Diagnosen-Codierung: Neue Schikane für Hausärzte

Wien (OTS) - Nach ELGA wartet bereits die nächste Schikane der Gesetzgeber und Bürokraten auf die Hausärzte: Spätestens 2016 soll die Erfassung und Codierung sämtlicher Verdachtsdiagnosen in den Regelbetrieb gehen. "Hausärztliche Tätigkeit versinkt damit endgültig im gesundheitsbürokratischen Morast", fürchtet der Österreichische Hausärzteverband (ÖHV). Eine derart aufgeblähte Gesundheitsbürokratie lasse keine Zeit mehr für Zuwendungsmedizin, die Leidtragenden seien letztlich die Patienten.

Medizin im Korsett

Diese brisanten und bedrohlichen Perspektiven zeigte der Hausärzteverband im Rahmen einer Podiumsdiskussion im Wiener RadioKulturhaus auf. Das Schreckgespenst heißt "ICD 10" und wird in behördlichen Kommissionen gerade für die "Ausrollung" in etwas mehr als einem Jahr vorbereitet. "Im Gegensatz zur lateinischen Nomenklatur schnürt eine solche, in Zahlen verkürzte, Abbildung der Wirklichkeit die Medizin in ein Korsett, das jegliche Entscheidungsfreiheit abwürgt", betont Dr. Wolfgang Werner, Vizepräsident des ÖHV. Er fürchtet: "Wir behandeln künftig nicht mehr Patienten, sondern Akten und Fälle. Ärzte werden damit ‚entqualifiziert‘. Politik und Wirtschaft haben ein weiteres Steuerungsinstrument, um den bisher unabhängigen Berufsstand der Ärzteschaft zu vereinnahmen und nach ihrem Belieben zu lenken."

Auf dem Rücken der Patienten

Gewinner dieses im Gang befindlichen "Paradigmenwechsels von einer ärztezentrierten zu einer systemzentrierten Medizin" seien unter anderem die Sozialversicherungen, so Werner. Für den Patienten hingegen gäbe es keinerlei Vorteile. Im Gegenteil, künftig werde sich der eine oder andere Patient rechtfertigen müssen, wenn das System aufdeckt, dass er zu früh oder zu spät nach neuen Medikamenten fragt.

Die von den Hausärzten abgelehnte Codierung ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur "evidenzbasierten Medizin", ist Werner überzeugt. Leitlinien, die nur in geringem Maße von Ärzten, hauptsächlich aber von Politikern und Ökonomen, definiert werden, seien äußerst fragwürdig. "Leitlinien als Empfehlung ja, als Zwang nein. Das dürfen wir uns nicht bieten lassen", so Werner kämpferisch.

Wer soll das bezahlen?

Hinzu kommt, dass der Zeitaufwand und damit auch die Kosten für die Codierung gigantisch sind. Bei durchschnittlich 60 Patienten in einer Ordination verursacht sie einen Mehraufwand von eineinhalb bis zwei Stunden pro Tag. Da die Codierung immer gleich nach der Behandlung erfolgen muss, ist von einer Verlängerung der Ordinationszeit von bis zu einem Drittel auszugehen. "Wer zahlt die Betriebskosten, wer zahlt das Personal? Immerhin geht es dabei um einen geschätzten Mehraufwand von rund 80.000 Euro pro Ordination pro Jahr, der abgegolten werden muss.", forderte Dr.in Martina Hasenhündl, Erste Kurienobmann-Stellvertreterin der Niederösterreichischen Ärztekammer, bei der Podiumsdiskussion.

"Die Codierung wird kommen, die gesetzlichen Grundlagen sind bereits gegeben", fürchtet Hasenhündl ebenso wie der Hausärzteverband. "Werden diese neuerlichen Schikanen für die Vertragsärzteschaft zur Pflicht erhoben, müssen wir Hausärztevertreter uns zur Notwehr entschließen", kündigt ÖHV-Sprecher Dr. Wolfgang Geppert an. "In diesem Fall werden wir die Medizinstudenten, Studienabgänger und Spitalsärzte in umfassender Weise informieren, mit welchen bürokratischen Schikanen der Beruf eines Allgemeinmediziners in Österreich verbunden ist, und ihnen Argumente für ihre Entscheidung geben, ob sie unter den herrschenden Bedingungen hierzulande eine Kassenordination für Allgemeinmedizin eröffnen bzw. übernehmen möchten oder nicht", so Geppert.

Weitere Informationen unter www.hausaerzteverband.at

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