TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Mut zur Spitalsholding", von Peter Nindler

Ausgabe vom 29. Oktober 2014

Innsbruck (OTS) - Der Kostendruck auf die finanziell noch gut dastehenden Tiroler Spitäler steigt Jahr für Jahr, die Abgänge belasten die
Gemeinden. Reformen wie eine landesweite Spitalsholding wären zumindest eine wirtschaftliche und strukturelle Chance.

Österreichweit müssen die zehn Tiroler Landes- und Bezirksspitäler keinen Vergleich scheuen. Finanziell stehen sie noch gut da, doch beschönigen sollte man auch nichts. Die Finanzierung wird sowohl für die Landeskrankenhausholding Tilak als auch für die Gemeindeverbände ein jährlicher Kraftakt. 2012 und 2013 schrieben die Krankenhäuser ein Minus von mehr als 90 Millionen Euro. Und die Herausforderungen werden nicht weniger, die Spitalskosten galoppieren in Tirol wie in den anderen Bundesländern davon. Dazu kommen noch die hohen Investitionskosten für notwendige Modernisierungsmaßnahmen in den einzelnen Krankenanstalten.
Bei einer gerechteren finanziellen Abgeltung der Gastpatienten aus anderen Bundesländern wäre natürlich alles leichter zu stemmen. Doch "Wünsch Dir was" spielt sich halt nicht im österreichischen Spitalswesen. Trotzdem benötigt es Reformen, manchmal eben regional. Bisher haben die Gemeindeverbände und die Bürgermeister gebremst, wenn die Zusammenführung aller Spitäler zu einer Landesholding politisch angedacht wurde. Schließlich wird seit Jahren kritisch hinterfragt, ob es wirklich noch zeitgemäß ist, dass Bürgermeister Krankenhäuser führen. Das gilt gleichermaßen für Altenheime. Noch überragen die Kirchtürme den Reformwillen in den Gemeindestuben. Die Bürgermeister wollen sich ihre Einflusssphären und ihr Einflusskapital nicht nehmen lassen, obwohl sie Jahr für Jahr mehr zahlen müssen.
Der Vorstoß von Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf sollte deshalb nicht automatisch schubladisiert, sondern von der schwarz-grünen Landesregierung ambitioniert aufgeriffen werden. Vieles im Spitalswesen wird ohnehin zentral gesteuert, eine Landesholding könnte strukturelle und wirtschaftliche Vorteile bringen. Die Steiermark musste zwar wegen eines enormen Spardrucks Verwaltungsreformen durchführen, aber die rot-schwarze Landesregierung hat dort auch heiße Eisen wie die Gemeindezusammenlegungen angefasst. Das würde man sich in Tirol von der Landesregierung manchmal ebenfalls erwarten.
Obwohl der Zusammenarbeitsvertrag von Tilak und Medizinischer Universität die erste Bewährungsprobe noch zu überstehen hat: Er war letztlich notwendig. Eine landesweite Spitalsholding mag zwar aktuell nicht zwingend sein, aber mittel- und langfristig wäre sie sicher politisch weitsichtig.

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