Schule: Zu wenig Zeit für politische Bildung

Aber schon in der Volksschule wollen LehrerInnen ihre SchülerInnen mit politischen Zusammenhängen vertraut machen, zeigt Sora-Studie für Wien

Wien (OTS) - Ob SchülerInnen an den Volksschulen und in der Mittelstufe Politische Bildung bekommen oder nicht, ist derzeit oft ein Glücksspiel. Mehr als die Hälfte der LehrerInnen sagt, sie hätte wegen des umfangreichen sonstigen Lehrplans keine Zeit für Politische Bildung. Zu diesem Ergebnis kommt die erste Untersuchung zur Politischen Bildung in den Schulen für Sechs- bis Vierzehnjährige, für die das Institut Sora ingesamt 476 LehrerInnen in Wien befragt hat. Freilich gibt selbst in der Volksschule jede/r dritte LehrerIn an, Politische Bildung häufig zu unterrichten, und weitere zwei Fünftel tun das manchmal. "Darauf können wir aufbauen", sagt Melitta Aschauer, Bereichsleiterin Bildung in der AK Wien, heute Donnerstag bei der Präsentation der Studie in der Pädagogischen Hochschule Wien. Sie fordert verpflichtende Aus- und Weiterbildung der LehrerInnen in Politischer Bildung. Ruth Petz, Rektorin der Pädagogischen Hochschule Wien, unterstreicht die Wichtigkeit der nachhaltigen Verankerung der Politischen Bildung in Aus-, Fort- und Weiterbildung. Durch die Gründung des "Zentrums für Politische Bildung" an der Pädagogischen Hochschule Wien in Kooperation mit der Arbeiterkammer Wien fließt Politische Bildung interdisziplinär in Lehre und Forschung ein.

Die Sora-Befragung lief im Auftrag der Pädagogischen Hochschule Wien in Zusammenarbeit mit der Arbeiterkammer Wien. Erfreulichstes Ergebnis: Über 80 Prozent der LehrerInnen an den Wiener Volks-, Haupt-, Neuen Mittelschulen und der Unterstufe der Gymnasien messen der Politischen Bildung in der Schule große Bedeutung zu. Rund die Hälfte der LehrerInnen hält sich selbst für die Politische Bildung ihrer SchülerInnen verantwortlich (Volksschule: 55 Prozent; Mittelstufe: 49 Prozent). Allerdings hängt die Umsetzung des generellen Unterrichtsprinzips "Politische Bildung" (in der neuen Mittelschule und der Unterstufe der Gymnasien soll sie auch Teil des Kombinationsfachs "Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung" sein) stark von den LehrerInnen selbst ab.

Mehr als die Hälfte der LehrerInnen sagt, sie hätte wegen des umfangreichen sonstigen Lehrplans keine Zeit für Politische Bildung. Ein Drittel sagt, es fehle die Ausbildung, um Politische Bildung zu vermitteln. Überdies verlässt sich mehr als die Hälfte der LehrerInnen in der Vorbereitung des Unterrichts in Politischer Bildung hauptsächlich auf eigene Ideen und selbstgestaltetes Material.

Am wichtigsten ist es den LehrerInnen, die Fähigkeit zu vermitteln, gewaltfrei Konflikte zu lösen und sich selbst eine kritische fundierte Meinung zu bilden. Auch die Erziehung zu Toleranz und Gerechtigkeit hat einen wichtigen Stellenwert. Umgekehrt gelingt es den LehrerInnen nur mäßig, die Mitgestaltung und Mitbestimmung des Unterrichts durch die SchülerInnen zu fördern und schuldemokratische Prozesse zu begleiten.

"In der Politischen Bildung sollen Schülerinnen und Schüler auch lernen können, für ihre eigenen Interessen einzutreten", fordert AK Bereichsleiterin Melitta Aschauer auch "mehr politische Bildung im engeren Sinn". Dabei unterstützt sie die LehrerInnen, die laut Umfrage bessere Lehrmaterialien und mehr Fort- und Weiterbildung in Politischer Bildung wünschen. Ausgebaut gehöre das Fach Politische Bildung auch in der LehrerInnenausbildung selbst.

Rasch umgesetzt werden sollen die Pflichtmodule "Politische Bildung" im Geschichteunterricht für die SchülerInnen in der Mittelstufe, wie das im Regierungsprogramm versprochen wurde. Letztlich müsse Politische Bildung als eigenes Fach eingeführt werden.

Rektorin Ruth Petz sieht in den Ergebnissen einen Auftrag für die starke Positionierung der Politischen Bildung im Zusammenhang mit der PädagogInnenbildung Neu. "Die Resultate dieser Studie zeigen, dass auch die Politische Bildung in den verschiedenen Lehramtsstudien der Pädagogischen Hochschule Wien weiter verstärkt werden muss." Ruth Petz weiter: "Die professionsorientierte Reflexion des politischen Verständnisses von angehenden PädagogInnen stellt eine Grundlage für die Sicherung eines solidarischen Demokratieverständnisses dar."

SERVICE: Kurzfassung der Studie "Politische BildnerInnen 2014" unter
http://wien.arbeiterkammer.at/bildungspolitik

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