Straßen-Sondertransport der besonderen Art: Riesiges Ausflugsschiff kreuzt ab heute quer durch Österreich

Komplexe Sicherheitsvorkehrungen - WKÖ: Privatisierung der Sondertransport-Absicherung ist Erfolgsgeschichte

Wien (OTS/PWK652) - Ein Sondertransport der besonderen Art quert dieser Tage Österreichs Straßen: Von der Lux-Werft nahe Bonn/Deutschland kommend, wird das Fahrgastschiff "Alpenperle" ab heute, Montag, rund 650 km über die heimischen Straßen in Richtung Kärnten transportiert. Das Passagierschiff, das 225 Personen aufnehmen kann und das erste Elektro-Hybrid Fahrgastschiff Österreichs ist, soll als touristisches Highlight am Weißensee eingesetzt werden. Der Sondertransport startet heute um 20 Uhr am Grenzübergang Suben in Oberösterreich und endet am Donnerstag in Techendorf am Weißensee.

Acht Begleitfahrzuge für den "schwimmenden Riesen"

Heimische Straßentransport-Aufsichtsorgane führen die professionelle Begleitung des "schwimmenden Riesen" durch. Die Begleit-Organe der Privatunternehmen sind durch rote Warnjacken deutlich sichtbar. Die Verkehrsregelung rund um den Sondertransport erfolgt meist mit Winkerkellen. Die Straßentransport-Aufsichtsorgane tragen Abzeichen und besitzen als vereidigte Organe der Bundesländer eigene Ausweise. Als Begleitfahrzeuge werden weiße Personenkraftfahrzeuge mit orangefarbenem Warnlicht eingesetzt. "Im Falle des Ausflugsschiffes kommen wegen der größeren Ausmaße und der höheren Sicherheitsgefährdung auch zwei Fahrzeuge mit Blaulicht zum Einsatz. Den Anweisungen der Sondertransportbegleiter ist dabei Folge zu leisten. Bei Verkehrsanweisungen haben Straßentransport-Aufsichtsorgane den gleichen Status wie die Polizei", erläutert Johann Fellner, Branchensprecher der heimischen Fahrzeug- und Transportbegleiter in der WKÖ. "Das Fahrgastschiff ist immerhin 47 Meter lang, 165 Tonnen schwer, 6,8 Meter breit und 4,5 Meter hoch, weshalb es bei der Durchfahrt von Baustellenbereichen zu kurzfristigen Behinderungen kommen kann."

Die Route führt von Oberösterreich (A8, A25) über die Westautobahn (A1) in den Raum Wien (A21), dann weiter über die Südautobahn (A2) Richtung Kärnten in den Bezirk Hermagor (B111, B87). "Andere Korridore wie Tauern- oder Pyhrnachse stehen aufgrund der Gewichtsbegrenzungen für Autobahnbrücken und Baustellenverengungen diesmal nicht zur Verfügung", erklärt Fellner und weist darauf hin, dass die Transportabwicklung hierzulande zur Gänze ohne Polizei erfolgt. "Österreich hat als einziger Staat in Europa diese Tätigkeit seit mehr als 10 Jahren erfolgreich und unfallfrei von Amtsorganen an heimische Privatunternehmen übertragen. Das Fahrgastschiff Alpenperle sichern 8 Begleitfahrzeuge aus der Privatwirtschaft ab."

Komplexe Vorbereitungen: Wiegen, messen, Weg frei halten

Bis der Schiffs-Schwertransport sicher am Bestimmungsort in Kärnten einlangt, sind zahlreiche Sicherheits-Maßnahmen zu setzen. Der Tieflader samt Fahrgastschiff wird entlang der Strecke mit mobilen Wiegeplatten nochmals detailliert verwogen. Die Gewichtslast von 165 Tonnen wird auf 15 Achsen verteilt. Die maximal zulässige Straßenbelastung wird dadurch eingehalten.

Eine weitere Bescheid-Auflage müssen die Begleitorgane umsetzen:
Es darf sich nur ein Fahrzeug auf der Brücke befinden, um die Brückentragwerke nicht zu beschädigen. Die 35 Tonnen-Zugmaschine wird mehrmals abgekoppelt. Schiffstransport fährt im Schritttempo mit eigenem Achsantrieb über heikle Brückenobjekte. "Somit werden verlässlich Gewichtsgrenzen und zulässige Abmessungen bei Brücken, zu denen Ziviltechniker Statik-Gutachten beisteuerten, eingehalten", so Fellner. Zwar steht das Schiff schräg, um die Betonleitwände zu überragen. Dennoch müssen im Autobahn-Ausfahrtsbereich zahlreiche Betonleitwände während der Vorbeifahrt entfernt werden. Engere Kurvenradien können so leichter bewältigt werden. Zur Verringerung der Fahrbreite werden Achsen "eingezogen". Da der Schiffsrumpf deshalb höher hinaus ragt, müssen Lichtleitungen angehoben werden. Am letzten Abschnitt sind daher Tagfahrten geeigneter als Nachtfahrten trotz weniger Verkehrsaufkommen.

Sondertransport-Absicherung vorbildhaft in Europa

Die Privatisierung der Sondertransport-Absicherung in Österreich gilt als Vorbild in Europa. Als einziger Staat in Europa schaffte Österreich die Begleitung durch die Polizei zur Gänze ab und übertrug die Sondertransport-Abwicklung privaten beeideten Aufsichtsorganen. "Seit Einführung der privatwirtschaftlichen Begleitung vor mehr als zehn Jahren gab es in Österreich keinen einzigen Unfall mit Beteiligung eines Sondertransports. Jährlich werden etwa 30.000 bewilligungspflichtige Sondertransport-Fahrten ohne Behinderung der anderen Verkehrsteilnehmer mit größter Professionalität abgesichert, wobei höchste Sicherheit gewährleistet wird", so Fellner. In Deutschland wird derzeit geprüft, das österreichische Model zu übernehmen. Deshalb würden momentan laufend Spitzenbeamte aus dem deutschen Innenministerium "zur Schulung" nach Österreich geschickt. (PM)

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