TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Tirol, Land der vielen Gäste", von Liane Pircher, Ausgabe vom 19. Oktober 2014

"Einige arbeiten weiter daran, dass es ein ,Mehr gibt, andere versuchen, ebendies zu verhindern."

Innsbruck (OTS) - Die Entwicklung Tirols ist untrennbar mit dem Fremdenverkehr verbunden. Im Guten wie im Schlechten. Immer ist es ein Erfolg.

Tirols Tourismusgeschichte ist eine des Erfolgs. Das müssen selbst kritische Köpfe so sehen. Ohne Fremdenverkehr wäre ein Absiedeln aus vielen Tälern nicht zu verhindern gewesen. Ohne Tourismus könnten in einem Tal wie dem Paznaun nie von See bis Galtür 6030 Menschen ihre wirtschaftliche Lebensgrundlage finden. In einer Gegend, die aus vielen hohen Bergen und wenig besiedelbaren Tälern besteht, ist ökonomisch betrachtet nur für wenige Platz - außer man hat das Glück, dass dieser Landstrich besonders schön und touristisch verwertbar ist. Tiroler haben das früh erkannt. Mittlerweile spielt sich ein Drittel des österreichischen Gesamttourismus in Tirol ab.
Über viele Jahrzehnte wurde die Marke Tirol mit Tausenden positiven Bildern nach allen Regeln der Kommunikationskunst zu einem Mythos aufgeladen, der unser Land weltberühmt gemacht hat. Heute stehen Hunderte Skilifte, nur wenige Bergzacken sind nicht durch Pistenschneisen erschlossen. Während einige weiter daran arbeiten, dass es ein "Mehr" gibt, versuchen andere, ebendies zu verhindern. Immer wieder gab und gibt es Reibepunkte (z.B. Piz Val Gronda, Wilde Krimml, jetzt die Kalkkögel). Fakt ist, dass sich die Grenzen des Wachstums von selbst herauskristallisieren. Ein globaler Trend, den auch Tirol spürt. Gleichzeitig wird die Attraktivität eines Urlaubslandes von einem steigenden Prozentsatz der Gäste daran gemessen, wie authentisch ein Land und seine Bewohner sind. So ganz nebenbei bekommt der Alpenbogen als fragiles Ökosystem die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren. Weniger Schnee und sich einen Teil der verkauften Seele zurückholen sind nur zwei von vielen Themen, denen sich Tirol stellen muss. Heißt: Tirols Tourismusgeschichte bleibt spannend.

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