Robert Pfaller in ORF-Reihe "Was ich glaube": Wie ist das mit der Mäßigung?

Am 1. November um 16.55 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Im Rahmen der Serie "Die Wiederkehr der Tugend" machen sich Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kunst und Philosophie in der in HD produzierten ORF-Reihe "Was ich glaube" - jeweils Sonntag um 16.55 Uhr in ORF 2 - Gedanken über die Aktualität der alten Tugenden:
Diese Woche widmet sich der Philosoph Robert Pfaller ausnahmsweise bereits am Samstag, dem 1. November 2014, um 16.55 Uhr in ORF 2 der Mäßigung.

"Ich glaube, man könnte mit Platon und Aristoteles durchaus sagen, dass Genussfähigkeit oder Glücksfähigkeit eine adäquate Übersetzung des Begriffs wären, den wir meistens mit dem Wort Mäßigung widergeben!", so Robert Pfaller, der auf das Begehrungsvermögen des Menschen verweist: "Im Verständnis von Platon und Aristoteles ist Mäßigung eigentlich die Fähigkeit, etwas begehren zu können und sich freuen zu können oder sich auch auf etwas freuen zu können. Insofern steht die Mäßigung zwischen der Sucht und dem Haben-Müssen und auf der anderen Seite zwischen dem Null-Bock oder 'Low Desire Syndrome', wie man das in der Psychologie heute nennt - also der völligen Auslöschung des Begehrens." Pfaller verweist auf die Fähigkeit, Freude zu empfinden, als wertvolle Ressource: "Alles, was Menschen politisch handlungsmächtig macht, beruht ja auf dem Prinzip, dass sie in der Lage sind, ihr Glück einzufordern. Das ist nicht immer selbstverständlich. Menschen sind oft sehr leicht verführbar, ihr Glück zu opfern für eine große Sache. Man braucht ihnen gar nicht viel zu bieten, und sie sind schon bereit, für irgendetwas zu sterben." Nicht zuletzt deshalb meint Pfaller: "Es gibt vielleicht so etwas wie eine Pflicht, glücksfähig zu sein, weil man sonst für andere Menschen sehr unangenehm werden kann."

Die Mäßigung zählt seit Platon neben der Klugheit, der Gerechtigkeit und der Tapferkeit zu den vier Kardinaltugenden. Anders als die drei christlichen oder theologischen Tugenden (Hoffnung, Liebe, Glaube), die - so heißt es im Christentum - als von Gott verliehen gelten, könnten und müssten die vier Kardinaltugenden erworben werden. Die große abendländische Tradition sieht in der Tugend jene Fähigkeit und Tauglichkeit des Menschen, die ein umfassendes Glücken des persönlichen und sozialen Lebens ermöglicht.

Bisweilen klingt der Begriff der "Tugend" ein wenig verstaubt. Aber hat er in einer Gesellschaft, die vor der Herausforderung steht, das individuell Gute mit dem sozial Gerechten in Einklang zu bringen, seine Aktualität verloren? Die Sendereihe "Was ich glaube" lässt interessierte Zeitgenossen beiderlei Geschlechts zu Wort kommen und schickt sie - mit Blick auf die aktuellen gesellschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen - auf die Suche und Interpretation nach den vier klassischen Grundtugenden - Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigung - und den drei sogenannten göttlichen Tugenden - Glaube, Liebe, Hoffnung.

Den Einstieg in die Reihe machte der Philosoph und Theologe Clemens Sedmak am 21. September mit allgemeinen Überlegungen zu den Tugenden. Weitere Gedanken über die Aktualität der alten Tugenden machten sich bisher die Schauspielerin Maria Hofstätter über den Glauben, die Schriftstellerin Julya Rabinowich über die Liebe, der Physiker Herbert Pietschmann über die Hoffnung und Conchita Wurst über die Tapferkeit. Am Sonntag, dem 9. November, widmet sich Schriftsteller Robert Kleindienst der Gerechtigkeit, am 16. November Hirnforscher Manfred Spitzer der Klugheit?

Die Sendungen sind nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar und werden auch als Live-Stream auf der ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) angeboten.

Seit 25. Oktober sind die Spartenkanäle ORF III und ORF SPORT + sowie die "Bundesland heute"-Ausgaben auch im HD-Standard zu empfangen. Alle Informationen zum ORF-HD-Empfang und zur Einstellung der neuen HD-Angebote finden sich auf der Website hd.ORF.at, die ORF-Service-Hotline 0800 / 090 010 gibt kostenfrei aus ganz Österreich persönliche Hilfestellung.

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