Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 27. Oktober 2014; Leitartikel von Alois Vahrner: "Erste Entwarnung, aber Stress bleibt"

Innsbruck (OTS) - Utl: Das mancherorts befürchtete Beben beim europäischen Banken-Stresstest blieb glücklicherweise aus. Das Gros der Institute hat den Finanz-Gesundheits-Check ganz gut bestanden. Noch bleibt einiges zu tun, auch in Österreich.

Mit Hochspannung waren gestern die Ergebnisse des umfassenden europäischen Banken-Stresstests erwartet worden. Tausende Bankaufseher, Wirtschaftsprüfer und Juristen waren an dieser größten Bankenprüfung in Europa aller Zeiten für die Europäische Zentralbank (EZB) beteiligt gewesen. Und es war nicht nur der größte, sondern auch bisher härteste Test: "Es sind die härtesten Szenarien, die jemals gerechnet wurden", betont man etwa bei der Finanzmarktaufsicht.
Das Ergebnis fiel überraschend gut aus, oder eigentlich noch richtiger gesagt, deutlich weniger schlecht als von etlichen Experten vorausgesagt: Demnach wären die meisten der 130 auf Herz und Nieren getesteten Großbanken in Europa für eine neue Finanzkrise gerüstet. In Österreich haben fünf von sechs geprüften Banken die Tests gut überstanden, mit der Erste Bank und der Raiffeisen Zentralbank auch zwei Institute mit starkem Engagement in Osteuropa. Dass die Volksbanken AG (ÖVAG) den Test nicht schaffen würde, war klar. Bereits im Vorfeld hatten die Volksbanken das Aus für die ÖVAG und Fusionen zu größeren Instituten in den Bundesländern fixiert.
Als Problemkinder kristallisierten sich beim Stresstest einmal mehr die südlichen Euro-Staaten heraus: Italien, Zypern und Griechenland stellten insgesamt 15 der 25 beim Test durchgefallenen Banken. Von den 25 Instituten haben etliche das benötigte Kapital in der Zwischenzeit bereits aufgetrieben. Zumal auch die ÖVAG und die belgische Dexia abgewickelt werden sollen, bleiben nur elf Geldhäuser mit akutem Bedarf an Kapital.
Die Situation der Banken hat sich verbessert, eine endgültige Entwarnung kann aber ganz sicher nicht gegeben werden. Denn auch noch so harte Annahmen bei Tests könnten in der Realität noch schlechter ausfallen. So war etwa die Eskalation des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine im Test nicht mehr berücksichtigt worden.
Für die Steuerzahler in Europa und natürlich auch in Österreich ist das Resultat des Stresstests ein großer Hoffnungsschimmer, dass sie nicht noch einmal mit ähnlichen irrwitzigen Summen zur Kasse gebeten werden wie nach dem Ausbruch der Finanzkrise, als der Totalkollaps gedroht hat. Wie viel die Rettung bzw. Finanzspritzen von maroden Banken in Österreich, allen voran die Hypo Alpe Adria, am Schluss gekostet haben werden, ist noch offen. Die Grünen gehen von bis zu 15 Mrd. Euro aus, also 2000 Euro für jeden und jede in Österreich. Ein teurer Weltspartag der etwas anderen Art.

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