Amerikaner fahren mehr mit Öffis

Die Renaissance des öffentlichen Verkehrs in den USA bietet Chancen für österreichische Bahntechnologien

Wien (OTS/PWK696) - Die weltgrößte Ausstellung und Konferenz für innovative Produkte und Dienstleistungen für den öffentlichen Verkehr - APTA Expo - wird von der American Public Transportation Association (APTA) alle drei Jahre organisiert und fand heuer mit über 800 Ausstellern vom 13. bis 15. Oktober in Houston, Texas statt. 15.000 Fachbesucher konnten sich über aktuelle Trends, moderne Transportalternativen und Benchmarks informieren und global netzwerken. Das öffentliche Transportsystem in den USA ist ein 58 Mrd. USD Wirtschaftszweig mit 400.000 Beschäftigten. "In den letzten drei Jahrzehnten wurde das Transportnetz in den USA vernachlässigt, was in Zukunft erhebliche Modernisierungs- und Erweiterungsinvestitionen erforderlich macht. Von dieser zu erwartenden boomartigen Enwicklung in den nächsten Jahren werden österreichische Anbieter innovativer Bahntechnologien profitieren", erwartet Rudolf Thaler, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in Los Angeles. Eine APTA-Studie empfiehlt den Ausbau des öffentlichen Personenverkehrsnetzes um 100 Mrd. USD in den nächsten sechs Jahren. Pro investierte Milliarde wird mit 50.700 neuen Jobs gerechnet. APTA zeigt sich optimistisch hinsichtlich eines Konsens für eine langfristige Transportfinanzierung durch den Kongress, da dies wesentlich zur Planungssicherheit der Kommunen beiträgt.

Österreichische Unternehmen sind führend im Bereich Bahntechnologien. Getzner Werkstoffe GmbH ist Spezialist für Lärm-und Erschütterungsschutz. Vergangenes Jahr wurde Getzner USA in North Carolina gegründet, um näher beim Kunden zu sein. voestalpine Nortrak ist Nordamerikas Markt- und Technologieführer bei Weichentechnologien für Eisenbahnen, Metros und Tramways. Produziert wird in den USA an sieben Standorten. Das Bahngeschäft läuft ausgezeichnet und ist auf das Anziehen in allen Bahnsegmenten zurückzuführen. Einen Wirtschaftsimpuls hat der für Bahngesellschaften unerwartet hohe Anteil an Transporten von kanadischem Erdöl ausgelöst. Bei der Mehrheit der Bahnprojekte in den USA ist voestalpine Nortrak involviert.

Thaler: "Die öffentlichen Verkehrsnetze wurden mit dem Autoboom und dem massiven Bau von Highways in den 1950ger Jahren großteils eingestellt und erleben jetzt durch demographische Änderungen, wandelnde Lebensstile und neue Technologien eine Renaissance." Mehr als zwei Drittel der Amerikaner befürworten den Ausbau des öffentlichen Transportsystems. Die Inanspruchnahme öffentlicher Verkehrsmittel ist zwischen 1995 und 2013 um 37% gestiegen. Öffis erreichten vergangenes Jahr eine Rekordzahl von 10,7 Mrd. Fahrten, die höchste seit 57 Jahren. Der Trend setzt sich im 2.Quartal mit 2,7 Mrd. Rekordfahrten fort. Auch Präsident Barack Obama tritt für den Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes ein. Die Finanzierung des kalifornischen Bullet Trains ist laut California High-Speed Rail Authority gesichert und wird 2027 zwischen Los Angeles und San Francisco mit über 350 km/h verkehren. Mit dem Bau der privat finanzierten Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Houston und Dallas (330 km/h) soll 2016/17 begonnen werden. Auch die Einstellung zur Ikone Auto wandelt sich, so beispielsweise bei APTA-Gastgeber Houston. Die Autostadt Houston ist so riesig, dass die Städte Chicago, Detroit, Baltimore und Philadelphia Platz finden. Bürgermeisterin Annise Parker möchte Houston zur grünen Stadt für Pendler entwickeln. Auch in anderen US-Metropolen wie New York City und Los Angeles ist dieser Trend zur Nachhaltigkeit spürbar, denn die zusätzliche Spur auf der Highway ist nach Fertigstellung bereits längst obsolet.

Zunehmendes Umweltdenken und steigende Treibstoffpreise fördern die Bereitschaft, Öffis in Erwägung zu ziehen. Die vernetzte Generation der 18 bis 34-jährigen Millenials ist die größte in den USA und denkt in Transportalternativen wie Car & Trip Sharing, Bus, Bahn, Auto und Bike. Transport ist für sie auch eine Möglichkeit der Kommunikation. Ein Drittel der Millenials wohnt bereits in zentraler Innenstadtlage mit ausgebautem Transportnetz und der Besitz eines Autos ist nicht unbedingt erstrebenswert. Untersuchungen zeigen, dass Amerikaner weniger mit dem Auto zur Arbeit fahren und die Zahl der Führerscheinbesitzer unter den 17-Jährigen rückläufig ist. Für die älter werdende Generation der Babyboomer werden zunehmend urbane Gebiete mit Transportinfrastruktur attraktiv. Städte, die auf die wandelnden Transportbedürfnisse Rücksicht nehmen und in den Ausbau der Nahverkehrsnetze investieren, prosperieren. Neueröffnete Verkehrsabschnitte werden meist mit großem Erfolg von den Anrainern angenommen. Im Zeichen des Klimawandels sind einschneidende Änderungen im Transport erforderlich, d.h. weg vom täglichen Ein-Personen-Pendeln im Auto, hin zu einem öffentlichen Verkehrssystem mit Null Emissionen. 41% der öffentlichen US-Busflotte fährt bereits hybrid-oder batteriebetrieben. Vor zehn Jahren lag der Anteil noch bei 13%. Nicht umsonst dominierten am Messeparkett Busse.

"Die Präsenz vor Ort in Form einer eigenen Niederlassung oder eines gut vernetzten lokalen Partners, der auch Serviceagenden übernimmt, ist aber entscheidend für den nachhaltigen Erfolg", so Thaler. "Was zählt, sind innovative Technologie, Qualität und Service. Neueinsteiger ohne Referenzen haben es schwer. Innovative Nischenprodukte und Dienstleistungen können ein Türöffner sein. Vor Ort produzierende Unternehmen haben im Rahmen des 'Buy American Act' einen strategischen Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern, die nicht 'Made in USA' anbieten können." Wichtig ist, Flagge zeigen bei Messen als Aussteller oder Vortragender wie der APTA Expo oder der jährlich stattfindenden Konferenz und Ausstellung der American Railway Engineering and Maintenance-of-Way Association (AREMA), die heuer vom 28. September bis 1. Oktober in Chicago stattfand. Aussteller waren die Firmen Rhomberg Rail Salsa und Riegl. Österreichische Bahntechnologien haben in den USA einen ausgezeichneten Ruf. Nicht umsonst konnte sich Doppelmayr Cable Car gegen härteste Konkurrenz beim Bau des Flughafenzubringers im kalifornischen Oakland und bei der MGM - Century City Verbindung in Las Vegas durchsetzen. Amerikanische Gesprächspartner sind nach ihrem Österreich-Besuch begeistert von der Effizienz des öffentlichen Transportsystems. (BS)

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