. Die Zielsetzung muss lauten, dass alle Bezieherinnen und Bezieher einer Pension oder Rente eine Ermäßigung erhalten - schließlich liegen in allen drei Ländern die Pensions- und Renteneinkommen deutlich unter den davor erzielten Erwerbseinkommen. Der Grundsatz "Ermäßigungen, die es für Junge gibt, muss es auch für Ältere geben - und umgekehrt (!)" soll zu besserer Generationen-Ausgewogenheit auch bei diesen Angeboten führen. Besonders positiv sticht hier das Angebot in Südtirol hervor: Dort ist die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel für alle Personen ab dem 75. Geburtstag kostenlos!

-Bei der Gestaltung von öffentlichem Raum soll der Grundsatz "Design für Alle" angewendet werden - es handelt sich dabei um Gestaltungsmethoden, die eine Benutzung durch alle Menschen - auch durch z.B. Menschen die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind -gleichermaßen benutzt werden können. Dazu kann festgehalten werden:
Wer für die Alten baut, baut auch für die Jungen.

-Ebenso ist den Prinzipien der Barrierefreiheit zu entsprechen. Auch hier geht es um die Erleichterung der Lebensführung für Ältere -zugleich aber für Beschäftigungschancen der Jüngeren in den Regionen.

-Bei beiden Grundsätzen, also "Design für Alle" und "Barrierefreiheit" soll es aber nicht zum sog. "Golden plating" kommen. Dabei wird von Projekt-Umsetzenden versucht, stets die größtmögliche Umsetzung zu erreichen, man versucht "päpstlicher als der Papst" zu sein - was bei konkreten Projekten zur Vervielfachung (!) von Kosten führen kann. Wir Senioren wissen um die finanziell angespannte Situation unserer Gemeinden, Länder und Staaten und fordern hier: Sachliche Ausführung und Umsetzung statt übertriebenen "Musterschülertums"!

Modernste Technik (AAL) kann und soll Lebensalltag der Älteren erleichtern und bereichern!

Daher:

-Seniorinnen und Senioren (auch Hochbetagte) stehen der neuesten Technik zur Unterstützung ihres Lebensalltags zu Hause deutlich aufgeschlossener gegenüber, als allgemein unterstellt wird. Die Senioren-Organisationen wollen hier eine aktive Rolle zur Verbreitung der Kenntnisse über diese technischen Möglichkeiten einnehmen und so Wissen über und Nachfrage nach dieser Technik bei ihren Mitgliedern aktiv wecken.

-Im Mittelpunkt dieser technischen Entwicklungen muss weiterhin der Mensch stehen. Seniorinnen und Senioren sind daher in Entwicklung und Erprobung dieser technischen Hilfsmittel umfassend einzubeziehen.

-Der Schutz der Privatsphäre sowie der Schutz vor Missbrauch von Daten, die durch solche Technik-Anwendungen vorhanden sind, ist uneingeschränkt zu garantieren.

-Aus dem EU-Programm "Horizon 2020" stehen finanzielle Förderungen für Forschung und Entwicklung zu AAL zur Verfügung. Diese sind in größtmöglichem Umfang abzuholen - was Österreich schon vorbildlich tut.

-Neben der Förderung von Forschung und Entwicklung muss auch der Einbau dieser Technik finanziell unterstützt werden. Dabei ist besonders wichtig, dass der Einbau nicht nur in stationären Pflege-Einrichtungen, öffentlichen Bauten oder Angeboten des betreuten Wohnens gefördert wird. Im Vordergrund muss der Einbau in privaten Wohneinheiten stehen! So entstehen wichtige Arbeitsplätze für junge Menschen in den Regionen - direkt vor Ort!

Gemeinsam in Europa und den Regionen mehr erreichen!

Daher:

-Die Zusammenarbeit der Seniorenorganisationen der einzelnen Länder wird auf allen Ebenen weiter verstärkt. Kontakte wie in der Gruppe "Freunde der ESU" werden aktiv genutzt. Wünsche, Forderungen und Ideen der regionalen Seniorenorganisationen werden aktiv eingebracht.

-Die Seniorenorganisationen nehmen in ihren Regionen aktive Rollen ein. Sie kommunizieren die Wünsche, Forderungen und Ideen ihrer Mitglieder an die einzelnen Ebenen des Staates, helfen bei der Erarbeitung und praktischen Umsetzung von konkreten regionalen Projekten und suchen auch die aktive Zusammenarbeit / Projekterstellung durch Unternehmen, die die Bedeutung der Senioren in ihren Regionen richtigerweise erkennen.

-Die Senioren-Organisationen arbeiten in allen Regionen umfassend daran, ihre Aufmerksamkeit ausdrücklich auch den Bedürfnissen der Hochbetagten, der Hilfsbedürftigen und der Einsamen eigene Arbeitsschwerpunkte zu widmen. Ihre Existenz, ihre Wünsche und Bedürfnisse, ihre Sorgen und Anforderungen müssen in Politik wie Gesellschaft bewusst werden.

Der Schutz der Würde am Ende des Lebens ist uns ein Herzensanliegen!

Daher:

-Das Recht jedes Menschen auf das Leben muss gesetzlich geschützt werden: Beibehaltung des Verbots der Tötung auf Verlangen in Österreich, Strafbarkeit der organisierten Sterbehilfe in Deutschland.

-Das bedeutet allerdings nicht eine Pflicht zur Lebensverlängerung. Sterbende Menschen sollen nicht gegen ihren Willen behandelt oder weiterbehandelt werden. Sterben kann zugelassen werden. Dies ist durch die Option der Patientenverfügung in verantwortungsvoller Weise gesichert.

-Wir bekennen uns nachhaltig zu bestmöglicher Sterbebegleitung und Palliativmedizin. Dazu ist eine flächendeckende, bezahlbare und angemessene Hospiz- und Palliativversorgung für alle Menschen, eine weitere Erforschung und Entwicklung der Palliativmedizin, die Sicherstellung der Finanzierung der häuslichen Pflege nötig. (Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Seniorenbund, stv. Generalsekretärin Susanne Walpitscheker, 0650-581-78-82, swalpitscheker@seniorenbund.at, www.seniorenbund.at

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