Österreichische Turnusevaluierung (2)

Lehrpraxen schneiden sehr gut ab

Wien (OTS) - Besonders gut schnitten die Lehrpraxen ab: Sie konnten Durchschnittsnoten von 1,23 bis 1,76 auf der Schulnotenskala einfahren. "Die Arbeit im Praxisalltag wird nicht nur gut angenommen, sondern auch sehr hoch bewertet", so Kornhäusl. Dass im Rahmen der neuen Ausbildungsordnung erstmals mindestens sechs Monate Lehrpraxis verpflichtend vorgesehen seien, könne als Erfolg gewertet werden. Einziger Wermutstropfen: "Die Finanzierung ist nach wie vor ungeklärt, und die Übergangsfrist bis zur Einführung der verpflichtenden einjährigen Lehrpraxis ist viel zu lang", kritisierte Kornhäusl. Die Umfrageergebnisse würden belegen, dass gerade die praktische Ausbildung in der Ordination gut angenommen werde. Kornhäusl: "Hier zu sparen, ist grundverkehrt. Es ist auch nicht Sinn der Übung, die Lehrpraxis in einer Spitalsambulanz zu absolvieren, wie das weiterhin erlaubt ist."
Unerlässlich sei auch der Ausbau des Bedside Teachings. "Wir können aus den Ergebnissen ablesen, dass jene Abteilungen, die Bedside Teaching praktizieren, in der Bewertung besser abschneiden. Auch der Lernerfolg wird als besser wahrgenommen", führte Kornhäusl aus. Knapp die Hälfte der Befragten - 48,8 Prozent - gebe an, nie am Bedside Teaching teilnehmen zu können, weitere 33,1 Prozent gaben an, gelegentlich oder selten einbezogen zu werden. "Das sind in Summe knapp 82 Prozent, die selten oder nie wichtige praktische Erfahrungen sammeln können, die sie für ihre spätere berufliche Laufbahn benötigen", so Kornhäusl.

Ein Manko sei nach wie vor das Fehlen von Ausbildungskonzepten an einzelnen Abteilungen. Die Frage, ob es ein Konzept oder ein Ausbildungslogbuch bzw. einen Leitfaden gebe, wurde von 58,8 Prozent mit Nein beantwortet. Gut beurteilt wurde wiederum die Erreichbarkeit der Stammmannschaft bei Fragen zu Therapien oder Eingriffen; 78 Prozent gaben an, dass die Stammmannschaft während der Kernarbeitszeit (fast) immer erreichbar gewesen sei, bezogen auf den verlängerten Dienst bejahten dies 73 Prozent.

Daten und Fakten

- Start der Turnusevaluierung war im August 2011, das Projekt war zunächst für drei Jahre angesetzt und soll auch in Zukunft weitergeführt werden.

- Von den insgesamt 8.809 ersteingeladenen Turnusärzten beteiligten sich 46,2 Prozent an der Evaluierung, bei der Wiedereinladung lag die Beteiligungsquote bei 84 Prozent (7.333 von 8.786 Wiedereinladungen).

- Insgesamt wurden 9.256 Abteilungsbewertungen abgegeben. Ausgewertet wurden jedoch nur jene Abteilungen, die von mindestens fünf Turnusärzten bewertet wurden. Aktuell sind dies 546 Abteilungen.

- Die Qualität der Ausbildung der Turnusärzte wurde insgesamt mit 2,72 auf der Schulnotenskala beurteilt. Damit hat sich die Bewertung seit der ersten Zwischenbilanz im Jahr 2012 leicht verbessert.

- Die Bewertungsbandbreite reicht von 1,00 bis 4,44 auf der Schulnotenskala.

- Aufgeschlüsselt nach Fächern, werden im Durchschnitt die Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie und Nuklearmedizin am schlechtesten bewertet; ihre Durchschnittsnote liegt unter 3,0. Am schlechtesten wird der Lernerfolg im Fach Gynäkologie und Geburtshilfe beurteilt (3,38). Am besten schneiden Abteilungen für Anästhesie (2,11), Kinder- und Jugendheilkunde (2,40) und Unfallchirurgie (2,46) ab.

- Die Lehrpraxen schneiden mit Noten zwischen 1,23 und 1,76 deutlich besser ab als die besten Abteilungen im Spital.

- Zu den wichtigsten Faktoren für eine gute Bewertung der Abteilung und des Lernerfolgs gehören die Umsetzung eines guten Ausbildungskonzepts, Erreichbarkeit und Unterstützung durch die Stammmannschaft, Teilnahme an Abteilungsbesprechungen, das Durchführen selbstständiger Untersuchungen, wenig Zeitaufwand für nichtärztliche Tätigkeiten, Bemühen des Ausbildungsverantwortlichen um die Ausbildung, Führung ärztlicher Gespräche mit Patienten, Ambulanztätigkeit unter Anleitung, Bedside Teaching und Durchführung abteilungsspezifischer Untersuchungen. (slv)
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