BRÜDER SCHWADRON neue Orte & Spuren

Interaktives Ausstellungsprojekt im MAK FORUM

Wien (OTS) - Mit der Ausstellung "BRÜDER SCHWADRON neue Orte & Spuren" (MAK FORUM, 5. - 30. November 2014) erhält das Vermächtnis der von 1899 bis 1938 in Wien ansässigen Baukeramikfirma der jüdischen Brüder Schwadron erstmalig ein museales Forum. Anknüpfend an die im Januar 2014 in den Räumlichkeiten des ehemaligen Firmensitzes am Franz-Josefs-Kai 3 gezeigte Schau "BRÜDER SCHWADRON call to mind" eröffnet die gänzlich auf Crowdsourcing basierende Ausstellung "BRÜDER SCHWADRON neue Orte & Spuren" im MAK FORUM tiefe Einblicke in das Schaffen und die Geschichte des bedeutenden Baukeramikunternehmens. Die erstmals im MAK gezeigten Resultate eines Open Calls, der die Bevölkerung im Rahmen des Schwadron-Projektes 2013 (www.projekt-schwadron.at) einlud, Zeugnisse des Wirkens der Brüder Schwadron aufzuspüren, leisten imposante Reminiszenzen an das mannigfaltige Werk.

Als eines der führenden Keramikunternehmen der Jahrhundertwende prägte das aus Galizien stammende und vom Naziregime zerstörte Familienunternehmen Brüder Schwadron das Stadtbild Wiens. Mit qualitativ hochwertigen Erzeugnissen für private und öffentliche Gebäude leistete es einen erheblichen Beitrag zur Blütezeit des Kunsthandwerks zwischen Späthistorismus und Jugendstil. Namhafte Künstler, Architekten und Lehrer an der Wiener Kunstgewerbeschule wie Otto Prutscher, Michael Powolny, Berthold Löffler und Leopold Forstner arbeiteten mit und für die Firma Schwadron, die den Aufstieg der Wiener Keramik begleitete.

Die zahlreichen Hinweise interessierter Menschen, "Scouts", zum Wirken der Brüder Schwadron übertrafen die Erwartungen des Projektteams rund um Tina Zickler. In Wien und Baden konnten 25 bis dato unbekannte Wohnhäuser und Villen mit neuen Dekoren identifiziert werden. Auch in Tirol wurde ein Kachelofen entdeckt, dessen Türchen Name und Adresse der Brüder Schwadron zeigt. Ein weiterer in gleicher Weise "gebrandeter" Kachelofen befindet sich im Salon einer Wiener Wohnung im 7. Bezirk. Exemplarisch für die Vielfalt der von den "Scouts" entdeckten Orte und Objekte ist ein Brunnen, der im Eingangsbereich der Residenz Zögernitz zu finden ist und unter Denkmalschutz steht. Zu den eingereichten Fundstücken zählt auch eine Signaturfliese, die von "Ariseuren" des Naziregimes speziell gekennzeichnet wurde.

Zwei Neptun-Skulpturen nach dem Entwurf von Michael Powolny sind die Highlights der Ausstellung. Im ehemaligen Wiener Dianabad, das die Brüder Schwadron baukeramisch komplett ausstatteten, zierten acht Exemplare des Neptuns die Wandnischen um das Warmwasserbassin im Herrendampfbad. Ein besonderes Exponat ist eine Fotografie, die die Teilnahme des Unternehmens an der Frühjahrsausstellung des Österreichischen Kunstgewerbes 1912 im heutigen MAK demonstriert. Die Brüder Schwadron gestalteten das Ziegelmauerwerk und den Fußbodenbelag für den von Oskar Strnad entworfenen Gartensaal in dieser Leistungsschau des Kunsthandwerks.

Behutsam komponierte Fotografien von Lisa Rastl, die die wiederentdeckten Fliesen und Keramiken in zahlreichen Vestibülen und Stiegenhäusern porträtieren, reihen sich im MAK FORUM neben historische Aufnahmen von heute gänzlich oder partiell zerstörten Bauträgern, die einst Dekore der Brüder Schwadron zierten. Dokumente aus dem Österreichischen Staatsarchiv verdeutlichen die Repressalien, die Victor Schwadron unter der Herrschaft der NSDAP zu erdulden hatte.

Ziel der zweiten Ausstellung BRÜDER SCHWADRON neue Orte & Spuren ist es, die Erinnerungsarbeit fortzuführen und das Andenken an die Brüder Schwadron zu wahren, die einen einmaligen Beitrag zur Ästhetik der Stadtkultur Wiens leisteten und deren Familie und Firma von den Nazis vernichtet wurden.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog: "BRÜDER SCHWADRON neue Orte & Spuren", Hg. Tina Zickler, mit Fotos von Lisa Rastl, mit historischen Aufnahmen sowie mit Texten von Rainald Franz, Andreas Lehne, Kathrin Pokorny-Nagel und Tina Zickler, Eigenverlag, 108 Seiten, Wien 2014, Preis in der Ausstellung: Euro 20.

Die Ausstellung "BRÜDER SCHWADRON neue Orte & Spuren" ist eine Kooperation von labprojects kulturverein und MAK Wien.

Mit freundlicher Unterstützung von: Wirtschaftskammer Wien, Palmers Immobilien, Bundeskanzleramt Österreich, Bank Austria, Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus und Vöslauer.

Pressefotos unter MAK.at/presse sowie projekt-schwadron.at/presse.

PRESSEDATEN:

Presserundgang: Dienstag, 4. November 2014, 18:00 Uhr
Eröffnung: Dienstag, 4. November 2014, 19:00 Uhr
Ausstellungsort: MAK FORUM, MAK, Stubenring 5, 1010 Wien Ausstellungsdauer: 5. - 30. November 2014
Öffnungszeiten: Di 10:00-22:00 Uhr, Mi-So 10:00-18:00 Uhr, Jeden Dienstag 18:00-22:00 Uhr Eintritt frei
MAK-Eintritt: Euro 7,90/ermäßigt Euro 5,50/Familienkarte Euro 11/Eintritt frei für Kinder und Jugendliche bis 19

Idee und Konzept /Kuratorin: Tina Zickler
Wissenschaftliche Beratung: Rainald Franz, MAK-Kustode Glas und Keramik; Kathrin Pokorny-Nagel, Leitung MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung/Archiv
Fotografie: Lisa Rastl

Führungen: jeden Sonntag, 13:00 Uhr

Kuratorinnenführung: Freitag, 21.11.2014, 16:00 Uhr
Führung durch die Ausstellung mit Kuratorin Tina Zickler im Rahmen der Vienna Art Week

Lesung mit Tex Rubinowitz:
Samstag, 22. November 2014, 16:00 Uhr, MAK-Säulenhalle
Tex Rubinowitz liest u. a. aus seinem Buch Das staubige Tier - Über und unter Wien, in dem er schon 2007 von den Kacheln der Brüder Schwadron schwärmte.

Rückfragen & Kontakt:

Presse MAK
Judith Anna Schwarz-Jungmann (Leitung)
Sandra Hell-Ghignone, Veronika Träger, Lara Steinhäußer
Tel.: T: +43 1 711 36-233, 229, 212
presse@MAK.at
http://www.mak.at

Pressekontakt Projekt Schwadron:
Tina Zickler
Diplom-Kommunikationswirtin
info@projekt-schwadron.at
Mobil: 0664-5740303
Rainergasse 32/18
1050 Wien
projekt-schwadron.at/presse

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