ÖGB-Sipötz: Neue ÄrztInnenausbildung grundsätzlich ein Fortschritt

Arge-ÄrztInnen fordert Nachbesserungen in einzelnen Punkten

Wien (OTS/ÖGB) - "Das neue Gesetz zur ÄrztInnenausbildung ist grundsätzlich ein Fortschritt, auch wenn in einzelnen Punkten noch nachgebessert werden muss", bringt der neue Vorsitzende der Arge-ÄrztInnen im ÖGB, Johann Sipötz, die Position der VertreterInnen der ÄrztInnen im ÖGB auf den Punkt. Generell, so Sipötz, werde durch die Neureglung der ÄrztInnenausbildung vor allem im Bereich der Allgemeinmedizin die Ausbildungsqualität erhöht.++++
So sei es positiv, dass im Bereich der Ausbildung der AllgemeinmedizinerInnen sechs Monate verpflichtend in einer Lehrpraxis zu verbringen sind. Sipötz: "Ich habe allerdings Zweifel, ob genügend Lehrpraxen, Gruppenlehrpraxen sowie Lehrambulatorien im gesamten Bundesgebiet im ausreichendem Maß zur Verfügung stehen werden. Das könnte zu Verzögerungen in der Ausbildung führen. Hier muss nachgebessert werden." Das gelte auch für die Möglichkeit während der Ausbildung im Bereich einer Lehrpraxis ein weiteres Arbeitsverhältnis für Nacht- und Wochenenddienste bei einer Krankenanstalt abzuschließen, um den Lebensunterhalt abdecken zu können. Sipötz: "Die Lösung der Einkommensfrage hat wesentliche Auswirkungen für den gleichberechtigten Zugang zur Ausbildung. Vor allem ÄrztInnen aus sozial schwächeren Schichten haben kaum Möglichkeiten, längere Zeiträume ohne festes Einkommen durchzuhalten."
Ein Fortschritt ist auch die regelmäßige Evaluierung der Ausbildungsqualität sowie die geplante Vereinheitlichung der Kriterien und Anforderungen für die Ausbildungsstätten. In diesem Sinne werde die Möglichkeit betrachtet, dass künftig auch medizinische Fakultäten von Universitäten als Ausbildungseinrichtungen anerkannt werden. Sipötz: "Ein Wermutstropfen ist allerdings, dass es damit auch zu einer Gleichstellung mit Privatuniversitäten kommt. Hier muss besonders darauf geachtet werden, dass es dadurch zu keiner weiteren Verengung des freien Zugangs zum Medizinstudium kommt. Das könnte vor allem fachlich geeignete Studierende aus sozial schwächeren Schichten treffen."
Gefordert wird von der Arge-ÄrztInnen, dass die Kernarbeitszeit für auszubildende ÄrztInnen wieder gesetzlich geregelt wird. Die Kernarbeitszeit sollte zwischen 7.00 und 17.00 Uhr liegen (bisher 8.00 bis 13.00 Uhr). Sipötz: "Die Erfahrung hat gezeigt, dass vor allem bei der Ausbildung zu FachärztInnen immer mehr Ärzte Kinderbetreuungsaufgaben übernehmen. Diese äußerst positive Entwicklung würde durch eine Flexibilisierung der Arbeitszeit zumindest gehemmt. Das darf nicht passieren."
Kritisch sieht der Vorsitzende der Arge-ÄrztInnen die sogenannte Verordnung, welche Deutschkenntnisse vorzuweisen sind. Sipötz:
"Sprachenverordnungen bergen immer die Gefahr, dass es durch die Anforderung eines bestimmten Sprachniveaus zu mittelbarer Diskriminierung aufgrund der Herkunft bzw. der ethnischen Zugehörigkeit kommt. Ich lege Wert darauf, dass eine derartige Verordnung diskriminierungsfrei gestaltet wird und für alle auszubildenden ÄrztInnen unabhängig von der Staatsbürgerschaft gilt."

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