Neue Technologien und Business-Cases für Speicher im Netzverbund

3. Viktor-Kaplan-Lecture von Oesterreichs Energie und FH Technikum thematisierte Zukunftsfragen der Speichertechnologie

Wien (OTS) - Speicher im Netzverbund werden durch den steigenden Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien ein wichtiges Zukunftsthema. Mit einer Rekordbeteiligung von rund 170 hoch-interessierten Besuchern aus Wissenschaft, Forschung, Lehre, Politik und Wirtschaft, thematisierte die dritte Viktor Kaplan Lecture, eine gemeinsame Veranstaltung von Oesterreichs Energie und der FH Technikum, welche Technologien zum Einsatz kommen können, Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Chancen neuer Speichertechnologien. Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie erwartet durch die Energiewende in naher Zukunft einen starken Anstieg von Speicherbedarf.

Batteriespeicher modernster Bauweise bieten die Chance, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung auf bis zu 65 Prozent zu erhöhen, ohne dass die Netzstabilität leidet, erklärte Clemens Triebel, CEO der Younicos AG, die Speicher auf der Basis von Hochleistungs-Lithiumbatterien baut und betreibt. Am 16. September hat Younicos für den deutschen Ökostromversorger WEMA einen Lithiumbatteriespeicher mit 5 MW Leistung in Betrieb genommen.

Der Speicher, der etwa das Ausmaß einer Sporthalle hat, wird von Younicos als erstes kommerzielles Batteriekraftwerk bezeichnet und wird für den Ausgleich kurzfristiger Schwankungen zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch ebenso eingesetzt wie für das "Abschneiden" und das Verschieben von Spitzen in Erzeugung und Verbrauch (Peak-Shaving" bzw. "Peak-Shifting"). Auf diese Weise lässt sich laut Triebel ein tragfähiges Geschäftsmodell darstellen. Batteriespeicher würden allerdings weder den Netzausbau und die Netzertüchtigung noch andere Speichertechnologien überflüssig machen. Angesichts des rapiden Ausbaus der erneuerbaren Energien sei es dringend notwendig, die Verteilnetze mit moderner Informationstechnik zu Smart Grids zu machen. Grundsätzlich würden alle Arten von Speichern benötigt, von Batteriespeichern bis hin zu großen Pumpspeicherkraftwerken. Aus technischer Sicht seien Pumpspeicher die idealen Speicher, allerdings werde ihre Kapazität nicht ausreichen um die künftigen Anforderungen abzudecken.

Regulierung hat Gesamtsystem bisher zu wenig beachtet

Thomas-Karl Schuster, zuständig für Netzplanung Strom und Telekommunikation der Wiener Netze sieht steigende Anforderungen in Bezug auf die Netzstabilisierung. Mangels Rentabilität würden immer mehr Großkraftwerke mit ihren Schwungmassen, bestehend aus Turbinen und Generatoren, aus dem Markt genommen. Solche Anlagen hätten bisher die Frequenz der Wechselspannung bei 50 Hertz stabil gehalten. Mit Batteriespeichern sei dies kaum möglich, "weil man so viele Batterien nirgends aufstellen kann", warnte Schuster. Eine Leistung von 5 MW, wie sie der Batteriespeicher der Younikos habe, sei bei einer Spitzenlast von etwa 2000 MW, wie sie im Wiener Netz vorkomme, praktisch vernachlässigbar. Außerdem habe der Netzbetreiber nicht das Recht, auf Batteriespeicher im Besitz von Erzeugern oder Stromkunden zuzugreifen. Netzbetreiber könnten diese daher nicht für die Netzstabilisierung nutzen, selbst wenn das technisch möglich und sinnvoll sei. Die Netzbetreiber seien gesetzlich verpflichtet, eine hohe Versorgungssicherheit und Versorgungsqualität zu gewährleisten. Dies könne allerdings nur in jenem finanziellen und rechtlichen Rahmen erfolgen, den die Regulierung vorgebe. Hier müssten Änderungen stattfinden, so Schuster.

Wirtschaftliche Betrachtung favorisiert Pumpspeicher

Thomas Nenning, der an der FH Technikum am Institut für Erneuerbare Energie lehrt, sieht Pumpspeicher derzeit als "einzige Technik zur Stromspeicherung, die sich rechnet." In der Speicherforschung würden derzeit vor allem die Fragen der Kostensenkung und die Erstellung von Geschäftsmodellen behandelt. Neue Technologien wie Batteriespeicher seien derzeit ohne Förderung wirtschaftlich im "Tal des Todes" zwischen der technischen Ausgereiftheit und Markteinführung. Die Speicherung von Strom im Erdgasnetz (Power-to-Gas) befinde sich noch für längere Zeit im Entwicklungsstadium. Probleme für den Einsatz neuartiger Speicher bringe auch das Fehlen geeigneter regulatorischer Rahmenbedingungen mit sich. Die FH Technikum Wien selbst forscht an mehreren Projekten an neuen Speichertechnologien.

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