TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Donnerstag, 23. Oktober 2014, von Manfred Mitterwachauer: "Verkauft und verraten"

Innsbruck (OTS) - In Igls droht ein Kräftemessen um den Verbleib der Patscherkofelbahnen-Talstation. Zwischen gebrochenen Polit-Versprechen und betriebswirtschaftlichen Überlegungen wird eines offenkundig: Primär fehlt es an einer touristischen Strategie.

Die Tage der Pendelbahn auf den Patscherkofel sind gezählt. Der Haus-und Olympiaberg der Innsbrucker soll ein neues Gesicht bekommen. Jetzt, da Peter Schröcksnadel das Kofel-Zepter für ein fürstliches Salär (10,7 Mio. Euro) an die Stadt abgegeben hat, soll kein Stein auf dem anderen bleiben. Vorbei sind plötzlich die Zeiten, als der Erhalt der maroden Pendelbahn - sei es in sanierter oder neugebauter Form - samt deren Talstation im Igler Zentrum von der Bürgermeisterliste Für Innsbruck (FI) abwärts gralsartig als argumentative Stütze für den Millionen-Deal die Runde machte. Nun soll eine Kombi-Bahn den Kofel nicht nur in eine bessere Zukunft, sondern auch weg vom Igler Dorfzentrum führen.
Die Igler fühlen sich ob des für viele überraschenden Schwenks insbesondere von FI und ÖVP regelrecht verraten und verkauft - zu Recht. Wenngleich in diesem Fall in umgedrehter Reihenfolge. Sie wollen aber um ihren direkten Bahnen-Anschluss kämpfen. Zumal sie daran das Wohl eines ganzen Stadtteils knüpfen. Doch lohnt sich dieser Kampf?
Ungeachtet der gebrochenen Polit-Versprechen verdeckt der Streit um den künftigen Standort der Talstation ein tieferliegendes Problem. Igls muss sich die Frage stellen, ob der Erhalt der Talstation im Ort mehr als nur das Festhalten an einem Stück Nostalgie ist. Touristisch gesehen hat Igls den Status einer tragenden Säule im inzwischen weit über die Stadtgrenzen hinaus gewachsenen Tourismusverband längst verloren. Igls ist im Wandel - hin zu einem Schlafdorf für jene, die es sich leisten können. Diese Entwicklung mag zu kritisieren sein -ein Lift allein wird sie aber nicht stoppen können. Von einer strategischen Neuausrichtung des darbenden Tourismus in Igls fehlt jede Spur. Bereits vor Jahren ging Alt-TVB-Obmann Hubert Klingan mit dem Versuch baden, die Igler Region als Luftkurort zu etablieren. Und die Stadt Innsbruck hat derzeit bestenfalls eine vage Ahnung, welchen Weg der Patscherkofel künftig im Sommer und/oder Winter einschlagen soll. Lediglich über das Mittel wird gestritten - die bekannte Kombi-Bahn.
Das Bild im Bergbahnen-Großraum ist ähnlich - auch hier ist vieles in Schwebe. So suchen manche in einer Schweizer Studie und deren lifttechnischen Conclusio, nämlich dem Zusammenschluss von Schlick und Axamer Lizum über die Kalkkögel, ihr letztes und deshalb so umstrittenes Heil.
Es wäre im Kleinen wie im Großen besser, zuerst das Ziel der Reise und nicht das Transportmittel hierfür zu fixieren.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001