Übererfüllung der Kassen-Sparziele verlängert Wartezeiten

ÖÄK-Wechselberger: Ein Drittel des Sparziel-Überschusses könnte dringend nötige Kassenstellen finanzieren

Wien (OTS) - "Mit nur einem Drittel des von den Krankenkassen erreichten Sparziel-Überschusses könnte man mehr als die dringend benötigten 1300 neuen Kassenstellen finanzieren", erklärte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Artur Wechselberger am Donnerstag in einer Aussendung. Bekanntlich haben die Krankenkassen anstatt der vorgegebenen 1,7 Milliarden drei Milliarden Euro eingespart. Das habe natürlich auch die Entwicklung der ambulanten Versorgung massiv gebremst, so Wechselberger, der damit an die jahrelange Forderung der Ärztekammer nach 1300 zusätzlichen Kassenstellen erinnerte.

Durch die Aufstockung der Kassenstellen ließen sich Wartezeiten rasch abbauen und in weiterer Folge der Zustrom zu den Spitalsambulanzen bremsen. Wechselberger: "Die Rechnung ist einfach: mehr Arztstellen -mehr medizinische Versorgungsleistung, und zwar dort, wo die Menschen sie brauchen." Um die geforderten Kassenstellen aber auch mit Jungärztinnen und -ärzten besetzen zu können, müssen sie attraktiv sein: "Eine Kassenstelle muss sich wirtschaftlich rechnen und es müssen flexiblere Arbeitszeitmodelle und neue Formen ärztlicher Zusammenarbeit möglich sein. Auch fachliche Einschränkungen nehmen dem Ärztenachwuchs die Freude an der kassenärztlichen Niederlassung."

Um eine Kassenordination wirtschaftlich führen zu können und auch im Sinne einer effektiven Patientenversorgung, müssten Kassenärzte ihre Leistungen unlimitiert erbringen können. "Das heißt, jeder Patient, der aus medizinischen Gründen eine bestimmte Leistung braucht, muss diese erhalten. Unabhängig davon, wie oft der Arzt die Leistung in einem bestimmten Zeitraum bereits erbracht hat", so der ÖÄK-Präsident. Als Beispiel nannte er die "therapeutische Aussprache", also das ausführliche Arzt-Patienten-Gespräch. Dieses dürfe kein Luxus sein, der aus Spargründen nur einem geringen Prozentsatz von Kassenpatienten zugute komme.

Weiters müsse das Kassensystem auch Leistungen anbieten, die in einer sich ändernden Realität der Krankenbehandlung erforderlich sind. Wechselberger: "Die Realität ist: Der Anteil chronisch Kranker, alter und/oder dementer Patienten steigt - die Leistungskataloge der Krankenkassen hinken dieser seit Jahrzehnten evidenten demografischen Entwicklung aber hinterher und müssen dringend angepasst werden."

Um den von der Politik gewünschten und grundsätzlich begrüßenswerten Ansatz einer integrierten Versorgung zu realisieren, müssen Kassenärzte auf ausreichende und rasch verfügbare Angebote nichtärztlicher Gesundheitsberufe zurückgreifen können. "Diese Angebote müssen für die Patienten leistbar sein - sprich, von der Kasse übernommen werden", so ÖÄK-Präsident Wechselberger. Schließlich haben die Krankenkassen auch in diesem Bereich einen Gesetzesauftrag, den sie aber bei Weitem noch nicht erfüllen, wie die Diskussion um die Stärkung der Primärversorgung zeigt, so Wechselberger abschließend. (ar)

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