"Menschen & Mächte" und "WELTjournal +" thematisieren Gewalt gegen Frauen

"Du gehörst mir" und "Vergewaltigung - Der Kampf der Miss World" am 22. Oktober im ORF

Wien (OTS) - In Österreich wird jede fünfte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt. Und jeder fünfte Mann wird zum Täter. Die Gründe dafür sind vielfältig, manchmal selbst erlebte Gewalt in der Kindheit, vor allem aber Sprachlosigkeit und keine Strategien, wie man Konflikte auch ohne Gewalt lösen kann. Mit Sprachlosigkeit und Gesprächsverweigerung waren auch die beiden Doku-Gestalter Edith Stohl und Florian Gebauer konfrontiert, vor allem bei den Männern. Wochenlang recherchierten sie, um Männer zu finden, die - auch anonym - über ihre Gewaltausbrüche vor der ORF-Kamera berichten. Lediglich ein Mann war bereit, darüber zu reden. Die "Menschen & Mächte"-Dokumentation "Du gehörst mir" beleuchtet am Mittwoch, dem 22. Oktober 2014, um 22.30 Uhr in ORF 2 die unterschiedlichen Formen von Gewalt und wie Männer und Frauen ihr entgehen können.
Um 23.25 Uhr begleitet das "WELTjournal +" die ehemalige Miss World Linor Abargil aus Israel, selbst Opfer einer traumatischen Gewalterfahrung, bei ihrem persönlich aufreibenden Kampf gegen Gewalt.

Menschen & Mächte: "Du gehörst mir - Gewalt gegen Frauen" - Ein Film von Edith Stohl und Florian Gebauer

Frauen erzählen in der Doku beeindruckend und auch analytisch, wie sie in die Gewaltspirale hinein und sehr schwer wieder heraus kamen. "Er hat mich besitzen wollen", sagt Frau Bennett über ihren Exmann. Kurz nach der Hochzeit begann er, sie herunterzumachen, herumzunörgeln, nichts konnte sie ihm recht machen. Sie wollte nach seinen Wünschen funktionieren, doch es half nichts. Mit einem Faustschlag in den Bauch wurde aus seelischer Gewalt körperliche, und er gab ihr die Schuld an seinen Gewaltausbrüchen. Fast alle Fälle von Gewalt gegen Frauen beginnen nach diesem Muster. Erst als ihr Mann nach fünf Jahren Tortur mit dem Messer auf sie losging, rief Frau Bennett die Polizei und erwirkte die Wegweisung. Danach bombardierte sie ihr Mann mit Anrufen, SMS und E-Mails, filmte sie auf der Straße und beobachtete genau, was sie tat und wen sie traf. "Wirklich schlimm wurde es, als mein Mann beschloss, sich aus Russland eine Zweitfrau auf den Bauernhof zu holen", erzählt Frau Kaufmann. Dem waren Jahre von Demütigung, Streitereien und blauen Flecken vorausgegangen.

"Heute kommen jüngere Frauen zu uns, die lassen sich die Gewalt nicht mehr so lange gefallen", erzählt die Leiterin des FH St. Pölten, Maria Imlinger. Entstanden sind die Frauenhäuser mit der Frauenbewegung der 70er Jahre, als sich die Frauen nicht mehr den Männern unterordnen wollten und das Recht auf Selbstbestimmung vor allem über ihren eigenen Körper forderten. 1975 wurde der Mann als das Oberhaupt der Familie abgeschafft und 1978 eröffnete das erste Frauenhaus in Wien. Jetzt gibt es insgesamt 30 in ganz Österreich. Noch immer ist es für die Frauen und ihre Kinder schwierig, sich nach der Trennung eine eigene unabhängige Existenz aufzubauen, Alleinerziehende leben am häufigsten in Armut und leiden auch unter der mangelnden Sensibilität des "Amtsweges", denn Unterhalts- und Vorschussverfahren dauern oft sehr lange. Frauen, die sich zur Trennung entschließen, sind danach auch häufig mit langen juristischen Auseinandersetzungen über Besuchsrechte konfrontiert.

Herrscht zwischen den Eltern Gewalt, überträgt sie sich in etwa 80 Prozent der Fälle auch auf die Kinder. "Wenn ich gewusst hätte, was aus Dir wird, hätte ich dich bei der Geburt fallen gelassen", sagte eine Mutter zu ihrer Tochter. Von der Mutter immer wieder geprügelt, befürchtete Frau Baumgartner, auch sie könnte gegenüber ihrem eigenen Kind gewalttätig werden. Das war jedoch nicht der Fall. "Auch mit schlechten Voraussetzungen kann das Leben gelingen", sagt die Psychiaterin Heidi Kastner, "so wie es mit guten misslingen kann. Das gilt auch für die Täter."

Christian hat als junger Mann eine Frau vergewaltigt, weil sein Cousin das von ihm verlangte. Nach einer Gefängnisstrafe mit Therapie pflegt Christian heute einen respektvollen Umgang mit Frauen. Gewaltschutzgesetze gibt es in Österreich seit 1997, jeden Tag kommt es zu 20 Wegweisungen aus der gemeinsamen Wohnung. Für Frauen gibt es viele Anlaufstellen, die Männer sind mit ihrer Schuld und Wut allein und hilflos. Männerberatung ist nach einer Wegweisung nicht verpflichtend, doch der Weg aus der Aggression will gelernt sein.

WELTjournal +: "Vergewaltigung - Der Kampf der Miss World"

Eine der schönsten Frauen der Welt, die ehemalige Miss World Linor Abargil aus Israel, hat ihr Leben dem Kampf gegen sexuelle Gewalt verschrieben - mit überwältigendem Echo. Linor ist selbst Opfer einer traumatischen Gewalterfahrung: 1998, als sie erst zur Miss Israel und dann zur Miss World gekürt wird, wird die damals 18-Jährige von einem Mitarbeiter ihrer Modelagentur entführt und vergewaltigt und kommt nur knapp mit dem Leben davon.

Zehn Jahre später beschließt Linor, ihre Bekanntheit und die Erfahrungen aus ihrem Prozess zu nutzen, um Frauen zu helfen, die Ähnliches durchgemacht haben. Über ihre Website ruft sie Vergewaltigungsopfer auf, ihr Schweigen zu brechen. Tausende Frauen auf der ganzen Welt haben sich seither gemeldet und die Taten ihrer Vergewaltiger öffentlich gemacht. Nach UNO-Angaben wird jede zweite Minute eine Frau vergewaltigt, die Dunkelziffer ist weit höher:
geschätzte 80 Prozent aller Vergewaltigungen werden nicht angezeigt, vor allem aus Scham, mangelnder Unterstützung in Familie und Freundeskreis und Skepsis gegenüber Behörden und Gerichten.

Das "WELTjournal +" begleitet Linor Abargil bei ihrem persönlich aufreibenden Kampf gegen Gewalt: etwa nach Südafrika, wo das Risiko für Mädchen, vergewaltigt zu werden, höher ist als ihre Chance auf einen Schulabschluss. Oder in die USA, wo sie prominente Opfer sexueller Gewaltverbrechen trifft wie die TV-Stars Joan Collins und Fran Drescher.

Beide Sendungen sind nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar.

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