GPA-djp: STOPP dem Outsourcing/Nearshoring bei Banken

Untersuchung zeigt zweifelhafte Effekte der Auslagerungen in österreichischen Kreditinstituten

Wien (OTS/ÖGB) - "Outsourcingmaßnahmen im Bereich der österreichischen Kreditinstitute haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Dies führt zu großer Verunsicherung unter den Beschäftigten. Hoch qualifizierte Arbeitsplätze gehen verloren. Gerade in einer sehr sensiblen Branche, wo Vertrauen der Wettbewerbsfaktor Nummer eins ist, scheint es fraglich, was die Kunden, die Aufsicht und die Datenschützer davon halten und ob sich die geplanten Einsparungen tatsächlich einstellen", so der Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp), Wolfgang Katzian. ++++

Die GPA-djp hat die Arbeiterkammer Wien beauftragt, Tätigkeitsverlagerungen bei den wichtigsten heimischen Großbanken näher zu untersuchen. 25 aktuelle Projekte wurden dabei exemplarisch unter die Lupe genommen. Das Ergebnis zeigt, dass Tätigkeitsverlagerungen große Auswirkungen auf Anzahl und Qualität der Arbeitsplätze haben und auch Nachteile und Risiken für die Kunden nicht ausgeschlossen werden können. Aus Sicht der BetriebsrätInnen vernichten diese Projekte jeden dritten Arbeitsplatz, obwohl sie nicht die gewünschten Kosteneinsparungseffekte bringen. Alleine bei diesen 25 untersuchten Projekten sind etwa weitere 2.600 Arbeitsplätze betroffen, jeder dritte davon (über 800) dürfte verloren gehen.

Negative Auswirkungen auf Beschäftigte

"Tätigkeitsverlagerungen haben große Auswirkungen auf die betroffenen Beschäftigten und das Betriebsklima. Zudem gehen langjährige Erfahrung und spezielles Fachwissen von gut ausgebildeten Beschäftigten durch die Tätigkeitsverlagerung kurz- bis mittelfristig verloren. Die Umstrukturierungen beeinflussen aber auch das Arbeitsumfeld der Bankangestellten beträchtlich. Zwei Drittel der Projekte haben zur Folge, dass es zu erhöhten Ängsten um den Verlust des Arbeitsplatzes und steigenden Arbeitsdruck kommt", erklärt der Vorsitzende der Wirtschaftsbereichsgemeinschaft Finance in der GPA-djp Wolfgang Pischinger.

Auch für KundInnen relevant

"Wir sind aber auch überzeugt, dass KundInnen nach wie vor großen Wert darauf legen, dass ihre Bankgeschäfte von gut ausgebildeten Bankangestellten in Österreich erbracht werden. Ob in der Filiale oder online ist es für KundInnen wichtig zu wissen, welches Unternehmen ihre Bankaufträge tatsächlich abwickelt und für die Sicherheit der Systeme verantwortlich ist. Das Verlagern von Banktätigkeiten kann für Kreditinstitute zum Reputationsrisiko werden, wenn Kunden erfahren, dass große Teile ihrer Bankgeschäfte nicht in Österreich erledigt werden", so Pischinger.

Betriebswirtschaftlich umstritten

"Es gibt international wenig empirische Befunde und Analysen, die anhand messbarer und nachvollziehbarer Daten den tatsächlichen Nutzen und die anfallenden Kosten von Ausgliederungen erheben. Bei den meisten Erhebungen handelt es sich lediglich um qualitative Ex-Post Einschätzungen. Die Praxis zeigt, dass die gewünschten Ziele der Ausgliederungsmaßnahmen nicht eintreten. Vielmehr erweist sich Outsourcing als "Effizienz-Bumerang", da dieser Prozess mit erheblichen Kosten, Unsicherheitsfaktoren und neuen Abhängigkeiten einhergeht", so der Leiter der Abteilung Betriebswirtschaft in der AK-Wien, Mag. Heinz Leitsmüller.

Forderungen der GPA-djp

Die GPA-djp fordert daher eine Reihe von Maßnahmen, um den Prozess des Outsourcings bei heimischen Banken zu stoppen. Etwa durch die Erweiterung der Geltungsbereiche der Finance-Kollektivverträge und den Abschluss eines Kollektivvertrages für "banknahe Dienstleistungen".

  • die Aufnahme von Sozialpartnergesprächen mit dem Ziel Branchenprobleme zu erkennen, Auswirkungen von veränderten Geschäftsmodellen zu analysieren und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen für die Beschäftigten zu vereinbaren (z.B. Branchenstiftung),
  • durch gesetzliche Standards für die verpflichtende Auskunftserteilung mit dem Ziel KundInnen automatisch darüber zu informieren, wenn Kundendaten zur Erfassung, Verarbeitung und Löschung an externe Dienstleister weitergegeben werden,
  • durch Einbeziehung der aus Österreich ausgelagerten Wertpapierabwicklung einzelner Institute in den Prüfauftrag der Aufsicht (Finanzmarktaufsicht (FMA), OeNB und Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) mit dem Ziel, dass Dienstleister den gleichen Auflagen/Regulatoren/Prüfungen unterliegen wie die Kreditinstitute,
  • durch den Ausbau der Einflussmöglichkeiten der Datenschutzbehörde,
  • durch Definition des Begriffs Kerngeschäft im Bankwesengesetz (BWG). Ebenso durch Sicherstellung, dass das BWG (Konzession) weiter gilt, wenn durch Auslagerungen bzw. rechtlicher Verselbständigung von Geschäftsbereichen Befugnisse und Kompetenzen der Geschäftsführung gemäß BWG in Hinblick auf Risiko und Kontrollverlust übertragen werden,
  • durch Überprüfung, für welche der bereits ausgelagerten Tätigkeiten von Kreditinstituten eine Bankkonzession (§ 39 BWG) erforderlich ist mit dem Ziel der Beschränkung der operationalen Risiken für KundInnen und der österreichischen Volkswirtschaft, durch Erweiterung der Bestimmungen des ArbVG und AVRAG (Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz) hinsichtlich der Informations- und Beratungsrechte des Betriebsrates bezüglich der Tätigkeitsverlagerungen an Dritte (z.B. Vorlage der Dienstleistervereinbarungen). Sanktionen bei Nichteinhaltung dieses Informationsrechtes, um Tätigkeitsverlagerungen zu hemmen sowie,
  • durch die Ausweitung der Möglichkeit von Aufsichtsbeschwerden über das Wirtschaftskammergesetz hinaus.

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